Diplomatie statt Klartext: Luftfahrbranche traut sich nicht zu meckern

ThemaLuftfahrt

Diplomatie statt Klartext: Luftfahrbranche traut sich nicht zu meckern

von Rüdiger Kiani-Kreß

Die erste gemeinsame Studie von Unternehmen und Gewerkschaften zu den Problemen der Luftverkehrswirtschaft ist milder als erwartet. Wahrscheinlich weil die Partner zu viel Rücksicht auf einander genommen haben.

Es hätte ein großer Aufschlag werden sollen. Zum ersten Mal wollten Deutschlands Fluglinien, die großen Airports und alle Gewerkschaften gemeinsam und in deutlichen Worten auf die zunehmend ungemütliche Lage ihrer Branche aufmerksam machen - gerade im Hinblick auf die wachsende Konkurrenz durch Billigflieger und Golfairlines.

Mit ähnlichen Alarmrufen haben in der Vergangenheit viele andere Branchen Gehör bei der Politik gefunden. Die Stahlbranche etwa oder die Autoindustrie, die nach Beginn der Finanzkrise die milliardenschwere Abwrackprämie für Altautos bekam. Damit die Sache auch seriös rüberkommt und nicht nach Lobbyismus klingt, bestellten die Akteure eine Studie beim Handelsblatt Research Institut, einer Art Schwesterunternehmen der WirtschaftsWoche.

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Doch es kam ein wenig anders als erwartet, als am Montag Morgen die Akteure vor die Presse traten. Zunächst war die die Studie wie bei Wissenschaftlern üblich mit 120 Seiten recht lang und zurückhaltend. „Den Verfassern geht es nicht darum, einen Forderungskatalog oder ein Lastenheft für die Politik zu erstellen“, heißt es da vorsichtig.

Wunsch nach fairem Wettbewerb

Im Anschluss daran folgten die Stellungnahmen der einzelnen Parteien. Die hatten zwar konkrete Forderungen nach einem Ende der Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten deutscher Airlines. Doch die waren nun wirklich nicht besonders originell. Sie forderten ein Ende der Luftverkehrsabgabe, wie es alle Beteiligten seit deren Start vor vier Jahren verlangen. Dazu soll der Emissionshandel für die Luftfahrt, bei dem alle Fluglinien bei Flügen mit Start in der EU für ihre Klimagase zahlen sollen, wettbewerbsneutral sein. Und zu guter Letzt sollen weitere Betriebsbeschränkungen über die bestehenden Nachtflugverbote hinaus nicht noch strenger werden und die wachsenden Sicherheitskontrollen effizienter werden. 

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Ryanair-Chef Michael O’Leary gibt nur einer der drei Golf-Fluggesellschaften Emirates, Etihad und Qatar eine dauerhafte Überlebenschance

Michael O´Leary Quelle: dpa

Ursprünglich geplant waren auch ein paar klare Worte zum Thema gleiche Wettbewerbsbedingungen, die über Steuern hinausgehen. Der Punkt ist zwar in der Studie genannt und in der gemeinsamen Presseerklärung angesprochen. Doch die Sache bleibt deutlich wolkiger als das, was vor allem die Lufthansa und die Flughäfen gerne gehabt hätten.

Lufthansa moniert große Auflagen in Deutschland

Denn die Lufthansa stört nicht nur, dass die drei großen Fluglinien vom Golf Emirates aus Dubai, Etihad aus Abu Dhabi und Qatar Airways mehr Flüge nach Deutschland haben als die Lufthansa im Scheichgebiet. Das wundert aber auch niemanden - schließlich hat Deutschland nun mal mehr Ziele zu bieten als die Emirate. Auch KLM aus den Niederlanden hat wie auch die Schweizer Swiss oder Brussels Airlines aus Belgien mehr Ziele in Deutschland als die Lufthansa in den jeweiligen Ländern.

Die Lufthansa stört vor allem, dass die Golflinien weitgehend ohne Steuern und größere Auflagen Sozialabgaben und Arbeitsstandards fliegen dürfen. Und auch Billigflieger wie Ryanair oder Norwegian nutzen gerne die lockeren Vorgaben etwa in Irland oder Großbritannien bei Zeitverträgen oder dem Kündigungsschutz .

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