_

Deutsche Post: Warten auf den großen Durchbruch

von Christian Schlesiger

Dem E-Postbrief kann man kaum entweichen. Ob als Schriftzug auf dem DHL-Transporter, als Bannerwerbung im Fußballstadion oder als Plakat im Hauptbahnhof – die Deutschen Post macht kräftig Werbung für ihr E-Mail-Produkt, das die Kommunikation im Internet „verbindlich, vertraulich, verlässlich" machen soll. Doch was kann der E-Postbrief wirklich?

Passanten gehen an einer Werbung für den E-Postbrief der Deutschen Post vorbei Quelle: dapd
Rund eine Million Privatkunden, mehr als hundert Großkunden und etwa 4000 mittlere Unternehmen sollen sich bereits für den E-Postbrief angemeldet haben. Doch wie viele ihn überhaupt aktiv nutzen ist fraglich. Denn das Großprojekt der Deutschen Post ist auf technischer Ebene schwer in die Prozesse von Unternehmen zu integrieren. Quelle: dapd

Trotz massiven Werbeaufwands und hohen Investitionen kommt das Großprojekt der Deutschen Post nur langsam voran. Zwar hätten sich rund eine Million Privatkunden, mehr als hundert Großkunden und etwa 4000 mittlere Unternehmen angemeldet. Doch das meldet der Konzern schon seit Monaten. Fraglich ist zudem, ob die angemeldeten Kunden den E-Postbrief überhaupt aktiv nutzen. Nun relativiert der Konzern das Ziel bereits. Ursprünglich wollte Briefvorstand Jürgen Gerdes nach drei bis fünf Jahren große Erfolge feiern. Inzwischen sei der Manager davon überzeugt, es könne auch sechs Jahre dauern.

Anzeige

Schwer zu integrieren

Ein Grund dafür sind die Schwierigkeiten, den E-Postbrief technisch in die Prozesse der Unternehmen zu integrieren. Das Unternehmen selbst hat Schwierigkeiten, konkrete Funktionen zu benennen. Einige Beispiele:

  • Mit dem Softwarekonzern SAP hat die Deutsche Post sich geeinigt, den E-Postbrief in die SAP-Standardsoftware zu integrieren. Konkret bedeutet das, dass Unternehmen direkt aus dem SAP-System heraus, Rechnungen oder Ähnliches per Mausklick wahlweise als Brief oder als elektronische Nachricht verschicken können
  • Die VHV Versicherungen lassen Beitragsbescheide über das System drucken und digital oder per Post zustellen
  • Die Zürich Versicherung verschickt über den E-Postbrief Angebote, Bescheide und Vertragsanpassungen
  • Tickets für Fußball-Spiele der Bundesliga können per E-Postbrief inzwischen online gekauft werden

Weitere Funktionen lassen sich offenbar noch auf sich warten. Auf der IT-Messe Cebit in Hannover will der Konzern neue Möglichkeiten verkünden. Beim E-Postbrief sei eine Weiterentwicklung der IT notwendig, nannte Gerdes der „Financial Times Deutschland“ (FTD) als Begründung für den zähen Fortschritt. In den kommenden Monaten wolle die Deutsche Post aber über die Plattform eine einfache Identitätsprüfung möglich machen. „Im zweiten Halbjahr werden wir ein E-Post-Payment, eine direkte Bezahlfunktion über das E-Postbrief-Portal, einführen", sagte der Manager der FTD. 2013 solle dann der Versand von E-Postbriefen aus Standardsoftware wie Word oder Lotus Notes möglich sein.

Weitere Artikel

Konkurrent De-Mail

Die Frage wird sicher sein, ob die Verbraucher der Deutschen Post das IT-Thema zutrauen. Konkurrenten wie Deutsche Telekom, United Internet (1&1, Web.de, gmx.de) und Mentana Claimsoft, eine Tochter des Frankiermaschinenherstellers Francotyp-Postalia, präsentieren auf der Cebit in Hannover ihre Produkte, die sie gleichzeitig als behördlich genehmigte De-Mail beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifizieren lassen. Gegenüber dem E-Postbrief verfügt die De-Mail über eine Art „staatliches TÜV-Siegel“. Zudem haben die Unternehmen angekündigt, die De-Mail für die Bürger preiswerter anbieten zu wollen als die Deutsche Post ihren E-Postbrief. Dort kostet eine elektronische Nachricht noch so viel wie ein Standardbrief.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 21.02.2012, 21:30 UhrAnonymer Benutzer: metaware

    Ist technisch eine Katastrophe. Falsche systemanalyse, falsch entwickelt, schlecht getestet. Support hoffnungslos überfordert, Läßt sich von Entwicklern verarschen.... Hab mich im Mai letzten Jahres angemeldet. ca. 10Briefe (versucht) zu verschicken. keiner ging ohne Hotline. Viele bugs zurückgeschickt. Keine Info. Inzwischen einfach keine Lust mehr... Für mich typische Bestätigung dass man in D keine gute software machen kann. Dieser Dienstleister gehört von der Post vor die Tür gesetzt. Frechheit. gruß J.Ott, ph +49 1755388311

  • 21.02.2012, 16:49 UhrAnonymer Benutzer: Joshua

    Einen gebührenpflichtigen E-Postbrief zu versenden macht ganz einfach in viel zu wenigen Fällen Sinn: Wenn es auf die Einhaltung einer bestimmten Form nicht ankommt, dann ist der Versand von Informationen per einfacher E-Mail wesentlich billiger, nämlich absolut kostenfrei. Muß man hingegen die Schriftform einhalten -Mietvertragskündigungen sind so ein Fall- dann genügt der E-Postbrief den gestellten Formerfordernissen nicht. Es bleibt somit nur ein recht schmaler Bereich sinnvoller Anwendungen und selbst der wird weiter eingeengt: Will sich der Absender wirklich auf das Risiko einlassen, dass der Empfänger nicht über einen funktionsfähigen Drucker verfügt. Oder zumindest allenfalls einen simplen Laserdrucker ohne Farbdruckfunktion sein eigen nennt. So manches mit erheblichem Personalaufwand erstellte Angebot könnte wegen einer solchen "Nichtigkeit" gänzlich seine Wirkungen verlieren. Nein, der E-Postbrief erscheint als teure Sachgasse. Sofern nicht der Gesetzgeber kräftig Anschubförderung leistet -z.B.indem er E-Postfächer für bestimmte Berufsgruppen verpflichtend vorschreibt, wie das in Italien der Fall ist- wird man schon bald nichts mehr von dieser Innovation hören !

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert
Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert

In einer internen Videobotschaft an die HP-Beschäftigten gibt Meg Whitman mehr Details zu dem geplanten Abbau von 27.000...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.