Deutscher Ärztetag: Viele Betten, zu viele Operationen

KommentarDeutscher Ärztetag: Viele Betten, zu viele Operationen

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Beim 117. Deutschen Ärztetag verlangen die Mediziner mehr Geld für Kliniken. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will dafür mehr Qualität.

von Cordula Tutt

Beim Ärztetag verlangen die Mediziner mal wieder mehr Geld für Kliniken. Doch das wichtigste Thema verschweigen sie.

Ärzte und Patienten, Politiker und Lobbyisten sind per se keine schlechten Menschen. Deshalb hat auch keiner „Schuld“ daran, dass Klinikmediziner in Deutschland soviel operieren wie in sonst kaum einem wohlhabenden Land der Welt. Mit jeder Behandlung verbinden Patienten auch die Hoffnung, dass es ihnen hinterher besser geht.

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Dennoch können alle etwas ändern, denn die Ergebnisse der vielen Behandlungen sind höchst durchwachsen und nicht immer vorteilhaft für die Betroffenen. Doch auf dem Ärztetag, der seit heute in Düsseldorf tagt, ist die Erkenntnis nicht zu erwarten, dass weniger Krankenhäuser, weniger Betten und weniger Operationen sogar hilfreich sein könnten.

Die Deutschen wären nicht schlechter bedient oder kränker. Doch am Ende wird wahrscheinlich mehr Geld für alle herauskommen, noch mehr Beteiligte werden bei den Krankenhäusern mitreden und die Qualität wird nicht unbedingt besser.

82 Betten pro 10.000 Einwohner

In Deutschland gibt es rund 2.000 Krankenhäuser – von der Uni-Klinik bis zum kommunalen Krankenhaus auf dem Land. Nur Japan hat auf die Einwohner gerechnet mehr Betten als Deutschland. Hier sind es 82 je 10.000 Einwohner, der Durchschnitt der Industriestaaten liegt bei 40 Betten.

Allein in NRW gibt es 400 Krankenhäuser, in den Niederlande mit etwa genauso vielen Einwohnern nur 100. Bei den Ergebnissen schneidet das Nachbarland aber besser ab. Mit 60 Milliarden Euro geben die Kassen jährlich den größten Batzen für Krankenhausbehandlungen aus.

Für Patienten in Deutschland ist das häufige Schnippeln und Untersuchen fragwürdig, weil sie nicht immer die bestmögliche Qualität bekommen. Sie können das aber vorher nicht unbedingt vergleichen. Qualitätsberichte der Krankenhäuser sind noch sehr lückenhaft und für Laien nicht unbedingt verständlich.

Fragwürdig ist aber bereits, ob alle Operationen notwendig und hilfreich sind. Die Deutschen erhalten Herzkatheder, künstliche Hüften oder  andere Prothesen in Rekordzahlen, ohne dass es ihnen dabei besser ginge als Menschen in vergleichbaren Ländern.

Gerade solch planbare Operationen sind in den vergangenen Jahren nach oben geschnellt. Das deutet darauf hin, dass Menschen mit Beschwerden lieber wegschieben, dass fürs Wohlbefinden auf längere Frist nicht immer ein Skalpell hilft, sondern eher etwas weniger Gewicht, eine Umstellung der Essgewohnheiten oder etwas Sport.

Problematischer Zustand

Für Krankenhäuser ist der Zustand ebenso problematisch, weil ein Drittel von ihnen trotz Rekordzahlen bei Operationen und Therapien Verluste schreibt. Seitdem die Häuser nach Fällen bezahlt werden und nicht mehr danach, wie lange jemand im Krankenhaus liegt, ging einiges schief.

Patienten werden schnell durchgeschleust, immer mal wieder zu schnell. Das heißt dann blutige Entlassung. Zugleich lohnt es, möglichst viel Kundschaft für lohnende Behandlungen heranzuziehen. Schließlich müssen alle Abteilungen und Apparate ausgelastet werden.

Das schafft unschöne Kooperationen etwa zwischen Praxisärzten und Kliniken. Die sind mit ihren „Zuweisern“ immer wieder verbandelt. Da zahlt eine Klinik vielleicht einen Assistenzarzt, der in einer Praxis arbeitet – und bekommt die Orthopädiepatienten von dort. Und statt konservativer Behandlungen, etwa einer Diät oder einer Raucherentwöhnung, greift die ökonomische Indikation.

Stationär und mit Apparaten zu behandeln ist lohnender als sprechende Medizin. Gerade kleinere Krankenhäuser in Gegenden mit sehr viel Konkurrenz leiden unter der Situation. Umgekehrt ist es für Landkliniken schwierig, weil sie oft ebenfalls kleinere Einheiten aufrechterhalten sollen, die teurer sind als große Abteilungen in Ballungszentren.

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