EM-Einwurf: Gegen die Dänen machen uns die Zahlen Mut

kolumneEM-Einwurf: Gegen die Dänen machen uns die Zahlen Mut

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WirtschaftsWoche Redakteur Hans-Jakob Ginsburg kommentiert die Spiele der deutschen Elf

Kolumne von Hans Jakob Ginsburg

Zwanzig Jahre nach der EM 1992 spielt Deutschland viel besseren Fußball als beim damaligen Finale gegen Dänemark. Aber auch die Skandinavier sind gut. Statistisch gesehen ist es trotzdem eher unwahrscheinlich, dass die deutsche Nationalelf nicht in die nächste Runde kommt.

Sie müssen verzeihen, aber das hier ist die WirtschaftsWoche, und da müssen wir auch vor dem dritten EM-Spiel unserer Nationalmannschaft, gegen Dänemark in Lemberg, an ein paar Sachverhalte erinnern, die mit Fußball erst einmal wenig zu tun haben. Die Dänen werden dieses Jahr höchtswahrscheinlich nicht den UEFA-Titel gewinnen, dafür sind sie aber vielleicht jetzt schon die Europameister im Bewältigen der Eurokrise: obwohl oder gerade weil Dänemark den Euro nicht eingeführt hat und seit einer entsprechenden Volksabstimmung vor ungefähr zehn Jahren auch gar nicht einführen kann.

Das kleine skandinavische Königreich lässt seine Währung in einer engen Bandbreite gegenüber dem Euro floaten, so dass dänische Firmen bei ihrem regen Handel mit der Euro-Zone sich um Währungsfragen nicht scheren müssen. Weil die dänische Krone aber fortbesteht, hat das Land keine Last mit der Finanzierung von Rettungspaketen und kann das Elend in Südeuropa distanziert betrachten – allerdings nicht ganz: Da sich die Krone fast wie der Schweizer Franken als europäische Flucht- und Rückzugswährung anbietet, ist die Sicherung des Wechselkurses für die Nationalbank zum schweren Geschäft geworden. Weshalb die Dänen seit Beginn der großen Krise diffuse Angst davor haben, dass fremde Einflüsse ihre soziale und ökonomische Idylle zerstören.

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Dänemark hat wohl den am wenigsten regulierten Arbeitsmarkt Europas, was die Gewerkschaften freudig akzeptieren, weil Arbeitslose nirgendwo so großzügig alimentiert werden wie im Königreich. Das lässt sich bei hohen Einkommensteuern leicht finanzieren, und eine überaus effiziente Arbeitsvermittlung sorgt dafür, dass fast niemand lange ohne Beschäftigung bleibt. Überdies gehört Dänemark zu den reichsten Nationen der Welt und der Wohlstand ist nach OECD-Statistiken gleichmäßiger verteilt als in allen anderen Industriestaaten Europas.

Gute Europäer, aber sie können auch ganz anders

Ein glückliches Land, wäre da nicht die Angst vieler Dänen vor der potenziellen Bedrohung ihrer Idylle von außen: durch Islamisten, durch deutsche Sandburgenbauer in den Ferienorten an der Ostsee, überhaupt durch kriminelle Südländer, wobei der eklige Süden in Schleswig-Holstein anfängt. Dänemark ist Schengen-Land, hatte aber voriges Jahr angekündigt, an seinen Grenzen wieder den Schlagbaum zu senken wie anno dazumal. Dazu ist es nach einem Regierungswechsel von Mitte-rechts nach Mitte-links nicht gekommen, die neue Regierung in Kopenhagen lässt die Autos frei aus Richtung Schleswig nach Jütland rollen, aber das Recht auf nervende Kontrollmaßnahmen wollen die Dänen nicht aufgeben. Sie sind gute Europäer, aber beharren mit Getöse darauf, dass sie auch ganz anders können.

Das bedeutet, dass niemand weiß und niemand wissen soll, woran er mit den Dänen ist. Nicht die Politiker der Nachbarstaaten in Sachen Integration, nicht die Finanzmarktjongleure in Sachen Dänenkrone, und auch nicht die deutsche Nationalmannschaft.

Für Gegner auf dem Fußballplatz ist das gefährlich, wie wir in Erinnerung an frühere dänische Auftritte bei internationalen Turnieren wissen. 1986 bei der Weltmeisterschaft in Mexiko hatten die jahrzehntelang zu Recht ignorierten Dänen die Fußballwelt begeistert und aufgemischt. In der Gruppenphase 6:1 gegen Uruguay und 2:0 gegen eine chancenlose deutsche Mannschaft, wobei es das Team um Lothar Matthäus und Rudi Völler am Ende doch noch bis zum Vizetitel brachte. Aber nicht hinter den imponierenden Dänen – die waren im Achtelfinale gegen die damals gar nicht so besonders guten Spanier mit 1:5 untergegangen. Was blieb, war die Erinnerung an einen Wikinger-Spuk und die vielen Fans, die sich die Nationalfarben ins Gesicht gemalt hatten. Damit waren die Dänen damals fast die ersten.

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