Ecclestone-Prozess: Gribkowsky suchte Kontakt zum Geheimdienst

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Ecclestone-Prozess: Gribkowsky suchte Kontakt zum Geheimdienst

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Angst beim Formel-1-Verkauf: Gribkowsky wollte BND einschalten.

Formel-1-Boss Ecclestone musste sich wieder auf den Weg nach München machen: Im Bestechungsprozess gegen den 83-Jährigen ging es wieder um den Hauptbelastungszeugen Gerhard Gribkowsky - und dessen geheime Kontakte.

Im Bestechungsprozess gegen Formel-1-Boss Bernie Ecclestone sind geheimnisvolle Details über den Hauptbelastungszeugen Gerhard Gribkowsky bekannt geworden. Ecclestones Anwalt Sven Thomas sprach am Dienstag vor dem Landgericht München von angeblichen Kontaktversuchen des Bankers zum Bundesnachrichtendienst (BND). Aus schriftlichen Dokumenten gehe hervor, dass der frühere BayernLB-Vorstand seine Sekretärin gebeten hat, eine Verbindung zum BND-Präsidenten herzustellen. Die Nummer sei auch in Gribkowskys Kontakten verzeichnet gewesen.

Hintergrund waren vermutlich verdächtige Beobachtungen beim Joggen, von denen Gribkowsky Ende 2004 auch der Polizei berichtet hatte. Er befürchtete ein Bedrohungsszenario durch Ecclestone, mit dem er während der Verkaufsverhandlungen für die Formel-1-Mehrheit der Landesbank aneinandergeraten war. Ecclestone muss sich seit Ende April vor Gericht verantworten, weil er Gribkowsky am Rande des Besitzerwechsels 44 Millionen Dollar gegeben hat. Der Brite bestreitet aber, dass es sich um Bestechungsgeld handelte und stellte die Zahlung vielmehr als eine Art Schweigegeld dar, damit ihn der Banker nicht bei den britischen Steuerbehörden anzeigt.

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Die BayernLB und die Formel 1

  • Höhepunkt der New Economy

    Es war der Höhepunkt der New Economy, als das Medienunternehmen EM.TV im Jahr 2000 bei der Formel 1 einstieg. Kurz zuvor hatte EM.TV um die Gebrüder Thomas und Florian Haffa in einem ähnlich spektakulären Deal die Rechte an der „Muppets Show“ erworben.

  • Kirch und Kredite bei der BayernLB

    Mit im Boot bei der Formel 1 war auch damals schon Bernie Ecclestone, Zampano des PS-Spektakels, mit seiner Familienstiftung. Nur wenig später ging es mit EM.TV bergab. Die Kirch-Gruppe des damaligen Medienzaren Leo Kirch kam zu Hilfe, erhielt im Gegenzug den Anteil an dem Rennzirkus und stockte ihn noch auf. Dafür musste Kirch Kredite aufnehmen, unter anderem bei der BayernLB.

  • Gribkowsky wird Motorsport-Verantwortlicher

    Die Kirch-Gruppe meldete dann 2002 Insolvenz an. Dadurch wurde die Landesbank aus München unerwartet zum Anteilseigner der Formel 1 und der damalige Risikovorstand Gerhard Gribkowsky zum Motorsport- Verantwortlichen. In der Folgezeit entwickelte sich ein Streit mit den Autokonzernen, denen die tonangebende - und profitable - Rolle Ecclestones und seiner Verbündeten ein Dorn im Auge war. Auch eine Übernahme der Formel 1 durch einen oder mehrere Hersteller oder eine Konkurrenzveranstaltung standen zur Debatte.

  • Anteilsverkauf an CVC

    Vier Jahre später verkaufte Gribkowsky die BayernLB-Anteile an den Finanzinvestor CVC Capital Partners und die Wogen glätteten sich. Das Unternehmen zählt zu den weltweit größten der Private-Equity-Branche und hat europäische Wurzeln. Hauptsitze sind Luxemburg und London.

  • Ecclestone verkaufte

    Der Finanzinvestor übernahm die Formel-1-Mehrheit durch den Erwerb der Anteile der BayernLB und von Ecclestone selbst beziehungsweise seiner Familie. Dies geschah indirekt über die neu gegründete CVC-Tochter Alpha Prema, an der Ecclestone wiederum auch selbst beteiligt ist. Der heute 82-Jährige blieb auch bei diesem Deal Chef der Formel 1. Gribkowsky rückte in den Aufsichtsrat von Alpha Prema.

Von den verdächtigen Beobachtungen in seinem Umfeld hatte Gribkowsky auch seinen Kollegen und Geschäftspartnern erzählt, wie seine ehemalige Mitarbeiterin als Zeugin berichtete. „Ich fand es schon bezeichnend, dass er das so häufig erzählt hat und auch gegenüber den amerikanischen Banken“, sagte sie. Ende 2004 alarmierte Gribkowsky schließlich die Polizei und berichtete von „bedrohlichen Beobachtungen“, wie der zuständige Polizist vor wenigen Wochen als Zeuge erzählte.

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Beim Joggen hätten sich ihm ohne ersichtlichen Grund Menschen in den Weg gestellt und es habe an seiner Tür geklingelt, ohne dass jemand dort stand. Wegen der Vorfälle wollte Gribkowsky damals nach Angaben von Ecclestones Anwälten auch den bayerischen Innenminister einschalten. Sie sehen darin - wie auch in den Kontaktversuchen zum BND - Anzeichen von einem Größenwahn Gribkowskys. Die Anwälte versuchen seit Monaten, die Glaubwürdigkeit des wichtigsten Zeugen zu erschüttern, um Ecclestones Unschuld zu beweisen. Gribkowsky war 2012 wegen Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden, weil er zugegeben hatte, das Geld von Ecclestone erhalten und nicht versteuert zu haben.

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