Expo 2008: Neues Leben in Saragossa

Expo 2008: Neues Leben in Saragossa

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Expo 2008 in Saragossa

Einst war Saragossa ein verschlafenes Nest. Dank der Weltausstellung Expo 2008 hat es sich in wenigen Jahren in eine lebendige Metropole verwandelt.

César Alierta hat wenig Leidenschaften. Der Chef des spanischen Telekommunikationskonzerns Telefónica geht in Madrid in seiner Arbeit auf. Er jagt nicht, spielt kein Golf und hat auch für Pferde nichts übrig. Nur für zwei Dinge unterbricht der kleine Mann mit den tiefen Furchen im Gesicht seine Arbeitswoche und fährt für ein verlängertes Wochenende in seine Heimatstadt Saragossa. Im Winter ist die Stadt in der nordspanischen Region Aragonien Startpunkt für seine Skitouren in den anderthalb Stunden entfernten Pyrenäen. Die zweite Verlockung ist weit bodenständiger: Ternasco, eine regionale Lammfleisch-Spezialität.

In Madrid, Sitz von Telefónica, kennt nur eine Schar von Eingeweihten Alierta, in Saragossa so gut wie jeder. Trotzdem fühlt sich der menschenscheue und mächtige Manager hier so wohl, dass eine regionale Zeitung vor Jahren das erste Interview mit dem medienscheuen Wirtschaftsboss veröffentlichen durfte. Kein Wunder: Die Stadt ist sein ganzer Stolz, er tut alles, um sie auf dem Weg zur Weltmetropole ideell und finanziell zu unterstützen. Auch, weil sein Vater hier lange und sehr erfolgreich Bürgermeister war.

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Unlängst veranlasste Alierta sogar, dass Vertreter von Telefónicas Partnerunternehmen China Netcom nach Saragossa geführt wurden, um sich den wirtschaftlichen und architektonischen Wandel anzusehen: In der Stadt mit mehr als 650.000 Einwohnern ist seit 2005 der größte Logistikpark Europas. Spätestens im Sommer sollen zahlreiche architektonische Höhepunkte Menschen aus aller Welt anlocken, wenn am 14. Juni die erste Weltausstellung zum Thema Wasser eröffnet. Alles dreht sich dann um das Thema Wasser; im deutschen Pavillon wird auf rund 1200 Quadratmetern eine 140 Meter lange Fahrt durch ein modernes Wassermärchen gezeigt, in dem der Kreislauf des Wassers vom Grundwasser durch die sanitären Anlagen eines Privathaus-haltes durch Filter und Kläranlagen hindurch bis in die Kölner Bucht nachgezeichnet wird.

Die Bewohner richten sich 2008 auf mehrere Millionen Besucher ein. Ende der Neunzigerjahre herrschte in Saragossa noch Krisenstimmung wegen der abwandernden Autoindustrie. Touristen mieden die Stadt am wichtigen spanischen Fluss Ebro, die heute boomt. Ein World Trade Center hat der amtierende Bürgermeister errichten lassen, internationale Unternehmen sollen wieder in die Stadt ziehen.

Die Expo im Sommer ist nach Barcelona im Jahre 1888 und Sevilla 1992 die dritte Spaniens und für den nachhaltigen Erfolg des Wandels entscheidend. Sie wird die Visitenkarte sein für Saragossa. Rund fünf Millionen Besucher werden zur exakt drei Monate geöffneten Ausstellung erwartet. In den vergangenen Wochen wurde alles umgegraben in der Stadt. Rund um den lange vernachlässigten Ebro, der im Sommer stets austrocknet, entsteht eine riesige Parkanlage mit Strand. Die Spanier geben sich sicher, dass sie bis zum Start der Expo alles auf Vordermann gebracht haben. „Das hat bis jetzt bei jeder Weltausstellung funktioniert“, sagt Jerónimo Blasco, Bereichs-Geschäftsführer der Weltausstellung.

Derzeit ist Blasco ein vielgefragter Mann. Fast täglich kommen Journalisten aus der ganzen Welt auf das Gelände, schauen sich die architektonischen Höhepunkte an, darunter den Brücken-Pavillon der Stararchitektin Zaha Hadid. Aber auch der Pavillon von Aragonien, der den typischen Früchtekorb der Region nachempfindet, ist ein Magnet für Fotografen. Auch César Alierta ist stolz auf „seine Expo“, Telefónica ist einer der Hauptsponsoren der Weltausstellung.

Die Menschen Saragossas hoffen darauf, dass die Besucher den Sprung vom Ausstellungsgelände in die Altstadt machen. Dort gibt es innerhalb eines halbstündigen Fußmarsches durch schmale Gassen viele Schätze zu entdecken, wie die Basílica de Nuestra Señora del Pilar.

Keiner soll, so wünschen es die Gastgeber, neben den neu geschaffenen Attraktionen, den Besuch der romanisch-gotisch-maurischen Kathedrale La Seo missen. Deren Architektur der spanischen Muslime Mudejar wurde von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. Ebenfalls viel Zulauf wird der Palacio de la Aljafería erfahren, einer der vielen maurischen Bauten während der arabischen Herrschaft auf der Iberischen Halbinsel. „Sie alle werden sehen, wie historisch lebendig und doch so modern diese Stadt ist“, sagt Alierta, der beste und leidenschaftlichste Botschafter der fünftgrößten Stadt Spaniens.

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