Echte Konkurrenz: Fernbusse wildern bei der Bahn

Echte Konkurrenz: Fernbusse wildern bei der Bahn

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Die Deutsche Bahn versucht verzweifelt mit der Konkurrenz auf der Straße mitzuhalten und greift sich damit selbst an

von Christian Schlesiger

Die Deutsche Bahn hielt Fernbusse lange Zeit für harmlos. Doch nun zeigt eine Studie, dass sie zahlreiche Kunden an die neue Konkurrenz verliert.

Wer sitzt in den Fernbussen? Studenten und Rentner, die sich sonst keine Reise leisten können? Oder Privatleute, die von Bahn oder Auto auf den billigeren Transport umsteigen? Die Antwort gibt eine Studie des IGES Instituts. Und sie dürfte der Deutschen Bahn nicht gefallen. 44 Prozent der Fernbuskunden wären eigentlich mit dem Zug gefahren, verzichten aber nun darauf.

„Vor allem die günstigen Ticketpreise, die Anbindung auch kleinerer und mittelgroßer Städte sowie die Vielzahl umsteigefreier Verbindungen sind die Gründe, warum Bahnkunden in Fernbusse wechseln", sagt Christoph Gipp, Bereichsleiter Mobilität am Iges Institut in Berlin. Damit sind sie die größte Gruppe der Fernbuskunden. 38 Prozent der Fernbuskunden sind zuvor vom Auto auf den Bus umgestiegen. Vier Prozent wären geflogen. Der Rest gehört zu jener Gruppe, die ohne Fernbusangebot auf eine Reise verzichtet hätte.

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Der Umsatzverlust für die Deutsche Bahn dürfte daher größer sein als erwartet. Von den 44 Prozent Fernbuskunden, die auf eine Zugfahrt verzichten, wären zwei von drei Reisenden eigentlich in einen teuren Intercity oder ICE gestiegen, jeder Dritte wählte den Fernbus anstatt des Nahverkehrs. Die Spuren lesen sich in der Bilanz: Im vergangenen Jahr blieb der Umsatz der Fernverkehrssparte im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert - neben dem Hochwasser dürfte daran auch der Fernbusmarkt beigetragen haben.

Deutsche Bahn konkurriert mit sich selbst

Und der Boom dauert an, denn laut Beratungsunternehmen Iges finden die Kunden Gefallen an den Fernbusreisen. 85 Prozent der Kunden sind zufrieden oder sehr zufrieden mit dem Fernbus. Das ergab die Umfrage unter knapp 800 Reisenden. Sie wünschten sich jedoch vor allem besser ausgestattete Haltestellen und funktionierende WLAN-Angebote im Bus.

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Die Deutsche Bahn hat zwar ihrerseits reagiert und baut die eigenen Fernbuslinien deutlich aus. Unter der Marke Berlin Linien Bus (BLB) betreibt die Deutsche Bahn zusammen mit Partnerunternehmen zahlreiche Fernbuslinien. „Wir setzen auf gleichmäßige Erweiterung und Vertiefung unseres Angebotes und schaffen auf diese Weise ein solides, international ausgerichtetes Fernbus-Netz “, sagt Jörg Schaube, Geschäftsführer von berlinlinienbus.de. BLB werde die eigenen Fernbuslinien in diesem Jahr deutlich ausbauen und die Preise vorübergehend senken.

Doch damit verschärft sich gleichzeitig auch die Lage im Fernverkehr. Mit dem wachsenden Alternativangebot auf der Straße kannibalisiert die Konzerntochter das eigene Zuggeschäft. Neben BLB expandiert auch Konkurrent MeinFernbus in großen Schritten. Mitte März kündigte das Unternehmen aus Berlin die größte Netzerweiterung der jungen Unternehmensgeschichte an. Bis Ende April erhöht sich die Anzahl der grünen Busse auf 223 - ein Plus von 47 Prozent.

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