EM-Einwurf: Falscher Einwurf aus dem Orient

KommentarEM-Einwurf: Falscher Einwurf aus dem Orient

von Hans Jakob Ginsburg

Deutschland gegen Italien ist kein europäisches, sondern ein Weltereignis - ein Bericht aus Kairo.

Sie müssen verzeihen, das hier ist die WirtschaftsWoche, und da gibt es halt Prioritäten. Und weil der EM-Einwerfer sich gleichzeitig auch noch mit dem Nahen Osten beschäftigt, befindet er sich diese Woche und bekommt nur indirekt mit, was sich heute in Deutschland oder gar in Polen tut.
Immerhin gibt's in der Hotelbar nach wie vor ordentliches Bier (keine Angst vor dem neugewählten Präsidenten aus der Moslembrüder-Bewegung!) und einen Großbildschirm, auf dem ich gestern den mühsamen Sieg unseres Endspielgegners Spanien gegen Portugal verfolgt habe. Ist das zu optimistisch formuliert? Bestimmt nicht, meinten unisono zumindest der ägyptische Kellner und ein Teenager aus der spanischen Familie, die schon lange in Kairo lebt und am Nebentisch das Spiel verfolgte: "Morgen Abend kriegen wir das bessere Halbfinale!"

Kein Lerneffekt

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"Germany win", sagt der Ägypter, und der junge Spanier meint auch, dass "wir" gewinnen. Er ist halt Real-Madrid-Fan und hält noch lieber zu Khedira und Özil als zu den Barca-Spielern in der spanischen Mannschaft. Und die Italiener interessieren ihn überhaupt nicht. Vorsicht ist da geboten. Der WirtschaftsWoche-Redakteur ist alt genug, sich an das legendäre deutsche 3:4 gegen Italien im Halbfinale bei der Weltmeisterschaft 1970 zu erinnern, eines der schönsten und spannendsten großen Spiele jener Ära, als sieben Tore in einer Partie noch nicht so ungewöhnlich waren wie heute. Trotz der Niederlage eine schöne Erinnerung, schon weil die WM in Mexiko damals das erste große Fußballereignis mit Farbfernsehen war (nicht bei uns zu Hause, aber es gab ja noch andere Möglichkeiten). Was dann weiter zur scheußlichen deutschen Länderspielbilanz gegen Italien beitrug, steht heute wahrscheinlich in allen Tageszeitungen. Schwamm drüber, zu unerfreulich - nur kann ich dem smarten Oliver Bierhoff gar nicht folgen, wenn er jetzt verkündet, Vergangenheit sei Vergangenheit und für den Fußball zähle nur die Gegenwart. Oder auch dem Bundestrainer, den italienische Websites mit dem Satz zitieren, Italiens Fußball habe sich so geändert, dass man aus früheren Spielen nichts lernen könne.

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