EM-Einwurf: Optimismus in der Krise

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kolumneEM-Einwurf: Optimismus in der Krise

Kolumne von Hans Jakob Ginsburg

WirtschaftsWoche-Redakteur Hans Jakob Ginsburg zum Europameisterschaftsspiel Deutschland gegen Portugal. Der erste Teil unserer EM-Kolumne.

Sie müssen verzeihen, aber das hier ist die WirtschaftsWoche, und da müssen wir vor dem ersten EM-Spiel unsere Nationalmannschaft, gegen Portugal in Lemberg, erst einmal etwas reichlich Unsportliches berichten. Aber es soll auch im fußballverrückten Portugal momentan Leute geben, die dergleichen mehr interessiert als die EM.

Also: In Lissabon hat der konservative Premierminister Pedro Passos Coelho gerade wieder einmal wütend dementiert, dass seine Regierung im Zeichen der Euro-Krise plane, die Löhne im Land per Gesetzgebung zu senken. Gefordert hatte das bezeichnenderweise der Chef der Privatisierungsbehörde, dem das derzeitige Lohnniveau im Krisenland die Arbeit erschwert.

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Innenansicht eines Stadions (Illustration) Quelle: Torsten Wolber

Bei den Fußballklubs ist das natürlich anders. Benfica, FC Porto und Co. beschäftigen nur neun der 22 Spieler im Aufgebort der Portugiesen für die EM. Der Rest verdient Geld, zum Teil sehr viel Geld, im Ausland, allein sechs der Portugiesen laufen in der spanischen Primera División auf. Allen voran natürlich Weltstar Cristiano Ronaldo, hinter dem freilich im heutigen portugiesischen Aufgebot qualitativ wenig kommt, zumindest nach der Papierform.

Bescheidenheit unter den Gegnern

Weshalb Ronaldo, auch in Sachen Imagepflege ein internationaler Star, vor dem Spiel gegen Deutschland ganz bewusst in Bescheidenheit macht: Die deutsche Mannschaft sei „herausragend“, spricht er ins Mikrofon und es klingt wie die Vorab-Entschuldigung für die kommende eigene Niederlage.

Nur: Bei kaum einem Wettbewerb gibt es immer wieder so viele Überraschungen wie bei Europameisterschaften, und darum macht unser Jogi Löw prophylaktisch dasselbe PR-Mätzchen wie Ronaldo und ernennt Portugal zu „einem der Turnierfavoriten“. Und denkt dabei, wenn er sich überhaupt etwas denkt, sicher nicht an Portugals holprige Qualifikation für die Ukraine (zweiter Platz in der Gruppe hinter Dänemark, dann Sieg im Play-off gegen Bosnien-Herzegowina). Nein, dann schon eher Basel vor vier Jahren, EM-Viertelfinalspiel Deutschland gegen Portugal.

Da stand es bis zur 87. Minute 3:1 für Deutschland durch Tore von Schweinsteiger, Klose und Ballack, als die zähen Portugiesen auf 2:3 verkürzten und noch für ein paar spannende und gefährliche Minuten sorgten. Bundestrainer Löw erlebte das aus kaum einer anderen Perspektive als wir Fernsehsesselexperten, weil er wegen einer läppischen Disziplinlosigkeit im Gruppenspiel davor von der UEFA mit 90 Minuten Tribünensitzen bestraft worden war.

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Optimistischer Löw

Und trotzdem hat es damals aus deutscher Sicht geklappt, und das wird Löw in Wirklichkeit optimistisch stimmen. Wie auch die Erinnerung an das WM-Spiel um Platz drei zwei Jahre zuvor in Stuttgart: Der Gastgeber beschloss das Sommermärchen 2006 mit einem nie gefährdeten 3:1 gegen die Portugiesen, Torschützen zwei Mal Schweinsteiger  und einmal  Armando Goncalves Teixeira von Benfica Lissabon, der sich mit diesem Selbsttor für einen Arbeitsplatz bei dem für seine großartigen Spielereinkäufe berühmten Bundesligaklub 1. FC Köln qualifizierte. Sie nannten ihn Petit.

Also gut möglich, dass das erste deutsche Spiel vor allem zur Bühne wird, auf der unsere Gegner um die Aufmerksamkeit zahlungskräftiger Spielervermittler und Vereinsmanager kämpfen. Insofern wird die portugiesische Diskussion um Lohnsenkungen im eigenen Land Ronaldos Mannschaftskameraden extrem motivieren. Was dem deutschen Team keine Angst machen sollte: 2006 sangen die Fans beim Portugal-Spiel „Stuttgart ist viel schöner als Berlin“, um sich für die verspielte Endspielteilnahme zu trösten. Lemberg, dieses Jahr der Spielort, ist aber noch viel schöner als Stuttgart. Wirklich.  

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