Entschädigung bei Verspätungen: Experten fordern Beschwerde-App

Entschädigung bei Verspätungen: Experten fordern Beschwerde-App

von Christian Schlesiger

Die Bahn ist kulanter als Fluggesellschaften, sagen Experten. Trotzdem sollte der Beschwerdeweg vereinfacht werden.

Wie teuer wird das Urteil des Europäischen Gerichtshofes für die Deutsche Bahn? Der Konzern selber wollte dazu noch keine Stellung beziehen. Das sei zu früh, heißt es aus dem Unternehmen. Die Deutsche Bahn muss künftig wie alle Bahnen in Europa auch dann bei Zugverspätungen zahlen, wenn sie für die Ursachen gar nicht verantwortlich ist. Unwetter, Schnee und Streiks können daher richtig ins Geld gehen.

Doch Experten sehen derzeit keinen Grund zur Sorge – aus moralischen Gründen. Reisende sind in Fällen von höherer Gewalt meist sehr verständnisvoll“, sagt Heinz Klewe, Geschäftsführer der Schlichtungsstelle für den Öffentlichen Personenverkehr (SÖP). Bei ihm laufen Streitfälle ein, wenn sich Bahn und Fahrgast nicht einigen können. Meistens geht es um bei Verspätungen und Zugausfällen um Fragen, ob der Fahrgast das Taxi habe nutzen durften oder ob der Zug wirklich mehr als 60 Minuten zu spät war. Doch bei Hochwasser, Eis und Streiks forderten nur wenige Fahrgäste ihr Geld zurück.

Anzeige

Fahrgastrechte Spanischer Bahnkunde müsste man sein

Europas Bahnen müssen auch bei Verspätungen wegen Unwetter zahlen. Wer im Ausland reist, erhält allerdings höhere Entschädigungen als in Deutschland - vor allem in Spanien.

huGO-BildID: 10110060 A high-speed AVE train, on its first journey between Madrid and Barcelona, arrives in Barcelona, Spain, Wednesday, Feb. 20, 2008. After years of delays, the first high-speed trains linking Madrid and Barcelona arrived at their destinations without incident Wednesday, the national train company Renfe said. (AP Photo/Manu Fernandez) Quelle: AP

Das kann sich sicher ändern. Denn der Grund für eine Verspätung spielt nun keine Rolle mehr. „Viele Reisende werden dennoch Verständnis zeigen“, glaubt Klewe, „wenn der Grund für die Verspätung offensichtlich nicht bei der Bahn selber liegt.“ Entscheidend sei allerdings, dass die Kunden gut und richtig über Ursachen und Folgen der Verspätung informiert würden.

Ohnehin gilt die Deutsche Bahn unter den Verkehrskonzernen in Deutschland als kulant. Die Verbraucherschutzseite flighright.de, die den Beschwerdeprozess frustrierter Fluggäste übernimmt und bei Erfolg Provision kassiert, sieht derzeit wenig Potenzial, das Geschäftsmodell auf den Bahnverkehr zu übertragen. „Der Schmerz der Reisenden ist bei den Fluggesellschaften viel größer als bei der Bahn“, sagt Flightright.de-Chef Philipp Kadelbach. Die Airlines gingen bei Beschwerden ihrer Kunden schnell „auf die Barrikaden“. Die Deutsche Bahn sei da williger, die Rechte der Fahrgäste zu bedienen. Kadelbach hat sich zwar seit anderthalb Jahren die Seite railright.de gesichert, doch aktiv ist die Seite noch nicht.

Weitere Artikel

Dennoch sieht Kadelbach auch bei der Bahn Reformbedarf. Der Prozess, wie Fahrgäste ihre Rechte geltend machen können, sei altmodisch. Reisende müssen sich ein Formular aus dem Internet runterladen, mehrere Dutzend Felder ausfüllen und nach Frankfurt schicken. „Es spricht nichts dagegen, den Prozess zu digitalisieren“, sagt Kadelbach. Häufig werden Tickets und Bahncards bei der Fahrkartenkontrolle im Zug eingelesen. Die Beweise, dass jemand in einem verspäteten Zug saß, liegen bereits in der Datenbank.

Schwierig wird es dann eher bei den Vielfahrern, die eine Bahncard100 besitzen. Die Kontrolleure blicken meist nur auf die schwarzen Flatrate-Berechtigung, ohne sie einzulesen. Doch auch dann „ließe sich das Beweisproblem lösen“, sagt Kadelbach. Die Vielfahrer könnten im Entschädigungsprozess auf Zeugen verweisen oder Fotos von verspäteten Ankünften machen.

Wenn die Deutsche Bahn es ihren Kunden leicht machen wollte, könnte sie Beschwerde-Apps oder -Webseiten heraus bringen, so Kadelbach. Doch das will sie ganz offenbar nicht, denn das Papier hält Kunden auch von ihrer Beschwerde ab: „Wegen 25 Euro hat keiner Lust, ein riesen Formular auszufüllen.“

Dem Autor auf Twitter folgen:

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%