Etihad-Engagement in Gefahr: Schlechtes Omen für Air Berlin aus der Schweiz

ThemaAir Berlin

Etihad-Engagement in Gefahr: Schlechtes Omen für Air Berlin aus der Schweiz

von Rüdiger Kiani-Kreß

Ein Veto der Behörden gegen das Engagement von Etihad in der Schweiz könnte auch Air Berlin gefährden. Denn trotz besserer Zahlen im ersten Halbjahr ist die deutsche Fluglinie noch lange nicht gerettet.

Eigentlich wollte Air-Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer am Donnerstagmorgen ein wenig Optimismus verbreiten. Immerhin schrieb Deutschlands zweitgrößte Fluglinie in der ersten Hälfte des aktuellen Geschäftsjahres bessere Zahlen und schaffte im zweiten Quartal sogar einen – wenn auch bescheidenen – Gewinn.

Doch gute Stimmung zu verbreiten, das ist seit Mittwochnachmittag ein wenig schwerer geworden. Denn da verkündete die Schweizer Luftaufsichtsbehörde BAZL, dass sie den Einstieg der Fluglinie Etihad bei der eidgenössischen Regionalairline Darwin in der gegenwärtigen Form nicht genehmigen werde. Etihad, die auch 29 Prozent an Air Berlin hält, wollte ein Drittel an Darwin übernehmen. Dann sollte die Gesellschaft unter dem Namen Etihad Regional im Verkehr auf kleineren Routen in Europa aktiv werden. Und außerdem als Zubringer für Etihad selbst und die anderen Töchter der Emiratslinie (u.a. Air Berlin, Alitalia und Aer Lingus) fungieren.

Anzeige

Die Chronik von Air Berlin

  • Sonderrechte im geteilten Berlin

    Vor 38 Jahren hob der erste Air-Berlin-Flieger ab. Alles begann mit alliierten Sonderrechten zur Landung im geteilten Berlin. Nach der Wende wuchs Air Berlin zur Nummer Zwei am Himmel über Deutschland heran, doch dann folgte eine jahrelange Krise.

  • 1970er- bis 90er-Jahre

    1978: Gründung als Chartergesellschaft durch den Ex-Pan-Am-Pilot Kim Lundgren. Erstflug am 28. April 1979 von Berlin-Tegel nach Mallorca. Die Flotte umfasst zwei Maschinen.

    1991: Im April kauft der LTU-Manager Joachim Hunold die Mehrheit der Anteile. Es gibt kurz darauf 15 Flüge pro Tag. Air Berlin expandiert und stationiert zunehmend auch Flugzeuge auf Regionalflughäfen.

    1998: Mit dem Mallorca Shuttle Einstieg ins Linienfluggeschäft.

  • 2004

    Einstieg zu 25 Prozent bei der österreichischen Fluggesellschaft Niki des früheren Rennfahrers Niki Lauda.

  • 2006

    Börsengang und Kauf der Fluggesellschaft dba.

  • 2007

    Kauf des Ferienfliegers LTU, damit auch Interkontinentalflüge.

  • 2008

    Air Berlin rutscht in die roten Zahlen, legt das erste Sparprogramm auf: Strecken fallen weg, Flugzeuge werden ausgemustert. Die Übernahme des Ferienfliegers Condor scheitert.

  • 2010

    Air Berlin kündigt für 2012 den Eintritt in das Luftfahrtbündnis Oneworld an.

  • 2011

    Hunold wirft das Handtuch, Hartmut Mehdorn übernimmt. Ein weiteres Sparprogramm soll das operative Ergebnis um 200 Millionen Euro verbessern. 18 der 170 Maschinen werden verkauft.

  • 2012

    Die arabische Staatsairline Etihad erhöht ihren Anteil von knapp 3 auf 29,2 Prozent und stützt die Airline mit einem 255-Millionen-Dollar-Kredit. Ein neues Sparprogramm beginnt. Der Verkauf des Vielfliegerprogramms an Großaktionär Etihad bringt nur vorübergehend wieder schwarze Zahlen.

  • 2013

    Wolfgang Prock-Schauer wird Vorstandschef und verschärft das von Mehdorn im Vorjahr aufgelegte neue Sparprogramm. Jeder zehnte Arbeitsplatz fällt weg, die Flotte schrumpft auf 142 Maschinen.

  • 2015

    Im Februar löst Stefan Pichler den glücklosen Prock-Schauer ab. Air Berlin macht 447 Millionen Euro Verlust - so viel wie nie.

  • 2016

    Nach einem juristischen Tauziehen kann Air Berlin den größten Teil der wichtigen Gemeinschaftsflüge mit Etihad weiter anbieten. Die Zahlen bessern sich nicht. Gespräche mit Lufthansa über einen Verkauf von Geschäftsteilen beginnen. Mit einem tiefgreifenden Umbau und der Streichung von bis zu 1200 Arbeitsplätzen will Air Berlin seine Krise überwinden.

  • 2017

    Air Berlin bekommt einen neuen Chef. Der Lufthansa-Manager und früheren Germanwings-Chef Thomas Winkelmann wird Vorstandschef. Air Berlin führt ihren Flugbetrieb in zwei getrennten Geschäftsfeldern weiter: Langstreckenflüge und Städteverbindungen in Europa werden zusammengefasst, Urlaubsflüge unter der Marke Niki geführt. Lufthansa erklärt sich bereit, Air Berlin zu übernehmen, wenn der Großaktionär Etihad zuvor die Schulden übernähme.

  • 15. August 2017

    Air Berlin meldet Insolvenz an. Zuvor hatte Etihad seine finanzielle Unterstützung eingestellt. Ein 150-Millionen-Euro-Kredit des Bundes soll den Flugbetrieb zunächst sichern.

Dabei droht nun zumindest eine Verzögerung, wenn nicht gar ein erzwungener, grundlegender Strategiewechsel. „Das BAZL ist nach Durchsicht der Unterlagen zum Schluss gekommen, dass die beabsichtigten Zusammenarbeitsmechanismen zu einer Kontrolle der Etihad Airways über Darwin Airline SA führen können und damit mit den gesetzlichen Bestimmungen nicht vereinbar wären“, erklärte die Aufsichtsbehörde. Im Klartext: Etihads Einfluss auf Darwin wäre zu groß. Der Deal wird nicht einfach durchgewunken.

Kontrolle aus dem Emirat

Zwar erfüllen die Übernahmepläne von Etihad auf den ersten Blick das EU-Recht, weil Etihad keine Mehrheit der Stimmrechte hätte. Doch die Regeln verlangen auch den Verzicht auf Kontrolle durch ausländische Anteilseigner. Darum prüft die Behörde, ob das Management von Darwin auch nach dem Etihad-Engagement noch eigenständig agiert oder aus Abu Dhabi ferngesteuert wird. In diesem Fall würden Etihad und Darwin gegen EU-Recht verstoßen. Offenbar befürchtet die Behörde letzteres.

„Stellt das BAZL (einzeln oder in der Gesamtheit) wesentliche Verletzungen der Bestimmungen an Eigentum und Kontrolle fest, wird das BAZL den Entzug der Betriebsbewilligung der Darwin Airline SA in Erwägung ziehen müssen“, droht das eidgenössische Amt weiter und fordert bis zum 30. September Nachbesserungen an den Beteiligungsverträgen. Sonst darf die Linie nur noch begrenzt aus der Schweiz ins Ausland fliegen, müsste stark schrumpfen oder den Betrieb einstellen.

Probleme für Air Berlin
Die Mitteilung aus Bern ist auch für Air Berlin keine gute Nachricht. Zwar erklärt die Linie, sie sei „davon in keinerlei Weise betroffen“. Doch das könnte eine voreilige Wertung sein. Denn das Investment von Etihad in ihre angeschlagene deutsche Tochter stößt bereits auf starken Gegenwind von Konkurrenten, die bei Air Berlin einen Verstoß gegen EU-Recht wittern.

Zwar hält Etihad in Berlin wie bei Darwin nur 29 Prozent der Anteile und erfüllt damit offiziell die Auflagen. Doch aus Sicht von Linien wie Lufthansa, Condor, Easyjet und Ryanair gibt es Anzeichen, dass Etihad trotzdem das Sagen hat. Seit dem Einstieg der arabischen Gesellschaft hat Air Berlin sein Streckennetz nämlich gründlich umgebaut. Dazu hat Etihad über komplizierte Konstruktionen viel Geld in die deutsche Linie gepumpt und könnte die Mehrheit übernehmen, etwa wenn Air Berlin nach Fälligkeit dieser Wandelanleihen den Betrag in Unternehmensanteilen statt in bar zurückzahlen würde.

Übernahme Weichen für Etihad-Einstieg bei Alitalia sind gestellt

Acht Monate haben die Verhandlungen gedauert, mehrfach drohten sie zu scheitern. Jetzt ist der Deal zwischen Etihad und Alitalia perfekt - bis auf das grüne Licht der Kartellwächter zum Einstieg der Araber.

Jetzt fehlt nur noch das grüne Licht der Kartellwächter. Quelle: REUTERS

Darum drängen die Air-Berlin-Konkurrenten auf eine strenge Prüfung des deutschen Luftfahrtbundesamts LBA, wie sie zuvor bereits die EU angemahnt hat. Diese könnte ergeben, dass Etihad auch bei Air Berlin de facto die Kontrolle hat. Dann müssten Air Berlin und Etihad entweder die Art der Zusammenarbeit und Finanzierung nachbessern oder riskieren, dass Air Berlin den Status als deutsche Fluglinie verlöre. Damit dürfte sie bestimmte Strecken außerhalb der EU nicht mehr bedienen. Flüge nach Russland oder auch Nordafrika wären nicht mehr erlaubt. „Die Zweifel der Schweizer Behörden stärken nun unsere Position und erfordern eine kritischere Prüfung des Etihad-Engagements“, so ein führender Flugmanager.

Ähnlich ist auch die Lage bei Alitalia. Bei der italienischen Staatslinie will Etihad 49 Prozent der Anteile kaufen und so ebenfalls unter der Mehrheit bleiben. Zwar zeigte sich Italiens Verkehrsminister Maurizio Lupi optimistisch, die EU-Regeln eingehalten zu haben. Aber das sehen die Wettbewerber etwas anders. „Auf den ersten Blick sind die Übernahme Regelungen bei Alitalia nicht viel anders als die bei Darwin aus der Schweiz – und Air Berlin“, so der Insider.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%