Deutsche Post: Warum der Streik Wochen dauern könnte

KommentarDeutsche Post: Warum der Streik Wochen dauern könnte

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Mitarbeiter der Deutschen Post und des Logistikdienstleisters DHL sind in einen Warnstreik getreten.

von Jacqueline Goebel

Wegen Warnstreiks bei der Post müssen Kunden vor Ostern auf ihre Pakete warten. Ein Zustand, der anhalten könnte: Denn Verdi und die Post streiten nicht nur um Arbeitsstunden, sondern um die Macht über die Angestellten.

Der Machtkampf bei der Deutschen Post DHL wird mit schrillenden Pfeifen und wehenden Fahnen ausgetragen. Zehntausend Gewerkschaftsmitglieder ziehen bundesweit auf die Straßen und vor die Postzentren, um ihren Unmut zu verkünden. Mehrere hunderttausend Kunden werden deswegen Ostern auf ihre Post warten müssen.

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Alleine am Mittwoch sind sechs Millionen Briefe und 300.000 Pakete liegen geblieben. Doch das ist nur der Auftakt einer Streikserie, die wahrscheinlich mehrere Monate dauern wird. Denn es geht um weit mehr, als um die offizielle Forderung von Verdi, die Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich von 38,5 auf 36 Stunden in der Woche zu senken. Es geht um die Frage: Wer bestimmt in den kommenden Jahren die Personalpolitik bei der Deutschen Post DHL? Der Vorstand  - oder die Gewerkschaften?

Was die Post mit ihrer Strategie 2020 erreichen will

  • Bessere Umweltbilanz

    Auch der Kohlenstoffdioxid-Ausstoß soll verringert werden: Bis 2020 will die Post ihre Energie-Effizenz um 30 Prozent verbessern. Vor kurzem kaufte der Dax-Konzern zum Beispiel den deutschen Elektroauto-Entwickler Streetscooter auf.

  • Erste Wahl für Aktionäre

    Die Aktie Gelb soll weiter steigen: Post-Chef Frank Appel möchte zur ersten Wahl für Anleger werden. Zwischen 40 und 60 Prozent des Nettogewinns sollen die Aktionäre jährlich als Dividende ausgeschüttet bekommen.

  • Glückliche Kunden

    Auch die Kundenzufriedenheit soll steigen - auf über 80 Prozent. Nach Recherchen der WirtschaftsWoche beschwerten sich allerdings vor allem deutsche Großkunden zuletzt über die Briefzustellung.

  • Mehr Gewinn

    Der Gewinn ist die wichtigste Ziellinie in der Strategie 2020: Bis zum Ablauf der Frist will Appel fünf Milliarden Euro Plus machen. Dazu müsste er pro Jahr den Gewinn um acht Prozent steigern. Die Brief- und Paketsparte, die ihren Umsatz vor allem in Deutschland macht, soll drei Prozent Gewinnsteigerung pro Jahr dazu beisteuern - das Expressgeschäft, die Logistik- und Speditionssparten müssen zehn Prozent mehr im Jahr verdienen.

    Kein anderer Dax-Konzern hat so konkrete und zugleich so ehrgeizige Ziele.

  • Wachstum in Schwellenländern

    In Deutschland hat der durch den Onlinehandel ausgelöste Paketboom die Deutsche Post weit nach vorne getrieben. Jetzt will der Bonner Konzern diesen Effekt auch in den Schwellenländern mitnehmen: Bis 2020 soll sich der Marktanteil in diesen Regionen von 22 auf 30 Prozent erhöhen. Der Fokus liegt dabei auf Brasilien, Indien, China, Russland und Mexiko.

  • Zufriedene Mitarbeiter

    Auch bei den Mitarbeitern möchte die Post die erste Wahl sein. Ziel des Vorstand ist es, in den Mitarbeiterbefragung eine Zustimmungsquote von über 80 Prozent zu erlangen. Zuletzt lag die Quote bei ungefähr 70 Prozent.

Der Konflikt kreist vor allem um die Paketboten, deren Gehälter bei der Post viel höher sind als bei den Konkurrenten DPD, GLS oder Hermes. Post-Vorstandschef Frank Appel redet schon lange davon, dass der Abstand zum Lohnniveau der Wettbewerber kleiner werden müsse. Bisher haben die Gewerkschaften das verhindern können. Die Post mache mit dem Brief- und Paketgeschäft schließlich 1,3 Milliarden Euro Gewinn. Wozu also sollen die Löhne gesenkt werden?

Doch Anfang des Jahres ließ Post-Chef Appel seinen Worten Taten folgen: Der Bonner Konzern gründete bundesweit Tochterunternehmen, die sogenannten Delivery GmbHs, in denen die Paketboten jedoch nicht nach dem mit den Gewerkschaften ausgehandelten Haustarif, sondern nach dem wesentlich niedrigeren Logistiktarif bezahlt werden sollen. Damit führt der Bonner Konzern doppelte Standards ein: Die Paketboten in der Hauptgesellschaft und in den Delivery GmbHs machen zwar die gleiche Arbeit, werden dafür jedoch unterschiedlich bezahlt.

Deutsche Post Verdi verzichtet bis zum 14. April auf Streiks

300.000 Pakete und sechs Millionen Briefe bleiben liegen: Die Post-Mitarbeiter legten auch am Donnerstag wieder in mehreren Bundesländern die Arbeit nieder. Vorerst sind allerdings keine weiteren Streiks angedacht.

Tarifstreit bei der Deutschen Post: Briefe zur Auslieferung stapeln sich. Quelle: dpa

Mittlerweile kocht die Stimmung zwischen Gewerkschaft und Vorstand. Das zeigte sich schon im vergangenen Jahr, als die Arbeitnehmervertreter, die im Aufsichtsrat die Hälfte der Mitglieder stellen, beinahe eine Vertragsverlängerung des zuständigen Vorstand Jürgen Gerdes verhindert hätten. Nur durch das doppelte Stimmrecht des Aufsichtsratsvorsitzenden erhielt Gerdes seine Verlängerung.

Auf der anderen Seite steht die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis, die sich in diesem Jahr auch den Gewerkschaftswahlen stellen muss - und dafür Erfolge braucht. Zwar hat Kocsis, die auch stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende bei der Post ist, wenig Konkurrenten. Aber dafür gäbe es die Chance, dass sie eines Tages Verdi-Chef Frank Bsirske ablösen könnte.

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