FIFA: Joseph Blatters Rücktritt ist ein erster Schritt Richtung Neuanfang

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KommentarFIFA: Joseph Blatters Rücktritt ist ein erster Schritt Richtung Neuanfang

von Peter Steinkirchner

FIFA-Chef Joseph Blatter tritt überraschend von seinem Amt zurück. Was bleibt, sind vor allem Fragen - zum aktuellen Skandal und den wahren Beweggründen Blatters. Die FIFA wird so schnell nicht zur Ruhe kommen.

Überraschende Wenden sind im Fußball nichts ungewöhnliches, blitzartige Angriffe und überraschende Finten kommen in so gut wie jedem Spiel vor – doch was ausgerechnet an der Spitze des von Skandalen geschüttelten Weltverbandes FIFA gerade geschieht, ist einmalig in der Geschichte dieser Sportart.

Ohne jede Vorwarnung ist Joseph "Sepp" Blatter am frühen Abend von seinen Ämtern zurückgetreten. Ausgerechnet der Mann, der seit 17 Jahren an der Spitze des Verbandes steht, der ihm zuvor ebenfalls 17 Jahre lang diente und der die FIFA in all ihren Abgründen und Verästelungen so prägte wie kein anderer. Kein Außenstehender hat mit diesem Schritt gerechnet, die Eilmeldungen jagen einander.

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Was oder wer Blatter, der erst am vergangenen Freitag höchst umstritten und begleitet von den spektakulären Verhaftungen von FIFA-Offiziellen durch das FBI zum vierten Mal wieder ins Amt des FIFA-Präsidenten gewählt worden war, so plötzlich zur Aufgabe seines Amtes bewogen hat – bislang bleibt das völlig im Bereich der Spekulation. Klar ist jedoch, dass der Druck auf den 79-Jährigen immens gewesen sein muss.

Versucht Blatter, einer Anklage zu entgehen?

Das FBI ermittelte gegen mehrere seiner engsten Funktionärskollegen. Der zwischenzeitlich inhaftierte frühere Vize-Präsident der FIFA, Jack Warner, hatte gerade erst Andeutungen gemacht, ihn wundere, dass das FBI nicht längst auch gegen Blatter ermittle. Schwante da auch Blatter, aus der Wut derjenigen, gegen die die Behörden nun vorgehen, könnte sich ein Sturm entwickeln, der ihn selbst treffen würde? Ist der Rücktritt nur mehr ein letzter Versuch, einer persönlichen Anklage zu entgehen?

Zu unwahrscheinlich schien es doch stets, dass ausgerechnet Sepp Blatter, ohne den und dessen Wissen bei der FIFA kaum etwas gelaufen sein dürfte, ausgerechnet von jenen Vorgängen nichts gewusst haben sollte, die so viele seiner Getreuen vor Richter und in Haft gebracht haben.

Blatter nie in flagranti erwischt

Bis heute allerdings ist es noch keiner Behörde gelungen, Blatter mit der Hand in der Kasse zu erwischen. Zwar gab es immer wieder Verdachtsmomente. Im Zusammenhang mit dem Konkurs des Sportvermarkters ISL etwa gab es merkwürdige Geldflüsse; doch Blatter gelang es stets, sich herauszuwinden. Bis heute gilt er als unschuldig.

Die Fakten zum FIFA-Skandal

  • Die Vorwürfe

    Mehr als zehn Personen werden im neuen Fußball-Skandal um den Weltverband FIFA vom US-Justizministerium beschuldigt. Ihnen wird unter anderem organisiertes Verbrechen, Überweisungsbetrug und verschwörerische Geldwäsche und die Teilnahme an Korruption im internationalen Fußball zur Selbstbereicherung zur Last gelegt.

  • Die Ermittlerin

    Loretta E. Lynch steht schon seit ihrer Zeit als New Yorker Staatsanwältin an der Spitze der Ermittlungen in den USA gegen die verdächtigten FIFA-Mitglieder. Die 55-Jährige ist mittlerweile Justizministerin der Vereinigten Staaten. Sie hat den Posten erst im vergangenen Monat übernommen, war am 27. April vereidigt worden. Lynch, im November vergangenen Jahres von US-Präsident Barack Obama vorgeschlagen, ist die erste Afroamerikanerin in diesem Amt.

  • Die FIFA

    Die Fédération Internationale de Football Association - kurz FIFA - wurde 1904 in Paris gegründet. Mittlerweile ist die FIFA auf 209 Mitglieder aus sechs Kontinental-Konföderationen angewachsen. Größte Einnahmequelle ist die alle vier Jahre ausgerichtete Fußball-WM mit einem Umsatz von rund fünf Milliarden Dollar. Höchstes Gremium ist der jährliche Kongress, die Vollversammlung aller Mitgliedsverbände. Der Kongress wählt alle vier Jahre den Präsidenten. Künftig bestimmt der Kongress auch den WM-Gastgeber - eine Folge der Korruptionsvorwürfe rund um die WM-Vergabe an Russland 2018 und Katar 2022. Bislang war das Exekutivkomitee dafür verantwortlich. Es ist die sogenannte Regierung der FIFA.

Was immer auch den Schweizer bewogen hat, nun das Amt, um das er so lange kämpfte, zu verlassen – die FIFA wird das so schnell nicht zur Ruhe bringen. Im Gegenteil. Zu tief greifen die Affären, zu weit sind zahlreiche Offizielle des Verbands in Machenschaften verwickelt, die aufgeklärt werden müssen. Das muss geschehen, sonst ist ein Neuanfang nicht glaubhaft.

Bei der FIFA müssen neue Köpfe her

Vieles hängt nun auch davon ab, wer nun bei der FIFA ans Ruder kommt. Wer übernimmt die Aufgabe, den in finsterstem Verruf stehenden Verband zu reformieren? Klar ist, dass ein Bruch mit der Vergangenheit stattfinden muss, es müssen neue Köpfe her, die den Verband, der sich bis heute rühmt, mit 209 Verbänden mehr Mitglieder zu haben als die Vereinten Nationen, in eine bessere, in eine ehrliche Zukunft zu führen.

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Das immerhin muss man Blatter - wenn auch wider Willen - zugute halten: Erst mit seinem Schritt macht er den Neuanfang möglich, den zwei Drittel der FIFA-Mitgliedsverbände mit ihrer Wahlentscheidung beinahe unmöglich gemacht hätten.

Spannend bleibt nun vor allem: Warum geht er wirklich? Und welche Enthüllungen werden noch folgen?

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