Etihad, Emirates und Qatar sorgen für Zoff: Streit um Subventionen spaltet die Flugbranche

ThemaLuftfahrt

Etihad, Emirates und Qatar sorgen für Zoff: Streit um Subventionen spaltet die Flugbranche

Bild vergrößern

Der Streit um Subventionen überschattet den Weltluftfahrt-Gipfel

von Rüdiger Kiani-Kreß

Beim jährliche Treffen der Weltluftfahrt in Miami streiten die Fluglinien aus der EU und den USA mit den Airlines vom Golf um Subventionen. Dabei riskieren die westlichen Linien eine Spaltung und noch mehr Gegenwind von ihren Regierungen.

Wie schlecht es der Flugbranche auch ging, auf das erste Wochenende im Juni freuten sich die Chefs der weltgrößten Airlines immer. Dann trifft sich alles was rund um die Fliegerei Rang und Namen hat, zur Jahrestagung des Weltluftfahrtverbandes Iata an einem schönen Ort wie Singapur, Kapstadt oder Doha.

Und weil neben Gesprächen und Feiern in lockerer Runde meist auch sonnig-warmes Wetter lockt, bleiben selbst Vorstandsvorsitzende krisengeschüttelter Airlines wie Air-Berlin-Chef Stefan Pichler länger als die 48 Stunden, auf die das Treffen angelegt ist. In diesem Jahr in Miami Beach, Florida, droht in den Konferenzsälen im Loewes Hotel am Strand ein ähnliches Gewitter wie es der Wetterbericht für die Stadt vorhersagt.

Anzeige

Ein tiefer werdender Riss droht die Branche in zwei Lager zu spalten. Grund ist der Konflikt zwischen den Fluglinien aus der EU und den USA einerseits sowie den Fluglinien vom Golf andererseits. Der Streit dreht sich um die Frage, welche Seite nun mehr Staatshilfen bekommen hat.

Die fünf Erfolgsgeheimnisse der arabischen Airlines

  • Gute Preise

    Kern des Erfolgs sind die guten Preise. Möglich werden sie durch die im Vergleich zu europäischen Linien bis zu 30 Prozent niedrigeren Ausgaben. Dafür sorgt die Flotte, die dank Großbesteller-Rabatten und moderner Technik im Schnitt gut ein Zehntel günstiger fliegt als die Maschinen der Konkurrenz aus Übersee. Zweites Plus sind die Flughäfen der Golfstaaten. Großzügig gebaut und ohne Einschränkungen beim Nachtflug erlauben sie eine optimale Flugplanung ohne die überflüssigen Ruhezeiten für die teuren Maschinen. Und weil die Airports meist die gleichen Aufsichtsratschefs haben wie die Fluglinien, fördern sie die durch niedrige Gebühren, die nur rund ein Zehntel der in Europa fälligen Abgaben betragen.

  • Unternehmensfreundliche Gesetzgebung

    Die unternehmensfreundliche Gesetzgebung sorgt für weitere Einsparungen. Dinge wie Steuern und Sozialabgaben sind ebenso unbekannt wie Sozialstandard oder Kündigungsschutz. Das spiegelt sich auch in der Unternehmenskultur wieder. Weil die Gehälter ohne die Abgaben relativ hoch sind und der Job viele Freiräume bietet, ziehen die Golflinien überdurchschnittlich viele hochmotivierte Mitarbeiter an. „Wir haben das Gefühl, die Vorgaben zu erreichen und wahrscheinlich sogar übertreffen können", so ein hochrangiger Mitarbeiter bei Emirates.

  • Verkehrsgünstige Flughäfen

    Die Flughäfen am Golf liegen verkehrsgünstig. Mit Ausnahme von Chile und Süd-Argentinien sind mit modernen Flugzeugen fast alle Orte der Welt erreichbar und bei den besonders stark beflogenen Routen von Europa nach Südostasien liegen die Golfstaaten quasi auf dem Weg.

  • Kundendienst

    Die Golflinien setzen auf Kundendienst. Während die Linien aus Europa und den USA bei Neuerungen wie modernen Flugzeugen, bequemen Sitzen, Betten in der Business Class oder einem persönlichen Unterhaltungsbildschirm in der Economy lange zu teuer waren und sie ihre Kunden bei jeder Gelegenheit mit Zuschlägen belasteten, setzen die Golfinien auf „alles inklusive.“

  • Marketing

    Fast ebenso viel wie in neue Technik stecken die Linien ins Marketing. Lufthansa etwa investiert eher zurückhaltend in Sportförderung oder aber in ungewöhnliche Dinge wie Events klassischer Musik. Besonders letztere sorgen – bei allem künstlerischen Wert – besonders bei jüngeren Reisenden außerhalb Europas für weniger Bekanntheit als die von den Golflinien bevorzugten Massensportarten wie Fußball oder Formel 1.

  • Woher das erfolgreiche Modell stammt

    Die Grundidee für das Modell borgte sich das Emirates-Gründungsteam um Clark am Ende von Singapore Airlines. Die Linie des südostasiatischen Inselstaats zeigte als erste, wie ein Verbund aus einem Langstreckendrehkreuz, einem kundenfreundlichen Flughafen und der Rückendeckung der lokalen Regierung eine Weltmacht im Fliegen schafft – und daraus dann ein weltweit wichtiges Wirtschaftszentrum erwächst. Ein System, das nach den Golflinien im übrigen auch Island aufgenommen hat, mit Reykjavik als Minidrehkreuz zwischen Europa und Nordamerika.

Bei der letzten Zählung waren es fast 45 Milliarden Dollar illegale Subventionen für die drei großen Golflinien Emirate aus Dubai, Etihad aus Abu Dhabi sowie Qatar Airways aus Katar. Im Gegenzug sollen die drei großen US-Linien sogar weit über 70 Milliarden erhalten haben. "Die Diskussion ist nun globaler und was den Druck gegen Subventionen angeht glaubhafter denn je", erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr zu Beginn des Treffens.

Die Details des Streits

Für Außenstehende hat die Debatte etwas absurdes. So lebt wohl außer der Energiesparte keine Industrie so sehr von Hilfen aus der Politik wie die Luftfahrt-Branche. Schon das Verbandstreffen der gut 260 Airlines am Wochenende wäre anderswo wahrscheinlich am Argwohn der Kartellwächter gescheitet. Airlines zahlen keine Mineralölsteuern und auf internationalen Flügen auch keine Mehrwertsteuer. Und natürlich dürfen - allen gängigen Liberalisierungsabkommen zum Trotz - Flüge zwischen zwei Ländern in der Regel nur Unternehmen im Besitz von Investoren aus dem Start- oder Zielland anbieten.

Turkish-Airlines-Chef attackiert Emirates "Unprofitable Airlines kann nur Gott retten"

Temel Kotil stichelt gegen die Konkurrenten Emirates und Etihad. Der Chef von Turkish Airlines will die subventionierten Fluglinien vom Golf stoppen und wieder enger mit der Lufthansa kooperieren.

Turkish-Airlines-Boss Temel Kotil will seine Airline zur größten Europas machen. Quelle: rtr, Montage

Beim Blick in die Details des Zanks wird es noch schlimmer. Die US-Linien werfen alle Golfcarrier in einen Topf, obwohl Emirates ansonsten Subventionen bekämpft und im Gegensatz zu Etihad und Qatar komplett privatwirtschaftlich und transparent arbeitet. Dazu listen die US-Linien etwas diffuse sonstige Hilfen der Golfstaaten, die verdächtig an US-Vorschrift erinnern wie dass Staatsbedienstete  heimische Airlines buchen müssen.

 

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%