FIFA-Skandal: FBI ermittelt gegen Joseph Blatter

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FIFA-Skandal: FBI ermittelt gegen Joseph Blatter

, aktualisiert 03. Juni 2015, 13:19 Uhr

Im Korruptionsskandal bei der FIFA ermittelt einem Insider zufolge die US-Bundespolizei FBI und die US-Staatsanwaltschaft gegen Noch-Präsident Joseph Blatter. Was die FIFA ändern muss.

Auch am Morgen nach der völlig überraschenden Rücktrittsankündigung rätselt die Fußball-Welt weiter über die Motive des FIFA-Präsidenten Joseph Blatter. Nachdem der 79-jährige Schweizer sich immer jeglicher Kritik widersetzt, sämtliche Krisen überstanden und am vergangenen Freitag die Wahl zum Chef des Weltverbandes erneut gewonnen hatte, sind die Beweggründe für seinen nun freiwilligen Abschied nicht einwandfrei geklärt.

Berichte der Zeitung „New York Times“ legen den Schluss nahe, dass Blatter nur auf juristischen Druck - und eventuell sogar in einer Kurzschlussreaktion - agiert haben könnte. Das FBI soll auch gegen ihn ermitteln. Das berichtete am Dienstag die „New York Times“ unter Berufung auf Ermittler.

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Der gerade erst im Amt bestätigte Fifa-Präsident war am Dienstag überraschend zurückgetreten. Die Frage nach einem Nachfolger ist noch offen.

Die Zeitung hatte in der Vorwoche die Verhaftungen von führenden Fußball-Funktionären als erste publik gemacht und den Anstoß zur neuen Eskalationsstufe der massiven FIFA-Glaubwürdigkeitskrise kurz vor Blatters dennoch geglückter Wiederwahl am Freitag gegeben.

Fest steht: Das FBI hat gegen mehrere seiner engsten Funktionärskollegen ermittelt, unter anderem auch gegen den FIFA-Generalsekretär und engsten Vertrauten Blatters, Jérôme Valcke. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass einer von ihnen Blatter belastet.

Blatter selbst hatte seine Demission so begründet: „Meine tiefe Fürsorge für die FIFA und ihre Interessen, die mir sehr am Herzen liegen, haben mich zu dieser Entscheidung bewegt.“ Seine Tochter Corinne gab sich beim britischen Sender BBC als treibende Kraft für die Meinungsänderung aus - als Selbstschutz für ihren Vater.

"Alle Verdächtigen müssen zurücktreten"

Warum Blatter auch zurückgetreten ist, sein Abgang alleine ist nur ein erster Schritt für die Erneuerung der FIFA. Aus Sicht von Sylvia Schenk, Leiterin der Arbeitsgruppe Sport der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International, sind weitere Rücktritte unumgänglich.

FIFA-Skandale unter Sepp Blatter

  • Präsidentschaftswahl 1998

    Der damalige FIFA-Generalsekretär Joseph Blatter gewinnt die Präsidentschaftswahl gegen UEFA-Präsident Lennart Johansson kurz vor WM-Beginn in Frankreich. Bis heute stehen Vorwürfe über angebliche Zahlungen von je 50.000 Dollar an afrikanische Delegierte in einem Pariser Hotel im Raum, die Blatter beharrlich zurückweist.

  • ISL-Skandal (1)

    Blatters Präsidentschafts-Vorgänger Joao Havelange und dessen ehemaliger Schwiegersohn Ricardo Teixera kassierten Millionen Schmiergeld für WM-Marketing-Deals mit dem später Pleite gegangenen Vermarkter ISL.

  • ISL-Skandal (2)

    Blatter wurde von allen Verdächtigungen freigesprochen, obwohl er 1997 als Generalsekretär eine Zahlung an Havelange von 1,5 Millionen Schweizer Franken persönlich zurücküberwiesen und somit offenbar zumindest Kenntnis vom System hatte.

  • WM-Vergabe 2018 und 2022 (1)

    Schon vor der Doppel-Vergabe an Russland und Katar wurden zwei FIFA-Exekutivmitglieder wegen nachgewiesener Bestechlichkeit suspendiert. Die Vorwürfe gegen die beiden künftigen Gastgeber wurden schließlich aufwändig von der FIFA untersucht, aber von den Ethikhütern ohne maßgebliche Ergebnisse eingestellt.

  • WM-Vergabe (2)

    Der Generalverdacht wurde aber nie entkräftet. Vom damaligen Exekutivkomitee sind künftig wohl nur noch acht von damals 22 Mitgliedern in dem mächtigen Gremium.

  • Präsidentschaftswahl 2011 (1)

    Lange schien es, als könne der Katarer Mohamed bin Hammam Blatter bei der Wahl 2011 tatsächlich gefährlich werden. Dann stolperte der Funktionär kurz vor der Abstimmung über konkrete Bestechungsvorwürfe aus der Karibik. Die 35 Stimmen aus der CONCACAF-Zone galten als entscheidend.

  • Präsidentschaftswahl 2011 (2)

    Blatter hatte den Verbänden eine Million Dollar als offizielle FIFA-Zuwendung versprochen. Bin Hammam versuchte es inoffiziell mit 40.000 Dollar pro Verband – und flog auf, weil ihn andere mittlerweile der Korruption überführte Funktionäre anschwärzten.

  • WM-Tickets (1)

    Der Umgang mit von Millionen Fans begehrten WM-Tickets im Exekutivkomitee war schon häufig lax. Jack Warner trieb es 2006 auf die Spitze, als er die Vermarktung in seinem für das Turnier in Deutschland qualifizierten Heimatland Trinidad und Tobago übernahm. Sein Familienunternehmen strich angeblich 900 000 Dollar Provisionen ein.

  • WM-Tickets (2)

    Die FIFA-Untersuchungen konnte keine Verdachtsmomente gegen Warner, sondern nur gegen dessen Sohn ergeben. Warner senior kam mit einer Verwarnung davon. Warners Exko-Kollege Ismail Bhamjee aus Botswana wurde 2006 überführt, zwölf WM-Karten auf dem Schwarzmarkt verkauft zu haben.

  • WM-Tickets (3)

    2014 in Brasilien gab es Berichte über vermutlich illegal veräußerte WM-Karten aus dem Besitz des mittlerweile verstorbenen argentinischen Topfunktionärs Julio Grondona.

„Sämtliche Funktionäre, die im Verdacht stehen, müssen zurücktreten“, sagt sie. „Sie sollten nicht warten, bis sie in Auslieferungshaft genommen werden. Viele von ihnen wissen bereits, dass gegen sie ermittelt wird – sie sollten der FIFA einen letzten Gefallen tun.“

Zu ihnen zählt Valcke, der im Verdacht steht, dem karibischen Skandalfunktionär Jack Warner im Rahmen der Vergabe der WM an Südafrika Schmiergelder in Höhe von zehn Millionen weitergereicht zu haben.

Die amerikanische Justizministerin Loretta Lynch setzt allerdings keine großen Hoffnungen in den personalen Wandel der FIFA. Der Weltfußballverband sei bis in die höchsten Ebenen korrupt, sagte sie im Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

„Wirklich beunruhigend ist, was sich im Zuge der Ermittlungen herausgestellt hat: Jedes Mal, wenn die FIFA nach internen Untersuchungen korrupte Funktionäre abgesetzt hat, wurden sie durch andere ersetzt, die genau in derselben Art und Weise weitermachten.“ Diese hätten ihre neue Position vor allem als Gelegenheit gesehen, Bestechungsgelder anzunehmen.

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