Dietmar Gunz: "Reisebranche kämpft mit härteren Bandagen"

InterviewDietmar Gunz: "Reisebranche kämpft mit härteren Bandagen"

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FTI-Chef Dietmar Gunz sieht Hotels als Leckerbissen in der touristischen Wertschöpfungskette

von Hans-Jürgen Klesse

Der Chef des Touristikunternehmens FTI will mit seinem neuen Partner stärker als bisher in Hotels investieren und erwägt mehr Kreuzfahrten.

WirtschaftsWoche: Herr Gunz, mit dem ägyptischen Milliardär Samih Sawiris haben Sie sich einen finanzstarken Partner ins Boot geholt. Sind Sie knapp bei Kasse? Schon vor einigen Monaten tauchten Gerüchte über eine finanzielle Schieflage Ihres Unternehmens auf.

Gunz: Nein überhaupt nicht. Bei uns gab und gibt es keine Schieflage: Die Gerüchte sind für mich eher ein Indiz dafür, dass heute in der Tourismusbranche mit härteren Bandagen gekämpft wird als früher. Mit unserem neuen Anteilseigner verbreitern wir unsere Eigenkapitalbasis. Daraus ergeben sich ganz neue Entwicklungsmöglichkeiten für beide.

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Zur Person

  • Dietmar Gunz

    Gunz, 54, gründete sein Unternehmen 1980. FTI ist mit 2,1 Milliarden Euro Umsatz Deutschlands viertgrößter Reiseveranstalter.


Was planen Sie denn?
Wir wollen unseren Hotelbereich stärken. FTI betreibt derzeit 26 Ferien-Hotels, unser Hotel-Portfolio ist also noch entwicklungsfähig. Hotels sind der Leckerbissen in der touristischen Wertschöpfungskette, weil sich damit die höchsten Renditen erzielen lassen. Samih Sawiris mit seiner Orascom-Gruppe ist dafür der ideale Partner, sein Hotel-Knowhow ist für uns Gold wert.

Die meisten seiner Hotels stehen in Ägypten, doch da läuft derzeit wegen der politischen Untersicherheit und der Reisewarnung des Auswärtigen Amtes kaum noch etwas.

Das muss man differenzieren. Betroffen ist von der Reisewarnung nur die Sinai-Halbinsel im Grenzgebiet zu Israel, darum haben die deutschen Reiseveranstalter bis Ende April die Reisen nach Sharm el-Sheikh abgesagt. Alles andere läuft normal. Abgesehen davon bin ich sicher, dass sich die Lage in Ägypten über kurz oder lang normalisiert.

Neuer FTI-Partner Wer ist Samih Sawiris?

Ein ägyptischer Multi-Millionär mit westlichem Gebaren der zudem fließend Deutsch spricht. FTI-Gründer Dietmar Gunz scheint mit seinem neuen Partner das große Los gezogen zu haben. Ein Porträt über Samih Sawiris.

Samih Sawaris Quelle: REUTERS


Orascom betreibt vor allem Hotels der Luxus-Kategorie, das Kerngeschäft von FTI ist eher darunter angesiedelt. Wie geht das zusammen?

Wir hatten im vergangenen Jahr gut vier Millionen Gäste von Budget bis Luxus, haben uns bisher aber vor allem auf das mittlere Segment konzentriert. Mit Orascom wollen wir unser Angebot in der oberen Kategorie ausbauen.

FTI ist seit 2012 mit dem ehemaligen ZDF-Traumschiff „Berlin“ auch wieder im wachsenden Kreuzfahrtmarkt aktiv. Mit der Finanzkraft Ihres neuen Partners ginge da doch sicher noch mehr?
Das ist durchaus eine Option, über die wir ernsthaft nachdenken. Wir haben aber entschieden, uns bei neuen Projekten auf kleine und mittlere Schiffe mit 200 bis höchstens 500 Kabinen zu beschränken. Schwimmende Bettenburgen wird es bei uns nicht geben.

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Ihr neuer Teilhaber Sawiris hat außerdem knapp 75 Prozent der Raiffeisen Touristik Group (RT) übernommen. Wie passt das ins Gesamtkonzept?

Beide Deals zusammen machen das Konzept so attraktiv. Wir bringen die Veranstalterkompetenz und das Destination-Management, also das Angebot vor Ort, ein, außerdem unsere Hotels und unsere Vertriebskanäle wie etwa den Reisesender Sonnenklar. Orascom hat seine Hotels und die Mittel zum Ausbau des gemeinsamen Portfolios. RT schließlich bietet mit seinen rund 7000 Reisebüros die stationäre Vertriebspower, um die Produkte im Markt unterzubringen. Damit können wir unseren Gästen von Anfang bis Ende die gleichen Qualitätsstandards bieten.

Fehlt nur noch die eigene Airline.

Bloß nicht. Sie kennen doch den alten Witz: Wie mache ich ein kleines Vermögen? Indem ich mit einem großen eine Airline kaufe. Im Ernst: Eigene Flugzeuge sind viel zu teuer, am Markt sind jederzeit genug Kapazitäten verfügbar. Wir investieren lieber in eigene Betten statt in eigene Jets.

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