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Easyjet: Billig gewinnt

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Easyjet, die nach Ryanair zweitgrößte Discount-Airline Europas, flog mit umgerechnet 394 Millionen Euro in dem Ende September abgeschlossenen Geschäftsjahr 2011/12 einen 28 Prozent höheren Vorsteuergewinn ein.

von Rüdiger Kiani-Kreß

Trotz der Krise präsentiert der britische Billigflieger Easyjet Rekordergebnisse. Nachdem der grell-orange Discounter die etablierten Linien wie Lufthansa hinter sich gelassen hat, sammelt er nun Kraft für den Kampf mit anderen Billigfliegern.

Wer mit dem Chef einer europäischen Fluglinie redet, trifft auf zwei unterschiedliche Schicksale. Die etablierten Linien wie Lufthansa, Air Berlin oder Air France klagen, dass die Spritpreise, steigende Steuern und starke Wettbewerber sie immer stärker an den Rand drängen. Bei den Billigfliegern gilt dagegen die Parole „welche Krise?“ Denn trotz wachsender Kosten und rückläufiger Konjunktur in den meisten Ländern Europas, melden sie nicht nur stabile, sondern sogar steigende Ergebnisse.

Vergangene Woche haben Ryanair aus Irland und Norwegian gute Zahlen vorgelegt. Heute hat Easyjet nachgezogen. Egal ob Umsatz, Gewinn, Auslastung der Maschinen: bei den Briten zeigt alles deutlich nach oben.

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Und das ist nicht nur eine Überraschung, sondern eine Sensation. Denn im vergangenen halben Jahr war Easyjet mit einer Umsatzrendite von 18 Prozent fast genauso profitabel wie Ryanair mit gut 20. Noch vor ein paar Jahren bleib ein den Iren von jedem Euro doppelt so viel hängen wie bei den Briten.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass bei Ryanair die Kosten weniger stark sinken. Aber Easyjet ist es auch gelungen, seine Flieger um zwei Prozent-Punkte voller zu packen als die Iren. Das klingt nach wenig, hat aber einen großen Effekt. Weil Easyjet jeder dieser knapp 800 000 zusätzlichen Passagier praktisch nichts extra kostet, gehen deren Zusatzumsätze fast komplett in den Gewinn.

Dazu agieren die Briten auch geschickter bei den Nebeneinnahmen abseits des reinen Ticketverkaufs. Während Kunden bei Ryanair das Gefühl haben, an jeder Station auf dem Weg zum Flugzeug zahlen zu müssen, wirkt es bei Easyjet meist so, als kaufe man ein wichtiges Extra, auf das man als Kunde aber auch verzichten kann.

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Lufthansa steckt selbst in den roten Zahlen und kann deshalb ihren Partnern SAS und Lot nicht mit Kapitalhilfen oder einer tieferen Zusammenarbeit beispringen. Quelle: dapd

Die immer besseren Zahlen sind zudem ein Signal an die etablierten Fluglinien. Bei Lufthansa & Co sollte der wachsende Gewinn weniger für Neid sorgen, sondern für Alarmstimmung. Denn die Discounter schütten die Gewinne nur zu einem geringen Teil aus, sondern füllen damit ihre Kassen. Und das werden sie im kommenden Jahr noch verstärken. Denn Easyjet und Ryanair wollen dann weniger stark wachsen. Da spart Geld, denn eine Route neu aufzubauen, kostet schnell eine Million Euro und mehr für die Werbung oder die nötigen Sonderangebote. Stattdessen werden die Discounter auf den bestehenden Routen die Flieger voller packen sowie die Preise erhöhen. Easyjet etwa rechnet damit, pro Passagier im Schnitt bis zu fünf Prozent mehr einzunehmen als in diesem Jahr.

Damit sammeln die Discounter Energie für die Zukunft. Denn nachdem sie die Etablierte fast niedergerungen haben, rüsten sie sich nun für das Endspiel der Billigheimer. Schließlich nimmt die Zahl der lukrativen neuen Strecken ab und auf den attraktiven Routen müssen sich die Discounter immer öfter mit anderen Linien kämpfen.

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Das tun sie nicht nur untereinander, sondern auch mit den etablierten Linien. Diese können den Europaverkehr nicht aufgeben, weil sie sonst ihre Langstreckenflieger in ihren Drehkreuzen nur schwer vollkriegen würden. Darum versuchen die ehemaligen Markführer gegen zu halten. Das tun sie zum einen mit ihren eigenen Billiglinien wie Lufthansa mit Germanwings und Air France KLM mit dem Transavia genannten eignen Modell für die Provinzrouten.

Dabei bauen die Etablierten jedoch nicht nur auf Billigservice und Sparprogramme. Die Lufthansa-Tochter Swiss setzt auf besonderen Service. Um den Vormarsch von Easyjet in Genf zu stoppen, startet Swiss dort eine Art Unterlinie, die voll auf Kultur und Bedürfnisse der französischen Schweiz setzt und mit Kampfangeboten gestartet ist.

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