Fernbus vs. Bahn: Das Ausland zittert vor deutschen Fernbussen

Fernbus vs. Bahn: Das Ausland zittert vor deutschen Fernbussen

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Fernbusanbieter planen nun auch Stops im Ausland und machen so auch Bahnanbietern außerhalb von Deutschland Konkurrenz

von Christian Schlesiger

Die Fernbus-Konkurrenz kostet die Deutsche Bahn Millionen und lässt nun auch deren Wettbewerber im Ausland erzittern. Die wollen sich mit Klagen wehren.

Andreas Meyer hat wohl nicht gedacht, dass ihn die deutsche Verkehrspolitik einmal einholt. Knapp zehn Jahre stand der gebürtige Baseler im Dienst der Deutschen Bahn, wo er die Bustochter DB Stadtverkehr leitete. 2007 wechselte er dann als Chef zu den Schweizer Bundesbahnen (SBB). Doch jetzt spürt Meyer unerwartet Gegenwind – aus seiner zeitweiligen Wahlheimat. Fernbusse von dort verbinden auf einmal Schweizer Städte mit süddeutschen Metropolen. „Ich beobachte diese Entwicklung und Dynamik im Fernbusbereich mit Sorge“, sagt Meyer.

Der seit Anfang 2013 entfesselte Fernbusmarkt in Deutschland erreicht die Nachbarländer und deren staatliche Bahngesellschaften. Auch in Österreich, Polen, Frankreich und den Beneluxländern werden die Eisenbahnmanager nervös. Denn Fernbusse auf den internationalen Strecken sind nicht nur preiswerter als ICE, Thalys, TGV oder EC. Die Wettbewerber auf dem Asphalt sind vielfach auch bequemer und manchmal sogar schneller.

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Teuer ist er, der ÖPNV in Deutschland. Das liegt nicht nur daran, dass die Kosten steigen und viele Strecken marode sind. Durch ein komplexes Finanzierungssystem bleibt auch viel Geld ungenutzt.

Quelle: dpa

Damit zeitigt die schöpferische Zerstörung im deutschen Verkehrsmarkt nun auch Kollateralschäden in Ländern, für die die Liberalisierung gar nicht gedacht war. „Die Internationalisierung steht erst am Anfang“, prophezeit Jochen Engert, Gründer und Chef der Münchner Fernbusfirma Flixbus. Die Bahngesellschaften im Ausland „können sich warm anziehen“.

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Allein Flixbus plant bis Mitte 2015 zehn Mal mehr Verbindungen ins Ausland, als das Unternehmen aktuell im Angebot hat. Zurzeit fahren die Bayern Ziele wie Zürich, Wien und Groningen in den Niederlanden an. Bald kämen Fahrten nach Prag, Amsterdam, Paris, Brüssel und zusätzliche Strecken nach Skandinavien hinzu. „In den nächsten zwölf Monaten“, kündigt Engert an, „setzen wir mehr als 100 zusätzliche Busse ein, um deutsche Metropolen mit spannenden Zielen im Ausland zu verbinden.“ Auch Marktführer MeinFernbus mit Sitz in Berlin, der schon heute ein Dutzend Städte in Polen, Österreich, der Schweiz, Frankreich und den Beneluxstaaten verbindet, plant weitere Auslandsverbindungen. ADAC Postbus prüft noch.

SBB-Chef Meyer versucht nun, die Wettbewerber aus dem Norden mithilfe des Gesetzes von eidgenössischen Straßen fernzuhalten. Denn in der Schweiz gilt wie bis vor Kurzem in Deutschland, dass Fernbuslinien nicht in Konkurrenz zu Angeboten auf der Schiene treten dürfen. Trotzdem registrieren die SBB-Manager, dass die Anzahl der Anträge für grenzüberschreitenden Busfernverkehr „signifikant angestiegen“ sei, „insbesondere durch deutsche Busunternehmen“. Die SBB habe daher die Schweizer Behörden auf das geltende Recht in der Alpenrepublik hingewiesen. Doch dabei will es die Schweizer Staatsbahn möglicherweise nicht belassen. „Angesichts der aktuell hohen Dynamik wird die SBB in den kommenden Monaten weitere Schritte prüfen.“ Juristische Klagen nicht ausgeschlossen.

Bahnkonzerne in anderen Ländern nehmen den Angriff deutscher Fernbuslinien noch sportlich. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) etwa setzen darauf, mit ihren Zügen ein attraktives Alternativangebot zu haben. „Nichtsdestotrotz“, heißt es aus Wien, „wo es Sinn macht, bieten wir selbst bereits Fernverkehrsbusse an“, etwa von Klagenfurt nach Venedig und Graz.

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