Etienne Petit: "Arbeit für Jahrzehnte"

InterviewEtienne Petit: "Arbeit für Jahrzehnte"

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Etienne Petit hat seine Lektion gelernt

Veolias Deutschland-Chef will vom Atomausstieg in der Bundesrepublik profitieren.

WirtschaftsWoche: Herr Petit, Veolia hat den Rückbau von Atomkraftwerken als einen seiner künftigen Wachstumssektoren identifiziert. In Deutschland tut sich da ein großer Markt auf. Werden Sie dabei sein?

Petit: In Deutschland ist dieses Potenzial sehr groß – das ist ein Markt, der auf Jahrzehnte hin Arbeit verspricht. Veolia kann dort sein gesamtes Know-how in Sachen Entsorgung, Abwasser und Energie einbringen. Noch gibt es keine konkreten Projekte für uns, wir führen zunächst Gespräche mit möglichen Partnern.

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Welche Partner brauchen Sie?

Das kommt auf das jeweilige Kraftwerk und seinen Betreiber an. Klar ist, dass Veolia sich nicht um die Entsorgung von Uran kümmern wird oder um den Reaktorkern. So etwas können spezialisierte Nuklearunternehmen besser. Wir haben andere Stärken, etwa die Dekontamination von radioaktiv belastetem Wasser aus Kühl- und Sekundärkreisläufen.

Veolia Die Probleme des Versorgungsriesen

Den französischen Versorger Veolia drücken enorme Schulden – auch wegen Problemen in Deutschland. Doch gegen den Umbaukurs des Vorstandschefs formiert sich Widerstand.

Antoine Frérot Quelle: Laif

Um welches Auftragsvolumen geht es?

Insgesamt geht es in diesem Markt um enorme Summen. Allein die Kosten für die Stilllegung eines Kraftwerks und die Vorbereitung auf den Rückbau erreichen schnell dreistellige Millionenbeträge.

Nach dem erzwungenen Ausstieg bei den Berliner Wasserbetrieben 2013 hat Veolia angekündigt, seine Dienste verstärkt Industrieunternehmen anzubieten. Ein Rückzug aus den Kommunen?

Zunächst muss man sagen, dass die Partnerschaft mit Berlin eine Erfolgsgeschichte war – für beide. Dass die Zusammenarbeit Gegenstand kritischer Diskussionen war, lag an dem von Berlin 1999 gewählten Teilprivatisierungsmodell. Das muss man nicht dramatisieren.

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Aber Ihnen wurde vorgeworfen, die Gebühren in die Höhe zu treiben.

Gefühlsmäßig sind Gebühren ja praktisch immer zu hoch. Aber objektiv stiegen sie in Berlin nach der Teilprivatisierung viel langsamer als vorher – und auch viel langsamer, als es unter rein kommunaler Regie geplant war. Wir haben unsere Lektion gelernt: Wir sind Dienstleister – es ist nicht unser Ziel, Unternehmen und Anlagen zu besitzen. Wir kümmern uns um die Mitarbeiter, optimieren den Betrieb und den Energieverbrauch, reduzieren Wasserverluste und so weiter – als Partner der kommunalen Eigentümer. Beim Netzerwerb können wir über Finanzierungspartner unterstützen, etwa deutsche Fonds, die an sicheren Langfristanlagen interessiert sind. Unser Part sind dann technische und kaufmännische Dienstleistungen, die den operativen Betrieb sicherstellen.

Die Hinwendung zur Industrie ist also kein Rückzug?

Im Gegenteil. Eine Stadt existiert noch in 200 Jahren, bei einem Unternehmen ist das nicht so sicher. Verträge mit Kommunen haben teils jahrzehntelange Laufzeiten, bei der Industrie sind sie meist deutlich kürzer. Wir wollen in wenigen Jahren ein Gleichgewicht erreichen zwischen kommunalen und Industriekunden. In der Entsorgung machen wir schon 80 Prozent des Geschäfts mit Industrie- und Gewerbekunden.

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