Ecclestone-Prozess: Gericht stellt sich auf Deal mit Ecclestone ein

Ecclestone-Prozess: Gericht stellt sich auf Deal mit Ecclestone ein

Schon angesetzte Termine für Zeugenaussagen wurden abgesagt, der Prozess gegen Formel-1-Chef Bernie Ecclestone steht vor dem Ende. Es deutet sich ein Deal an.

In dem Korruptionsprozess gegen Formel-1-Chef Bernie Ecclestone stehen Verteidigung und Justiz vor einem Deal über ein vorzeitiges Ende. Das Landgericht München strich am Freitag nach eigenen Angaben die in der kommenden Woche geplanten Zeugenvernehmungen, um Zeit für eine mögliche Verständigung zu haben. „Es besteht die Möglichkeit einer Einigung“, sagte eine Gerichtssprecherin der Nachrichtenagentur Reuters. „Es besteht die Möglichkeit, dass in der Verhandlung ein entsprechender Verfahrensabschluss vereinbart wird.“ Die Termine am Dienstag und Mittwoch seien nun dafür vorgesehen.

Bereits am Dienstag hatte sich für Ecclestone überraschend ein Hoffnungsschimmer abgezeichnet. Die Staatsanwaltschaft, die Ecclestone wegen Korruptionsvorwürfen angeklagt hat, hatte sich auf Verständigungsgespräche mit der Verteidigung eingelassen. Zugleich will Ecclestone seinen Streit mit der BayernLB gegen eine Zahlung von rund 25 Millionen Euro außergerichtlich beilegen, wie die Verteidiger erklärt hatten.

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Die BayernLB und die Formel 1

  • Höhepunkt der New Economy

    Es war der Höhepunkt der New Economy, als das Medienunternehmen EM.TV im Jahr 2000 bei der Formel 1 einstieg. Kurz zuvor hatte EM.TV um die Gebrüder Thomas und Florian Haffa in einem ähnlich spektakulären Deal die Rechte an der „Muppets Show“ erworben.

  • Kirch und Kredite bei der BayernLB

    Mit im Boot bei der Formel 1 war auch damals schon Bernie Ecclestone, Zampano des PS-Spektakels, mit seiner Familienstiftung. Nur wenig später ging es mit EM.TV bergab. Die Kirch-Gruppe des damaligen Medienzaren Leo Kirch kam zu Hilfe, erhielt im Gegenzug den Anteil an dem Rennzirkus und stockte ihn noch auf. Dafür musste Kirch Kredite aufnehmen, unter anderem bei der BayernLB.

  • Gribkowsky wird Motorsport-Verantwortlicher

    Die Kirch-Gruppe meldete dann 2002 Insolvenz an. Dadurch wurde die Landesbank aus München unerwartet zum Anteilseigner der Formel 1 und der damalige Risikovorstand Gerhard Gribkowsky zum Motorsport- Verantwortlichen. In der Folgezeit entwickelte sich ein Streit mit den Autokonzernen, denen die tonangebende - und profitable - Rolle Ecclestones und seiner Verbündeten ein Dorn im Auge war. Auch eine Übernahme der Formel 1 durch einen oder mehrere Hersteller oder eine Konkurrenzveranstaltung standen zur Debatte.

  • Anteilsverkauf an CVC

    Vier Jahre später verkaufte Gribkowsky die BayernLB-Anteile an den Finanzinvestor CVC Capital Partners und die Wogen glätteten sich. Das Unternehmen zählt zu den weltweit größten der Private-Equity-Branche und hat europäische Wurzeln. Hauptsitze sind Luxemburg und London.

  • Ecclestone verkaufte

    Der Finanzinvestor übernahm die Formel-1-Mehrheit durch den Erwerb der Anteile der BayernLB und von Ecclestone selbst beziehungsweise seiner Familie. Dies geschah indirekt über die neu gegründete CVC-Tochter Alpha Prema, an der Ecclestone wiederum auch selbst beteiligt ist. Der heute 82-Jährige blieb auch bei diesem Deal Chef der Formel 1. Gribkowsky rückte in den Aufsichtsrat von Alpha Prema.

Die Gerichtssprecherin betonte nun, die Auseinandersetzung der BayernLB mit Ecclestone sei für das Strafverfahren belanglos. „Mögliche Schadenersatzansprüche der BayernLB sind eine zivilrechtliche Frage und damit völlig unabhängig von einem möglichen Ende des Strafverfahrens.“ Nach dem Gesetz können sich Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung unter bestimmten Voraussetzungen auf eine Einstellung eines Strafverfahrens oder auf ein mildes Urteil einigen.

Ecclestone ist vor dem Landgericht München angeklagt, den früheren BayernLB -Vorstand Gerhard Gribkowsky vor acht Jahren mit 44 Millionen Dollar bestochen zu haben. Gribkowsky soll damals als Gegenleistung in der Bank durchgeboxt haben, dass sie ihren Formel-1-Anteil an den von Ecclestone gewünschten Investor CVC verkaufte. Der frühere Banker, der wegen Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung bereits zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt wurde, hat im Ecclestone-Prozess als Kronzeuge seinen Bestechungsvorwurf bekräftigt.

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Ecclestone hat Zahlungen an Gribkowsky eingeräumt, diese aber als Schweigegeld bezeichnet. Denn Gribkowsky habe gedroht, ihn mit konstruierten Vorwürfen bei den britischen Steuerbehörden anzuschwärzen. Nach Ansicht von Ecclestones Verteidigern lässt sich der Bestechungsvorwurf nicht aufrechterhalten, da die im Gesetz festgelegten Voraussetzungen nicht erfüllt seien. Auch der Vorwurf, Ecclestone habe Gribkowsky zur Untreue gegenüber der BayernLB angestiftet, lasse sich nicht belegen.

Die BayernLB fordert von Ecclestone Schadenersatz, weil er durch seine Abmachungen mit Gribkowsky dafür gesorgt haben soll, dass das Institut seinen Formel-1-Anteil unter Wert verkaufte. Ursprünglich hat die Bank nach Informationen aus Finanzkreisen bis zu 400 Millionen Dollar von Ecclestone gefordert. Doch mittlerweile haben im Strafprozess sowohl die Staatsanwaltschaft als auch mehrere Zeugen erklärt, die Bank habe damals einen guten Preis erzielt. CVC hatte 830 Millionen Dollar für den 47-prozentigen Formel-1-Anteil der Bank gezahlt.

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