Deutsche Post: Unternehmen weist Vorwurf der Einschüchterung zurück

Deutsche Post: Unternehmen weist Vorwurf der Einschüchterung zurück

Bild vergrößern

Die Mitarbeiter der Deutschen Post treten erneut in den Warnstreik

Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Post macht Verdi mit einer Ausweitung von Warnstreiks weiteren Druck auf den Arbeitgeber - und das Unternehmen siehst sich mit weiteren Vorwürfen konfrontiert.

Die Deutsche Post bestreitet Vorwürfe der Gewerkschaft Verdi, sie schüchtere im Tarifkonflikt die Streikenden ein. "Den rufschädigenden Vorwurf der gezielten Einschüchterung von Streikenden bei der Deutschen Post weise ich entschieden zurück", erklärte Post-Chef Frank Appel am Mittwoch. "Wir haben Arbeitnehmerrechte immer respektiert und werden das auch weiterhin tun", betonte er. Verdi hatte der Post zuvor vorgeworfen, Beschäftigten mit befristeten Verträgen werde mit dem Verlust ihres Jobs gedroht, wenn sie sich an Protesten beteiligten. Aber auch unbefristet Beschäftigte würden bedrängt, sagte ein Verdi-Sprecher. Verdi erhöhte zugleich im Streit um kürzere Arbeitszeiten und höhere Löhne den Druck: In allen 83 Briefzentren rief die Gewerkschaft zum Streik auf.

Was die Post mit ihrer Strategie 2020 erreichen will

  • Bessere Umweltbilanz

    Auch der Kohlenstoffdioxid-Ausstoß soll verringert werden: Bis 2020 will die Post ihre Energie-Effizenz um 30 Prozent verbessern. Vor kurzem kaufte der Dax-Konzern zum Beispiel den deutschen Elektroauto-Entwickler Streetscooter auf.

  • Erste Wahl für Aktionäre

    Die Aktie Gelb soll weiter steigen: Post-Chef Frank Appel möchte zur ersten Wahl für Anleger werden. Zwischen 40 und 60 Prozent des Nettogewinns sollen die Aktionäre jährlich als Dividende ausgeschüttet bekommen.

  • Glückliche Kunden

    Auch die Kundenzufriedenheit soll steigen - auf über 80 Prozent. Nach Recherchen der WirtschaftsWoche beschwerten sich allerdings vor allem deutsche Großkunden zuletzt über die Briefzustellung.

  • Mehr Gewinn

    Der Gewinn ist die wichtigste Ziellinie in der Strategie 2020: Bis zum Ablauf der Frist will Appel fünf Milliarden Euro Plus machen. Dazu müsste er pro Jahr den Gewinn um acht Prozent steigern. Die Brief- und Paketsparte, die ihren Umsatz vor allem in Deutschland macht, soll drei Prozent Gewinnsteigerung pro Jahr dazu beisteuern - das Expressgeschäft, die Logistik- und Speditionssparten müssen zehn Prozent mehr im Jahr verdienen.

    Kein anderer Dax-Konzern hat so konkrete und zugleich so ehrgeizige Ziele.

  • Wachstum in Schwellenländern

    In Deutschland hat der durch den Onlinehandel ausgelöste Paketboom die Deutsche Post weit nach vorne getrieben. Jetzt will der Bonner Konzern diesen Effekt auch in den Schwellenländern mitnehmen: Bis 2020 soll sich der Marktanteil in diesen Regionen von 22 auf 30 Prozent erhöhen. Der Fokus liegt dabei auf Brasilien, Indien, China, Russland und Mexiko.

  • Zufriedene Mitarbeiter

    Auch bei den Mitarbeitern möchte die Post die erste Wahl sein. Ziel des Vorstand ist es, in den Mitarbeiterbefragung eine Zustimmungsquote von über 80 Prozent zu erlangen. Zuletzt lag die Quote bei ungefähr 70 Prozent.

Betriebsräte erhielten bei der Post "alle erforderliche Unterstützung", sagte Appel. Im Konzern seien etwa 50 Prozent mehr Betriebsräte für ihre Arbeit freigestellt, als das Gesetz es verlange. "Ich würde mir wünschen, dass Verdi wieder zu Handeln mit Augenmaß zurückfindet und konstruktives Vorgehen bei den laufenden Tarifverhandlungen zeigt", rief er die Gewerkschaft auf. Verdi warf der Post dagegen vor, es zu dulden, wenn lokale Manager Streikende einschüchterten. Die "Süddeutschen Zeitung" berichtete zudem, die Gewerkschaft habe Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel eingeschaltet. Dem Blatt zufolge stellte Gabriel im einem Schreiben an Appel vom 4. Mai fest: "Offenbar haben Vorgesetzte Druck ausgeübt, um Verdi-Mitglieder gegen ihre Gewerkschaft in Stellung zu bringen." Besonders den großen Unternehmen mit Bundesbeteiligung müsse jedoch die "unbedingte Achtung sowohl persönlicher wie kollektiver Arbeitnehmerrechte abverlangt werden", wird der SPD-Politiker zitiert. Die staatliche Förderbank KfW hält rund 21 Prozent der Post-Aktien.

Anzeige

Das sind Post-Gebühren für Privatkunden ab 2015

  • Brief

    Der Brief wird ab 2015 teurer. Die Post hebt die Portogebühren für den Standardbrief zum Jahreswechsel – und das nicht zum ersten Mal. In den vergangenen drei Jahren hat die Deutsche Post die Preise erst von 55 auf 58 Cent, dann auf 60 Cent, und nun sogar auf 62 Cent erhöht.

  • Päckchen XS

    Schon in der Vorweihnachtszeit bieten Post und DHL Privatkunden ein neues Angebot für kleinere Sendungen: Päckchen bis 1 Kilogramm (max Größe 30 x 30 x 15 cm) können ab dem 15. November für 3,79 Euro verschickt werden. Der Haken an der Sache: Das Angebot gilt erstmal nur für Kunden, die die DHL Online Frankierung auf der Unternehmenswebsite nutzen. Ab dem 1. Januar 2015 ist das Angebot auch in den Postfilialen und DHL Paketshops verfügbar – kostet dann aber 3,95 Euro.

  • Päckchen und Paket S

    Ab Januar 2015 kostet das DHL Päckchen bis 2 Kilogramm (max Größe 60 x 30 x 15 cm) online 4,29 Euro, statt bisher 3,99 Euro. Beim Kauf in der Filiale werden künftig 4,40 Euro fällig, statt bisher 4,10 Euro. Wer ein Paket gleicher Größe verschicken will, zahlt 4,99 Euro.

  • Paket M

    DHL führt neben dem neuen Päckchen zum 1. Januar auch eine neue Gewichtsstufe für Pakete bis 5 Kilogramm (max Größe 120 x 60 x 60 cm) ein. Der Preis liegt bei 5,99 Euro in der Online Frankierung und 6,99 Euro in der Filiale.

  • Paket L

    Pakete bis 10 Kilogramm (max Größe 120 x 60 x 60 cm) können ab einem Preis von 7,49 Euro versendet werden (Online-Frankierung). In der Filiale kostet der Versand 8,49 Euro.

  • Paket XL

    Das Schwergewicht: Pakete bis 31,5 Kilogramm (max Größe 120 x 60 x 60 cm) kosten künftig ab 13,99 Euro. Wer auf die Online-Frankierung verzichtet und in die Filiale geht, zahlt einen Euro mehr. Die Gewichtsstufe bis 20 Kilogramm entfällt für den privaten Paketversand übrigens völlig.

Das Klima zwischen Post und Verdi ist seit Monaten vergiftet. Der Bonner Konzern hat angekündigt, Tausende neue und unbefristete Stellen schaffen zu wollen - dies allerdings in 49 neuen Gesellschaften, für die niedrigere Löhne als im Konzern gelten. Verdi sieht dies als Bruch geltender Verträge. Verdi-Verhandlungsleiterin Andrea Kocsis hatte mit der Forderung nach kürzeren Arbeitszeiten reagiert. Die 140.000 Tarifbeschäftigten des Konzerns sollen nach ihrem Willen künftig 36 statt 38,5 Stunden in der Woche arbeiten - bei vollem Lohnausgleich. Verdi fordert zudem 5,5 Prozent mehr Lohn. Post-Personalchefin Melanie Kreis hatte vorgerechnet, dem Konzern drohten Mehrkosten von 600 Millionen Euro, wenn er die Wunschliste erfülle. Die Gespräche mit der Gewerkschaft sollen am 20. Und 21. Mai fortgesetzt werden.

Weitere Artikel

Verdi machte vor der neuen Verhandlungsrunde mit Streiks weiter Druck. Seit Dienstag habe die Gewerkschaft in allen 83 Briefzentren in der Bundesrepublik nach eigenen Angaben zum Arbeitskampf aufgerufen. Die Zustellung werde sich erheblich verzögern. Die Proteste würden in den kommenden Tagen andauern.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%