Fernbusse: Die Bahn greift an

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Die Bahn hat eine neue strategie im Wettstreit mit den Fernbussen.

von Christian Schlesiger

Die Deutsche Bahn vervierfacht die Zahl ihrer Verbindungen, konzentriert sich auf eine Kernmarke und fährt häufiger ins Ausland. Der Zeitpunkt für den Angriff ist gut.

Der Auftritt von Ulrich Homburg in der 21. Etage des Bahn-Towers steht sinnbildlich für die Fernbus-Strategie der Deutschen Bahn der vergangenen Jahre. Angesetzt war die Pressekonferenz, auf der der Personenverkehrsvorstand die neue Marschrichtung erläutern wollte, für 14 Uhr. Doch Homburg steckte in Frankfurt im Flieger fest, die Veranstaltung begann mehr als zwei Stunden verspätet.

Mit Verspätung bläst der Konzern nun auch zum Angriff im deutschen Fernbusmarkt. Einst Marktführer eines völlig regulierten Marktes, verlor die Bahn mit ihren Fernbustöchtern BerlinLinienBus (BLB) und IC Bus seit dem 2012 liberalisierten Markt den Anschluss. Homburg gab zu, die Dynamik im Markt „unterschätzt“ zu haben. Nun wolle er „ein starker Spieler“ sein. Die wichtigsten Weichenstellungen:

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  1. Vier Mal mehr Strecken: Die Bahn will die Fernbusaktivitäten spätestens ab dem dritten Quartal dieses Jahres deutlich ausbauen. Homburg sprach von einer „Vervierfachung des Angebots“. Allerdings wolle die Bahn sich dabei an den „Kunden und der Marktentwicklung orientieren“, mit anderen Worten: Wachstum ja, aber nicht zu jedem Preis. „Einen Preiskampf gehen wir nicht mit.“
  2. Alles unter einer Marke: Die Bahn führt ihr Fernbus-Geschäft künftig allein unter dem bereits etablierten Namen BerlinLinienBus, kurz: BLB. Die Marke „IC Bus“ entfällt. Die Bahn hatte die Mark erst vor etwas mehr als einem Jahr eingeführt. Homburg begründete den Schritt damit, dass BLB vor allem unter Fernbusfahrern längst eingeführt sei und eine größere Bedeutung habe.
  3. Mehr Auslandsverbindungen: Die Bahn will ihre Linien ins Ausland ausbauen. Zudem seien auch mehr Busse auf erfolgreichen Hauptstrecken geplant. Als Beispiel nannte Homburg die Route Berlin-Bremen sowie Verbindungen zwischen den Bundesländern Thüringen und Bayern. Wo genau die Bahn ihre Fernbusse verstärkt fahren lässt, wollte Homburg nicht verraten.

So teuer ist der ÖPNV in Deutschland

  • Vergleich der Verkehrsverbünde

    Die Preise für eine Fahrkarte schwanken in Deutschland stark, wie die folgende Übersicht zeigt. Angegeben sind je die Preise für den gesamten Verkehrsverbund. Weil sich die Verbünde unter anderem in Hinblick auf Größe, Taktfrequenz der Busse und Bahnen sowie Service-Angeboten unterscheiden, sind sie nur bedingt miteinander vergleichbar. Die Liste gibt aber einen Überblick über die Preisstrukturen des Nahverkehrs in Deutschlands Großstädten.

    Quelle: Unternehmen / WiWo-Recherche / Stand Dezember 2014

  • Berlin

    Verbund: Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg VBB
    Kurzstrecke: 1,60 Euro
    Tageskarte: 7,40 Euro
    Wochenticket: 36,50 Euro
    Monatsticket. 98,50 Euro

  • Hamburg

    Verbund: Hamburger Verkehrsverbund HVV
    Kurzstrecke: 1,50 Euro
    Tageskarte: 18,30 Euro
    Wochenticket: 52,50 Euro
    Monatsticket. 199,60 Euro

  • München

    Verbund: Münchner Verkehrs- und Tarifverbund MVV
    Kurzstrecke: 1,30 Euro
    Tageskarte: 11,70 Euro
    Wochenticket: 55,90 Euro
    Monatsticket. 203,90 Euro

  • Köln

    Verbund: Verkehrsverbund Rhein-Sieg
    Kurzstrecke: 1,90 Euro wie bisher
    Tageskarte: 24,40 Euro statt 23,80 Euro
    Wochenticket: 65,90 Euro statt 64 Euro
    Monatsticket. 247,40 Euro statt 240,20 Euro

  • Stuttgart

    Verbund: Verkehrsverbund Stuttgart VVS
    Kurzstrecke: 1,20 Euro wie bisher
    Tageskarte: 14,80 Euro statt 14,60 Euro
    Wochenticket: 71 Euro statt 70,20 Euro
    Monatsticket. 210 Euro statt 205,60 Euro

  • Düsseldorf

    Verbund: Verkehrsverbund Rhein-Ruhr VRR
    Kurzstrecke: 1,60 Euro statt 1,50 Euro
    Tageskarte: 26,70 Euro statt 26 Euro
    Wochenticket: 89,05 Euro statt 85,70 Euro
    Monatsticket. 239,90 Euro statt 231,50 Euro

  • Dortmund

    Verbund: Verkehrsverbund Rhein-Ruhr VRR
    Kurzstrecke: 1,60 Euro statt 1,50 Euro
    Tageskarte: 26,70 Euro statt 26 Euro
    Wochenticket: 89,05 Euro statt 85,70 Euro
    Monatsticket. 239,90 Euro statt 231,50 Euro

  • Essen

    Verbund: Verkehrsverbund Rhein-Ruhr VRR
    Kurzstrecke: 1,60 Euro statt 1,50 Euro
    Tageskarte: 26,70 Euro statt 26 Euro
    Wochenticket: 89,05 Euro statt 85,70 Euro
    Monatsticket. 239,90 Euro statt 231,50 Euro

  • Dresden

    Verbund: Verkehrsverbund Oberelbe VVO
    Kurzstrecke: -
    Tageskarte: 13,50 Euro wie bisher
    Wochenticket: 61,50 Euro statt 57,50 Euro
    Monatsticket. 166,50 Euro statt 156 Euro

  • Leipzig

    Verbund: Mitteldeutscher Verkehrsverbund MDV
    Kurzstrecke: 1,80 Euro
    Tageskarte: 16,60 Euro
    Wochenticket: 86,40 Euro
    Monatsticket. 258,60 Euro

  • Hannover

    Verbund: Großraum-Verkehr Hannover GVH
    Kurzstrecke: 1,50 Euro wie bisher
    Tageskarte: 8 Euro statt 7,70 Euro
    Wochenticket: -
    Monatsticket. 187 Euro statt 181 Euro

  • Nürnberg

    Verbund: Verkehrsverbund Großraum Nürnberg
    Kurzstrecke: 1,80 Euro statt 1,70 Euro
    Tageskarte: 18 Euro statt 17,50 Euro
    Wochenticket: 83 Euro statt 80,50 Euro
    Monatsticket. 255,50 Euro statt 247,80 Euro

  • Duisburg

    Verbund: Verkehrsverbund Rhein-Ruhr VRR
    Kurzstrecke: 1,60 Euro statt 1,50 Euro
    Tageskarte: 26,70 Euro statt 26 Euro
    Wochenticket: 89,05 Euro statt 85,70 Euro
    Monatsticket. 239,90 Euro statt 231,50 Euro

Die Ziele sind ambitioniert, aber realistisch. „Wir wollen die starke Nummer zwei sein", sagte der Bahn-Vorstand. Derzeit kommt die Bahn auf einen Marktanteil von neun Prozent, genauso groß wie die Postbusse der Deutschen Post. Das fusionierte Unternehmen MeinFernbus Flixbus kommt auf mehr als 70 Prozent. Ziele zu Marktanteilen nannte Homburg nicht. Er hält die Marktzahlen der Berliner Beratung Iges aber nicht unbedingt für aussagekräftig, weil sich diese nur auf die Anzahl der angebotenen Fahrten bezögen. Da sei noch nichts über die tatsächlich transportierten Fahrgäste und die Auslastung gesagt, so Homburg.

Zahl der Fernbusanbieter gesunken

Der Bahn-Vorstand konnte jedenfalls dem internen Druck offenbar nicht mehr weichen. 2012 war es seine Entscheidung, sich in dem Fernbus-Markt nicht weiter auszudehnen. Die zurückhaltende Strategie führte zu heftigen Diskussionen im Aufsichtsrat. Die Vertreter des Bundes im Kontrollgremium hatten die Bahn dafür mehrfach kritisiert, den Markt einfach so laufen zu lassen.

Möglicherweise kommt der späte Strategieschwenk der Bahn zum richtigen Zeitpunkt. Mit der Fusion von MeinFernbus und Flixbus sinkt die Zahl der großen Wettbewerber von vier auf drei. Das könnte den Druck auf die Preise nehmen und die Auslastung der Fernbusse für alle erhöhen.

Gleichzeitig umging die Bahn mit ihrer Strategie eine öffentliche Debatte über die Ausübung von Marktmacht. Was wäre wohl passiert, wenn die Deutsche Bahn bereits 2012 angekündigt hätte, ihr Fernbus-Geschäft auszudehnen. Damals war die Bahn der einzige große Anbieter im Markt. Der Konzern hätte sich gegenüber dem öffentlichen Vorwurf rechtfertigen müssen, die Bahn würde ihr Monopol auf der Schiene nun auch auf den Fernbusmarkt übertragen und die Entwicklung von Start-ups im Keim ersticken.

Weitere Artikel

Die Argumente sind auch heute noch zu hören. Der Fernbusmarkt sollte „kein Spielfeld für Konzerne“ sein, hieß es in einer Presseerklärung von MeinFernbus Flixbus auf die heutige Vorstellung der Fernbus-Strategie der Bahn. „Die jährlich rund 16 Milliarden Euro Steuersubventionen“ sollte die Bahn nicht verwenden, um „uns rein privatwirtschaftlich arbeitenden Fernbusunternehmen als Sündenbock für ihre eigene Misswirtschaft zu missbrauchen.“ Scharfe Vorwürfe. Doch sie dürften kaum Gehör finden. Die Startups von einst sind heute ganz groß. Und die Bahn fährt inzwischen mit großen Abstand hinterher.

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