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FIFA: Joseph Blatter tritt zurück

, aktualisiert 02. Juni 2015, 19:45 Uhr
von Jana Reiblein

FIFA-Präsident Joseph Blatter tritt überraschend zurück. Das teilte der Chef des Fußball-Weltverbands in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz selbst mit. Der Druck auf Blatter wurde offenbar zu groß.

Paukenschlag bei der FIFA: Präsident Joseph Blatter hat überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Nur vier Tage nach seiner Wiederwahl an die Spitze des mächtigen Weltfußballverbandes sagte der 79-jährige Schweizer am Dienstagabend auf einer eilig anberaumten Pressekonferenz in Zürich: „Die Wahlen sind vorbei, aber die Verwicklungen der FIFA haben kein Ende genommen in dem Skandal“.

Blatter hatte den Posten erstmals 1998 übernommen. Nach seiner Wiederwahl für eine fünfte Amtszeit am vergangenen Freitag hatte er noch verkündet, er übernehme die Verantwortung für das, was passiert sei. "Wir müssen nun ein besseres Image für die FIFA aufbauen und ich weiß auch wie". Genauere Angaben hatte Blatter nicht gemacht. Umso überraschender erscheint nun sein Rückzug. „Dieses Mandat scheint nicht von jedem in der Welt des Fußballs unterstützt zu werden“, sagte Blatter zur Begründung seines Rücktritts am Dienstag. „Die FIFA benötigt eine tiefgreifende Umstrukturierung.“

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In der vergangenen Woche waren mehrere hochrangige Funktionäre der Organisation in der Schweiz wegen Korruptionsverdacht festgenommen worden. Laut den Ermittlungen sollen seit Anfang der Neunzigerjahre mehr als 150 Millionen Dollar an Bestechungsgeldern geflossen sein. Die FIFA wird damit vom schwersten Korruptionsskandal seit ihrer Gründung vor 111 Jahren erschüttert.

Blatters Rücktritt stößt bei der UEFA auf Zustimmung. Deren Präsident Michel Platini sagte in einer Stellungnahme: „Es war eine schwierige Entscheidung, eine mutige Entscheidung, und die richtige Entscheidung“. Platini hatte bereits vor Blatters Wiederwahl energisch versucht, ihn zum Rückzug zu bewegen. Dabei hatte er sogar für den Fall von Blatters Sieg einen Rückzug europäischer Fußballmannschaften aus den Wettbewerben der FIFA erwägt.

Die Fakten zum FIFA-Skandal

  • Die Vorwürfe

    Mehr als zehn Personen werden im neuen Fußball-Skandal um den Weltverband FIFA vom US-Justizministerium beschuldigt. Ihnen wird unter anderem organisiertes Verbrechen, Überweisungsbetrug und verschwörerische Geldwäsche und die Teilnahme an Korruption im internationalen Fußball zur Selbstbereicherung zur Last gelegt.

  • Die Ermittlerin

    Loretta E. Lynch steht schon seit ihrer Zeit als New Yorker Staatsanwältin an der Spitze der Ermittlungen in den USA gegen die verdächtigten FIFA-Mitglieder. Die 55-Jährige ist mittlerweile Justizministerin der Vereinigten Staaten. Sie hat den Posten erst im vergangenen Monat übernommen, war am 27. April vereidigt worden. Lynch, im November vergangenen Jahres von US-Präsident Barack Obama vorgeschlagen, ist die erste Afroamerikanerin in diesem Amt.

  • Die FIFA

    Die Fédération Internationale de Football Association - kurz FIFA - wurde 1904 in Paris gegründet. Mittlerweile ist die FIFA auf 209 Mitglieder aus sechs Kontinental-Konföderationen angewachsen. Größte Einnahmequelle ist die alle vier Jahre ausgerichtete Fußball-WM mit einem Umsatz von rund fünf Milliarden Dollar. Höchstes Gremium ist der jährliche Kongress, die Vollversammlung aller Mitgliedsverbände. Der Kongress wählt alle vier Jahre den Präsidenten. Künftig bestimmt der Kongress auch den WM-Gastgeber - eine Folge der Korruptionsvorwürfe rund um die WM-Vergabe an Russland 2018 und Katar 2022. Bislang war das Exekutivkomitee dafür verantwortlich. Es ist die sogenannte Regierung der FIFA.

Der Druck auf Blatter war immer größer geworden. Auch Politiker hatten Blatter zuletzt gedrängt, auf sein Amt zu verzichten - unter anderem Großbritanniens Premierminister David Cameron.

Auch Franz Beckenbauer nannte Blatters Rücktritt eine "vernünftige Entscheidung". " Er wäre nie mehr zur Ruhe gekommen, ob er Schuld an den Skandalen trägt oder nicht. Das Problem der FIFA liegt im System“, sagte Beckenbauer der „Bild“-Zeitung.

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Experten erwarten unterdessen, dass sich der Bestechungsskandal noch ausweiten wird. Die "New York Times" berichtete vor wenigen Tagen unter Berufung auf den Chef der Ermittlungsabteilung der US-Steuerbehörde, dass weitere Festnahmen in dem Zusammenhang bevorstünden. Die Schweizer Behörden teilten in Reaktion auf Blatters Rücktritt am Dienstagabend mit, nicht gegen den 79-Jährigen zu ermitteln.

Im Zuge seiner Rücktrittserklärung kündigte Blatter an, dass er eine Neuwahl ansetzen werde. Mit der Wahl rechnen Experten aber erst zwischen Dezember und März auf einem außerordentlichen FIFA-Kongress. Bis dahin will Blatter seine Funktion weiter ausüben.

Mit Material von dpa und Reuters

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