Europäische Börse Euronext: Konkurrent kritisiert Fusion von Deutscher Börse und LSE

Europäische Börse Euronext: Konkurrent kritisiert Fusion von Deutscher Börse und LSE

, aktualisiert 20. September 2016, 20:25 Uhr
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Euronext hatte zuvor selbst den Kontakt zur Deutschen Börse gesucht: „Ich habe ihnen sogar meine Telefonnummer gegeben. Doch es kam nie ein Anruf“, so Chef Stephane Boujnah.

Quelle:Handelsblatt Online

Euronext betreibt die Börsen in Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon – auch mit Frankfurt gab es Verhandlungen. Nun kritisiert der Konzern die geplante Fusion von der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange.

FrankfurtDie europäische Mehrländerbörse Euronext macht Stimmung gegen die geplante Fusion von Deutscher Börse und London Stock Exchange (LSE). Der gut 25 Milliarden Euro schwere Zusammenschluss schade Europa, dem Wettbewerb und damit auch den börsennotierten Unternehmen, sagte Euronext-Chef Stephane Boujnah der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ („FAZ“) laut Vorabbericht vom Dienstag.

„Euronext wäre auf dem zweiten Rang zehnmal kleiner. Diese Art von Dominanz kann zu Machtmissbrauch führen.“ Die Euronext ist mit einem Marktwert von 2,6 Milliarden Euro schon heute deutlich kleiner als die Deutsche Börse, die mit rund 14 Milliarden Euro bewertet wird.

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Die EU-Kommission, die den Zusammenschluss derzeit unter die Lupe nimmt, hat ihm Rahmen ihrer Fusionsprüfung die Meinungen anderer Marktteilnehmer eingeholt. Vergangenen Mittwoch teilte sie diese Einschätzungen Insidern zufolge der Deutschen Börse und der LSE mit – ließ jedoch offen, wie sie selbst den Deal bewertet.

Das dürfte sie erstmals am kommenden Mittwoch (28. September) durchblicken lassen, wenn die erste Prüfungsphase endet. Experten und die Börsenbetreiber selbst gehen davon aus, dass die Kommission die Fusion anschließend einer intensiveren Phase-II-Prüfung unterziehen wird.

Kritisch sehen könnte die Kommission nach Einschätzung von Analysten die Position des fusionierten Unternehmens bei der Abwicklung von Derivategeschäften (Clearing) sowie im Index-Bereich. Beim Clearing würde durch die Fusion „praktisch ein Monopol“ entstehen, sagte Euronext-Chef Boujnah der „FAZ“. Eine Kombination von Index-Anbietern wie Euro-Stoxx und FTSE könne „schwere Folgen für die Vermögensverwalter haben“.

Die Deutsche Börse ist dagegen zuversichtlich, dass sie aus Brüssel anders als bei der untersagten Fusion mit der New York Stock Exchange 2012 dieses mal grünes Licht bekommt. Es gebe bei den Geschäften von Deutscher Börse und LSE kaum Überschneidungen, sagte Vorstandschef Carsten Kengeter im Mai. Zudem seien nach diversen Übernahmen mittlerweile starke Wettbewerber aus den USA und Asien in Europa aktiv.

Die Euronext betreibt Börsen in Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon. Die Regierungen der betroffenen Länder haben sich bereits in den vergangenen Monaten gegen die Fusion von Deutscher Börse und LSE ausgesprochen. Insidern zufolge hofft die Euronext darauf, dass die EU-Wettbewerbshüter die Fusionspartner dazu zwingen, im Rahmen ihrer Verschmelzung Geschäfte abzugeben.

Boujnah machte deutlich, dass er Interesse an Clearnet hätte, dem französischen Teil der LSE-Tochter LCH.Clearnet. „Sollte die LSE gezwungen sein, sich von Clearnet zu trennen, würden wir diese Option prüfen.“

Die Deutsche Börse hat vor einigen Jahren auch über eine Fusion mit der Euronext verhandelt, daran aber mittlerweile kein Interesse mehr. Er habe seit seiner Ernennung im November 2015 viele Male den Kontakt mit den Frankfurtern gesucht, sagte Boujnah. „Ich habe ihnen sogar meine Telefonnummer gegeben. Doch es kam nie ein Anruf. Diese Funkstille ist schwer zu verstehen, wenn man die großen Herausforderungen der Deutschen Börse für die aufsichtsrechtlichen Genehmigungen bedenkt.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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