KommentarEADS: Der Umzug ist überfällig

von Rüdiger Kiani-Kreß

Der Konflikt um eine teilweise Verlagerung der EADS-Zentrale von München nach Toulouse wächst. Doch mit den Plänen reagiert der Luftfahrtkonzern vor allem auf den wachsenden Kostendruck und die sinkende Rückendeckung durch die deutsche Politik.

Der künftige EADS-Chef Thomas Enders ist immer für eine Überraschung gut. Noch bevor er im Juni den Führungsposten bei Europas größtem Luftfahrt und Rüstungskonzern übernimmt, bringt er die deutsche Politik gegen sich auf. Anlass sind seine Pläne, die bislang auf die Standorte Amsterdam, Paris, München, das französische Toulouse und – etwas kleiner – Hamburg verteilte Unternehmensführung stärker als bisher auf Toulouse zu konzentrieren. Und prompt bricht ein Sturm der Entrüstung los, als wolle Enders mit der EADS ganz aus Europa wegziehen. Bayern fühlt sich hintergangen. Enders poltert zurück und mokiert sich über eine „Staatskrise“ in Freistaat.

Nachvollziehbare Pläne
Dabei ist an den Plänen wenig überraschend, nicht mal dass sie mit Enders ausgerechnet ein Deutscher (und ehemaliges Mitglied der CSU) vorbringt.
Zum einen ist Enders EADS-Chef – und nicht deutscher Statthalter. Dazu hat er diese Pläne bereits mehrfach geäußert.
Schließlich ist die Idee überfällig. Denn so wichtig die diversen EADS-Zentralen mit ihren vielen hochqualifizierten Jobs für die einzelnen Standorte auch sein mögen. Sie sind ein teurer Anachronismus. Die Standortvielfalt in Führungsfragen verzögert und verkompliziert die Entscheidungsprozesse, weil Manager mehr als nötig reisen müssen und das betriebswirtschaftlich Notwendige eben immer auch regional gerecht verteilt werden muss. Dazu hat die Zersplitterung wesentlich dazu beigetragen, dass der Superjumbo A380 zur größten Belastung des Unternehmens geworden ist und frühestens im nächsten Jahrzehnt mehr verdient als Konstruktion und Fertigung gekostet haben. Das kann sich aber ein Konzern wie die EADS angesichts der wachsenden Konkurrenz in der Branche immer weniger leisten

Anzeige

Darüber hinaus muss sich die deutsche Politik fragen lassen, mit welcher Berechtigung sie eine größere, ja sogar nur eine gleichbleibende Deutschlandpräsenz der EADS fordert.
Bislang war die EADS - neben der effizienten Produktion inklusive der vielen innovativen und hochqualifizierten Arbeitskräfte – vor allem aus einem Grund in Deutschland stark: staatliche Hilfen. Letztere reichten von zinsgünstigen Krediten für neue Flugzeugmodelle der Zivilflugtochter Airbus über Großbestellungen für Waffensysteme bis zur Exportförderung wenn sich Mitglieder der Bundesregierung im Ausland für EADS-Produkte einsetzten.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%