Deutsche-Post-Streik: Die Opfer des Poststreiks

Deutsche-Post-Streik: Die Opfer des Poststreiks

, aktualisiert 02. Juli 2015, 17:36 Uhr
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Der Poststreik fordert immer mehr Opfer.

Deutschland ächzt unter dem Poststreik. Pakete bleiben liegen, Rechnungen und Dokumente kommen nicht an. Und auch junge Start-ups, die verderbliche Ware verschicken, leiden unter dem Arbeitskampf bei der Deutschen Post.

Woche vier im Zusteller-Streik. Die Zahl der nicht ausgelieferten Pakete und Briefe wächst – und der Frust vieler Bundesbürger gleich mit. Selbst beim Steuerbescheid kann es eng werden. Nicht alle sind vom Arbeitskampf zwischen Gewerkschaft und Post gleich betroffen. Manche leiden mehr als andere. Eine Übersicht der Post-Streik-Opfer.

Jungen Startups verdirbt die Ware

Junge Lieferdienste, die verderbliche Waren verschicken, stellt der Streik vor besonders große Herausforderungen. Startups wie "Gegessen wird immer" oder "Chocri" verschicken Fleisch, Obst und Gemüse, Schokolade oder Pralinen. Die halten sich bei den Temperaturen im Sommer ohnehin nicht lange. Und durch den Streik bleiben viele Essensboxen liegen und verderben. Manche Gründer, so wie die des Blumenversands "Bloomy Days" setzen auf den teureren Expressversand, der eine Lieferung garantiert. Das verursacht aber enorme Kosten – vor allem für junge Unternehmen.

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Unternehmen kämpfen mit der Extra-Bürokratie

Doppelter Aufwand, fehlende Rechnungen und ausbleibende Zahlungseingänge. Unterlagen und Rechnungen, die sonst automatisch per Post versendet werden, müssen jetzt noch zusätzlich per Fax und Mail verschickt werden. Nicht überall ist der Umstieg auf den digitalen Versand ohne weiteres möglich, deshalb nehmen einige Unternehmen auch per Telefon Kontakt mit Kunden und Lieferanten auf. Doch selbst das ist keine Erfolgsgarantie: Zahlreiche Firmen – egal ob groß oder klein – berichten von offenen Rechnungen oder von Abbuchungen, ohne dass sie eine Rechnung gesehen haben.

Deutsche Post Die wichtigsten Antworten zum Post-Streik

Warum stellen nun Taxi-Fahrer Pakete zu? Mit wie viel Verspätung kommen Briefe an? Und wie lange dauert der Tarifkampf eigentlich noch? Nach drei Wochen Poststreik wächst der Fragenberg. Die wichtigsten Antworten.

Quelle: dpa Picture-Alliance

Besonders vom Streik betroffen sind die Onlinehändler. Zwei von drei Unternehmen aus diesem Bereich mussten laut einer Umfrage des Bundesverbands Onlinehandel bereits Umsatzverluste hinnehmen. Bei etwa jedem fünften Onlinehändler sei es ein Umsatzeinbruch von mehr als 25 Prozent gewesen, so die Studie. Die Umfrage wurde während des Streiks unter 250 Onlinehändlern durchgeführt. Die Unternehmen müssten einen enormen Mehraufwand durch den Versand zu höheren Gebühren oder verstärkte Kundenkommunikation verkraften, so der Verband. Als Reaktion auf den Streik sind laut der Umfrage bereits 40 Prozent der Händler dabei, andere Versanddienstleister einzubinden. Sprich: Die Post verliert Kunden.

Post-Streik: Was Sie jetzt wissen müssen

  • Warum wird gestreikt?

    Im Januar überrumpelte die Deutsche Post die Gewerkschaft Verdi mit einem ungewöhnlichen Schritt: Der Bonner Konzern gründete 49 Regionalgesellschaften mit dem Namen Delivery GmbH. Dort werden seit April Paketboten zu den Bedingungen des Logistiktarifvertrags beschäftigt. Sie erhalten damit rund 20 Prozent weniger Lohn als ihre Kollegen, die nach dem Post-Haustarif bezahlt werden.

    Die Gewerkschaft Verdi fordert, dass die Post diesen Schritt wieder rückgängig macht. Seit April hat Verdi deshalb regelmäßig zu Warnstreiks aufgerufen, seit Anfang Juni führt die Gewerkschaft einen unbefristeten Streik. Mehr als 32.000 Post-Mitarbeiter haben ihre Arbeit niedergelegt.

    Am 3. Juli wollen der Post-Vorstand und Verdi ihre Verhandlungen fortsetzen. Der Streik soll jedoch weiterlaufen, bis es eine endgültige Einigung gibt.

  • Wer ist vom Streik betroffen?

    Die Lage ist unübersichtlich, aber zumindest bemüht sich die Post um die Information ihrer Kunden. Regionale Schwerpunkte gibt es bei den Streiks nicht. Auf der Internetseite der Post mit den Streikinformationen kann anhand der Postleitzahl geprüft werden, ob der Ausstand vor Ort eine Rolle spielt. Dabei können Kunden anhand der Postleitzahl prüfen, ob die Briefträger vor Ortstreiken oder ein zuständiges Briefverteilzentrum bestreikt wird, also ob beim Empfang oder dem Versand mit Verzögerungen zurechnen ist. Außerdem bietet die Deutsche Post eine Kundenhotline unter der Rufnummer 0228 /76367650 an.

  • Haftet die Post für verspätet zugestellte Briefe und Pakete?

    Nein, zumindest nicht generell. Beim normalen Versand von Standardbriefen oder Paketen lehnt die Post seit jeher Garantien für das Einhalten eines bestimmten Lieferdatums ab. Das Risiko, dass ein Brief oder Paketrechtzeitig ankommt, trägt immer der Versender. Weil nicht überall gleichzeitig gestreikt wird, bleiben Briefe aber in der Regel nur einen Tag liegen. Wer dringende normale Briefe und Pakete ein paar Tage früher verschickt, sollte keine Probleme bekommen.

  • Gibt es Versandarten, bei denen die Post für die termingerechte Lieferung haftet?

    Ja, zum Beispiel beim Expressversand oder der Versendung als Einschreiben. Bei diesen Versandarten verpflichtet sich die Post dazu, einen bestimmten Zustelltermin einzuhalten. Hält sieden Termin nicht ein, muss sie für Schäden haften haften. Dafür verlangt sie auch ein deutlich höheres Porto als beim Standardversand. Die Express-Sendungen übernimmt bei der Deutschen Post ein Dienstleister, der vom Streik verschont bleibt. Allerdings haben Kunden bei Verspätungen aufgrund von Streiks auch hierkeinen rechtlichen Anspruch auf Schadenersatz, da Streiks als Haftungsgrund in den AGB der Post explizit ausgeschlossen sind. Solange die Express-Sparten nicht bestreikt werden, können sich Kunden also auf das rechtzeitige Eintreffen von Express-Sendungen verlassen.

  • Übernimmt die private Haftpflichtversicherung den Schadenersatz, wenn meine Post verspätet beim Empfänger eintrifft?

    Selbst wenn es eine Versicherung gäbe, die für die Haftung infrage käme: Ein Streikgilt juristisch als höhere Gewalt. Dafür ist laut Gesetzeine Haftung ausgeschlossen, also auch wenn Postsendungen streikbedingt zu spät kommen. Wer also beispielsweise Konzertkarten per Postverschickt, die dann erst nach der Veranstaltung beim Empfängereintreffen, steht selbst in der Haftung

  • Was geschieht, wenn wichtige Schriftstücke verspätet ankommen?

    Verbraucherzentralen weisen etwa bei Kündigungsschreiben darauf hin, dass sich Verträge verlängern, wenn das Kündigungsschreiben erst nach Ablauf der Frist beim Empfängereintrifft. Die Regeln zu Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristensind in den Verträgen und Allgemeinen Geschäftsbedingungen fixiert. Kündigungen bedürfen grundsätzlich der Schriftform, wenn es der Vertragspartner in seinen Geschäftsbedingungen nicht anders geregelt hat. Vom Streik Betroffene sollten das Vertragswerk daher prüfen und gegebenenfalls alternative Versandmethoden nutzen oder den Vertragspartner um einen Fristverlängerung bitten. Kulante Vertragspartner dürften für die Dauer des Streiks darauf eingehen.

  • Welche alternativen Versandmethoden kommen in Frage?

    Beiden Paketzustellern gibt es bekannte Wettbewerber wie Hermes, GLS, DPD und andere. Bei Briefen sind Alternativen für Privatkunden rar. Post-Konkurrenten wie TNT oder PIN arbeiten nur für Firmenkunden, Betriebe können sie also nutzen. Je nach Region gibt es allerdings auch für Privatpersonen alternative Briefzusteller. Eine Übersicht der Anbieter bietet zum Beispiel posttipp.de. Aber vielleicht geht es auch ohne Brief, zum Beispiel mit dem per Fax oder mitpersonifizierter und verschlüsselter DE-Mail, wie sie Telekom und Internetdienstleister wie web.de, GMX oder 1&1 anbieten. Zu den Sicherheitsstandards informiert Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik(BSI) auf seinen Online-Seiten. Wem das zu umständlich ist, kann Briefe entweder selbst beim Empfänger einwerfen - am besten im Beisein von Zeugen -oder sich beim Empfängererkundigen, ob der auch normale E-Mails akzeptiert.

  • Was muss der Kunde bei Paketretouren beachten?

    Hier besteht im Prinzip kein zusätzliches Risiko. Ein Kaufvertrag über online bestellte Waren kann innerhalb von 14 Tagen widerrufen werden. Zur Einhaltung der Widerrufsfrist ist es ausreichend, wenn die Wareinnerhalb dieses Zeitraums abgeschickt wird. Allerdings sollte dann als Nachweis für den rechtzeitigen Versand der Einlieferungsbeleg aufbewahrt werden.

  • Was tut die Post gegen die Streikfolgen?

    Zum einen setzt die Post in den Verteilzentren vorrübergehend auch Mitarbeiter der Verwaltung ein. Die noch immer rund 40.000 Beamten bei der Postdürfen nicht streiken und müssen teilweise aushelfen. In grenznahen Regionen springen auch Post-Mitarbeiteraus dem Ausland ein. Dadurch kamen am ersten Streiktag immernoch neun von zehn Postsendungen pünktlich. Zum Glück können die Sortiermaschinen in den Verteilzentren nicht streiken. Durch den Einstieg der Briefzusteller in den Streik wird es aber voraussichtlich zu deutlich mehr Verspätungen kommen.

Bewerbungsfrist an Unis verlängert sich nicht

Auch die angehenden Studenten sind vom Streik bei der Post betroffen. Denn wer noch in diesem Wintersemester ein Studium an einer deutschen Universität beginnen möchte, muss sich bis zum 15. Juli bewerben – und zwar schriftlich. An diesem Datum endet für viele Studiengänge die Frist. Entsprechend informieren viele Universitäten ihre Bewerber online. So heißt es beispielsweise auf der Homepage der Uni Oldenburg: „Aufgrund des Streiks bei der Deutschen Post kommt es zu Verzögerungen bei der Postzustellung. Stellen Sie bitte sicher, dass Ihre Unterlagen rechtzeitig vor Ende der Bewerbungsfrist eingehen. Der Streik hat keine fristverlängernde Wirkung!“

Abiturienten, die auf Nummer sicher gehen wollen, sollten ihre Studienplatz-Bewerbungen also entweder persönlich abgeben oder per Expressbrief versenden, da Express-Sendungen von streikbedingten Verzögerungen nicht betroffen sind. Gleiches gilt für Studierende, die Studienbescheinigungen und Co. innerhalb bestimmter Fristen beim Bafög-Amt oder der Krankenversicherung einreichen müssen.

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