Durchhaltevermögen: Zeitarbeit kann helfen

Durchhaltevermögen: Zeitarbeit kann helfen

Einer Studie zufolge können Arbeitslose durch Zeitarbeit wieder langfristig in einen festen Job kommen. Dazu müssen sie allerdings Durchhaltevermögen beweisen.

Über einen Zeitraum von zwei Jahren hatte das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung zwei Gruppen von Arbeitslosen miteinander verglichen. Eine Gruppe wählte den traditionellen Weg über die Arbeitsvermittlung, während die andere Gruppe sich durch den Zwischenschritt der Zeitarbeit um einen Job bemühte. „Die Hoffnung auf einen raschen Übergang in ein Arbeitsverhältnis außerhalb der Zeitarbeit geht nur selten in Erfüllung“, sagte Projektmanagerin Juliane Landmann von der Bertelsmann Stiftung am Montag in Gütersloh.



Demnach war die Wahrscheinlichkeit, dauerhaft beschäftigt zu sein, bei den Zeitarbeitern zwar um 20 Prozentpunkte höher als bei der anderen Gruppe. „Allerdings geschieht dies auch längerfristig vorrangig durch Tätigkeiten in der Zeitarbeitsbranche selbst“, berichtete die Bertelsmann Stiftung.

Einen Vorteil bei der Suche nach einer festen Stelle sieht die Studie für Zeitarbeiter vor allem kurzfristig nicht. „In den ersten Monaten einer Arbeitslosigkeit verharren die Zeitarbeitskräfte vielmehr zunächst in der Zeitarbeitsbranche“, hieß es. Andere Arbeitslose fänden schneller wieder eine reguläre Beschäftigung

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Arbeitslose kommen einer Studie zufolge durch Zeitarbeit langfristig wieder in Lohn und Brot – dafür müssen sie allerdings Durchhaltevermögen beweisen.

„Die Hoffnung auf einen raschen Übergang in ein Arbeitsverhältnis außerhalb der Zeitarbeit geht nur selten in Erfüllung“, sagte Projektmanagerin Juliane Landmann von der Bertelsmann Stiftung am Montag in Gütersloh. „Zeitarbeit nützt nur Arbeitnehmern mit langem Atem.“

Für die Stiftung hatte das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung über einen Zeitraum von zwei Jahren Arbeitslose, die den traditionellen Weg der Arbeitsvermittlung wählten, mit solchen verglichen, die sich über den Zwischenschritt der Zeitarbeit um einen Job bemühten.

Demnach war die Wahrscheinlichkeit, dauerhaft beschäftigt zu sein, bei den Zeitarbeitern zwar um 20 Prozentpunkte höher als bei der anderen Gruppe. „Allerdings geschieht dies auch längerfristig vorrangig durch Tätigkeiten in der Zeitarbeitsbranche selbst“, berichtete die Bertelsmann Stiftung.

Einen Vorteil bei der Suche nach einer festen Stelle sieht die Studie für Zeitarbeiter vor allem kurzfristig nicht. „In den ersten Monaten einer Arbeitslosigkeit verharren die Zeitarbeitskräfte vielmehr zunächst in der Zeitarbeitsbranche“, hieß es. Andere Arbeitslose fänden schneller wieder eine reguläre Beschäftigung

Das Wichtigste in Kürze
Die Zeitarbeitsbranche boomt in Deutschland. Mehr als jede dritte aller bei der Bundesagentur für
Arbeit gemeldeten offenen Stellen stammt von einem Zeitarbeitsbetrieb. Die Kundenbetriebe wiederum,
die letztendlich hinter dieser großen Nachfrage stecken, zeichnen sich durch eine mittlere
und große Betriebsgröße aus. Für beide Größenklassen sind eine besonders häufige und intensive
Nutzung festzustellen, wobei der größte Anteil des Zeitarbeitseinsatzes in Großbetrieben stattfindet.
Ein Blick auf die Branchenstruktur der Kundenbetriebe verrät zudem, dass Zeitarbeit am häufigsten
zur Herstellung von „Produktionsgütern“, im „Baugewerbe“, beim „Bergbau, Energie- und Wasserversorgung“
sowie im verarbeitenden Gewerbe bei den „Investitions- und Gebrauchsgütern“ genutzt
wird. Passend zur Idee der flexiblen Nutzung von Zeitarbeit durch die Unternehmen schwankt die
Nutzungsintensität im Zeitverlauf sehr stark. Einzige Ausnahme ist hier das Baugewerbe. Berücksichtigt
man jedoch beide Parameter, die Häufigkeit und die Intensität der Nutzung von Zeitarbeitskräften,
hat die Investitions- und Gebrauchsgüterbranche für die Gesamtnachfrage die größte
Bedeutung. Dazu gehören unter anderen Automobilfirmen und die Maschinenbauindustrie.
Für die Kundschaft der Verleihunternehmen zeigt sich desweiteren, dass Zeitarbeit nicht als Ersatz,
sondern als Ergänzung zu Formen der betriebsinternen Flexibilität wie Arbeitszeitkonten und Überstunden
genutzt wird. Eine naheliegende Erklärung ist, dass die zeitarbeitsnutzenden Unternehmen
besonders flexibel auf Nachfrageänderungen reagieren müssen und dies unter Verwendung aller
der ihnen zur Verfügung stehenden Instrumente auch tun.
Entsprechend und wie weiter oben bereits angedeutet, ist die politische Herausforderung beim
Thema Zeitarbeit damit vielmehr eine Herausforderung, die mit einer balancierten Gestaltung des
Arbeitsmarktes zu tun hat.
Insgesamt weist die Zeitarbeitsbranche im Vergleich zur Gesamtwirtschaft eine höhere Beschäftigungsdynamik
auf. Das heißt, ihr relativer Anteil an den neu begonnenen und beendeten Beschäftigungsverhältnissen
ist nach wie vor deutlich höher. Personen, die eine neue Beschäftigung bei einer
Zeitarbeitsfirma aufnehmen sind zudem zuvor mit einer höheren Wahrscheinlichkeit arbeitslos
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gewesen. Zwar finden sich in der Zeitarbeit deutlich häufiger kürzere Beschäftigungsdauern im
Vergleich zum Rest des Arbeitsmarktes, allerdings ist ein Trend zu längeren Arbeitsverhältnissen
festzustellen. In Ostdeutschland ist der Anteil der länger dauernden Zeitarbeitsverhältnisse größer
als in Westdeutschland.
Die große Mehrheit der Zeitarbeitnehmer ist sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Geringfügige
Beschäftigungsverhältnisse sind in der Arbeitnehmerüberlassungsbranche selten. Der größte Anteil
beim rasanten Wachstum der Zeitarbeit nach der Deregulierung im Rahmen der Hartz-Reformen
entfällt auf hilfsarbeitende Tätigkeiten. Angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise zeigte sich die
Zeitarbeit in den Berufsbereichen „Hilfspersonal“ und „Metall/Elektro“ besonders volatil.
Männer, Personen mittleren Alters bzw. ohne Berufsausbildung, Ausländer und Vollzeiterwerbstätige
sind in der Zeitarbeit im Vergleich zur Gesamtwirtschaft deutlich überrepräsentiert. Diejenigen, die
von dem neuen Mindestlohn am meisten profitieren werden, sind vermutlich die Arbeitnehmer mit
den bisher geringsten Entgelten in der Zeitarbeitsbranche. Das sind vor allem Zeitarbeitnehmer in
Ostdeutschland. Aufgeschlüsselt nach Geschlecht, Alter und Berufsbereichen sind das insbesondere
junge und ältere Frauen sowie Arbeitnehmer ohne Berufsausbildung, die wiederum mit relativ hoher
Wahrscheinlichkeit als Hilfsarbeiter oder in einem Verkehrsberuf beim Kundenbetrieb tätig sind.
Des Weiteren scheint die Befürchtung unbegründet, dass Kundenunternehmen in bedeutendem
Umfang ihre Beschäftigten der Stammbelegschaft durch günstigere und einfacher zu entlassende
Zeitarbeitnehmer ersetzen könnten. Vergleicht man die Veränderung in der Anzahl der Stammarbeitskräfte
mit der Veränderung in der Anzahl der Zeitarbeitnehmer in den Kundenbetrieben, ist der
sehr kritisch gesehene Aufbau von Zeitarbeit bei gleichzeitigem Abbau der Stammbelegschaft nur
sehr selten zu beobachten. Wesentlich häufiger kommt dagegen die gegenteilige Kombination vor,
bei der Zeitarbeitskräfte reduziert werden und gleichzeitig die Stammbelegschaft wächst.
Diese Befunde sprechen vielmehr für eine andere als die Substitutionsthese. Denkbar ist, dass die
Nutzung von Zeitarbeit ihrer wirtschaftspolitischen Intention entspricht und mit Effizienzgewinnen
für die Unternehmen verbunden ist und damit sogar hilft, die Stammbelegschaft zu sichern oder gar
zu erhöhen.

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