FIFA-Skandal: USA beantragen Auslieferung von Funktionären

FIFA-Skandal: USA beantragen Auslieferung von Funktionären

, aktualisiert 02. Juli 2015, 10:18 Uhr
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Sieben FIFA-Funktionäre waren im Mai in Zürich am Rande des Kongresses des Fußball-Weltverbandes festgenommen worden.

Die USA beantragen die Auslieferung der sieben im Mai inhaftierten FIFA-Funktionäre. Die US-Behörden ermitteln wegen des Verdachts der Annahme von Bestechungsgeldern.

Gut fünf Wochen nach der Festnahme von sieben hohen Fifa-Funktionären wegen Korruptionsverdachts haben die USA bei der Schweiz die Auslieferung beantragt. Das Ersuchen sei fristgerecht am 1. Juli eingegangen, teilte das Schweizer Bundesamt für Justiz am Donnerstag mit. Alle sieben Betroffenen - darunter Mitglieder des Fifa-Exekutiv-Komitees - hätten aber Widerspruch eingelegt. Ihnen drohen bei einer Verurteilung Haftstrafen von 20 Jahren.

Die USA ermitteln gegen 14 Funktionäre in einem Bestechungsfall, in dem es um bis zu 150 Millionen Dollar (135 Millionen Euro) geht und in den hochrangige Vertreter des Weltfußballverbands verwickelt sein sollen. Die US-Justiz hatte gegen 14 von ihnen Anklage wegen Korruption erhoben. Sieben von ihnen wurden am 27. Mai in Zürich kurz vor dem Fifa-Kongress in einem Luxushotel festgenommen.

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Die Fakten zum FIFA-Skandal

  • Die Vorwürfe

    Mehr als zehn Personen werden im neuen Fußball-Skandal um den Weltverband FIFA vom US-Justizministerium beschuldigt. Ihnen wird unter anderem organisiertes Verbrechen, Überweisungsbetrug und verschwörerische Geldwäsche und die Teilnahme an Korruption im internationalen Fußball zur Selbstbereicherung zur Last gelegt.

  • Die Ermittlerin

    Loretta E. Lynch steht schon seit ihrer Zeit als New Yorker Staatsanwältin an der Spitze der Ermittlungen in den USA gegen die verdächtigten FIFA-Mitglieder. Die 55-Jährige ist mittlerweile Justizministerin der Vereinigten Staaten. Sie hat den Posten erst im vergangenen Monat übernommen, war am 27. April vereidigt worden. Lynch, im November vergangenen Jahres von US-Präsident Barack Obama vorgeschlagen, ist die erste Afroamerikanerin in diesem Amt.

  • Die FIFA

    Die Fédération Internationale de Football Association - kurz FIFA - wurde 1904 in Paris gegründet. Mittlerweile ist die FIFA auf 209 Mitglieder aus sechs Kontinental-Konföderationen angewachsen. Größte Einnahmequelle ist die alle vier Jahre ausgerichtete Fußball-WM mit einem Umsatz von rund fünf Milliarden Dollar. Höchstes Gremium ist der jährliche Kongress, die Vollversammlung aller Mitgliedsverbände. Der Kongress wählt alle vier Jahre den Präsidenten. Künftig bestimmt der Kongress auch den WM-Gastgeber - eine Folge der Korruptionsvorwürfe rund um die WM-Vergabe an Russland 2018 und Katar 2022. Bislang war das Exekutivkomitee dafür verantwortlich. Es ist die sogenannte Regierung der FIFA.

Die Vorwürfe drehen sich unter anderem um die Annahme von Bestechungsgeldern sowie Geldwäsche und organisiertes Verbrechen im Zusammenhang mit der Vergabe von Fernsehrechten bei Turnieren und Nord- und Südamerika. Sie reichen bis in die 1990er Jahre zurück. Das Schweizer Justizministerium erklärte am Donnerstag, diese Verbrechen seien wohl in den USA abgesprochen und vorbereitet worden. Zahlungen seien vermutlich über US-Banken abgewickelt worden.

Die sieben werden von der Züricher Polizei angehört, wie es weiter hieß. Ihnen wird eine 14-tägige Frist eingeräumt, den Behörden auf das Auslieferungsgesuch zu antworten. Dann werde die Justiz innerhalb weniger Wochen entscheiden, ob sie ausgeliefert würden. Diese Entscheidung könne am Obersten Strafgerichtshof und dem Bundesgericht der Schweiz angefochten werden.

Festgenommen wurden der von den Cayman-Inseln stammende Fifa-Vize-Präsident Jeffrey Webb, der Uruguayer Eugenio Figueredo, Eduardo Li aus Costa Rica, der Nicaraguaner Julio Rocha, der Brite Costas Takkas, Rafael Esquivel aus Venezuela und der Brasilianer José Maria Marin. Unter den anderen sieben Angeklagten sind der ehemalige Vizepräsident Jack Warner aus Trinidad und Tobago, zwei seiner Söhne sowie die ehemaligen Fifa-Exekutiv-Miglied Nicolas Leoz aus Paragua und Chuck Blazer aus den USA.

FIFA-Skandale unter Sepp Blatter

  • Präsidentschaftswahl 1998

    Der damalige FIFA-Generalsekretär Joseph Blatter gewinnt die Präsidentschaftswahl gegen UEFA-Präsident Lennart Johansson kurz vor WM-Beginn in Frankreich. Bis heute stehen Vorwürfe über angebliche Zahlungen von je 50.000 Dollar an afrikanische Delegierte in einem Pariser Hotel im Raum, die Blatter beharrlich zurückweist.

  • ISL-Skandal (1)

    Blatters Präsidentschafts-Vorgänger Joao Havelange und dessen ehemaliger Schwiegersohn Ricardo Teixera kassierten Millionen Schmiergeld für WM-Marketing-Deals mit dem später Pleite gegangenen Vermarkter ISL.

  • ISL-Skandal (2)

    Blatter wurde von allen Verdächtigungen freigesprochen, obwohl er 1997 als Generalsekretär eine Zahlung an Havelange von 1,5 Millionen Schweizer Franken persönlich zurücküberwiesen und somit offenbar zumindest Kenntnis vom System hatte.

  • WM-Vergabe 2018 und 2022 (1)

    Schon vor der Doppel-Vergabe an Russland und Katar wurden zwei FIFA-Exekutivmitglieder wegen nachgewiesener Bestechlichkeit suspendiert. Die Vorwürfe gegen die beiden künftigen Gastgeber wurden schließlich aufwändig von der FIFA untersucht, aber von den Ethikhütern ohne maßgebliche Ergebnisse eingestellt.

  • WM-Vergabe (2)

    Der Generalverdacht wurde aber nie entkräftet. Vom damaligen Exekutivkomitee sind künftig wohl nur noch acht von damals 22 Mitgliedern in dem mächtigen Gremium.

  • Präsidentschaftswahl 2011 (1)

    Lange schien es, als könne der Katarer Mohamed bin Hammam Blatter bei der Wahl 2011 tatsächlich gefährlich werden. Dann stolperte der Funktionär kurz vor der Abstimmung über konkrete Bestechungsvorwürfe aus der Karibik. Die 35 Stimmen aus der CONCACAF-Zone galten als entscheidend.

  • Präsidentschaftswahl 2011 (2)

    Blatter hatte den Verbänden eine Million Dollar als offizielle FIFA-Zuwendung versprochen. Bin Hammam versuchte es inoffiziell mit 40.000 Dollar pro Verband – und flog auf, weil ihn andere mittlerweile der Korruption überführte Funktionäre anschwärzten.

  • WM-Tickets (1)

    Der Umgang mit von Millionen Fans begehrten WM-Tickets im Exekutivkomitee war schon häufig lax. Jack Warner trieb es 2006 auf die Spitze, als er die Vermarktung in seinem für das Turnier in Deutschland qualifizierten Heimatland Trinidad und Tobago übernahm. Sein Familienunternehmen strich angeblich 900 000 Dollar Provisionen ein.

  • WM-Tickets (2)

    Die FIFA-Untersuchungen konnte keine Verdachtsmomente gegen Warner, sondern nur gegen dessen Sohn ergeben. Warner senior kam mit einer Verwarnung davon. Warners Exko-Kollege Ismail Bhamjee aus Botswana wurde 2006 überführt, zwölf WM-Karten auf dem Schwarzmarkt verkauft zu haben.

  • WM-Tickets (3)

    2014 in Brasilien gab es Berichte über vermutlich illegal veräußerte WM-Karten aus dem Besitz des mittlerweile verstorbenen argentinischen Topfunktionärs Julio Grondona.

Blazer hatte eingestanden, mit Warner Teil eines Zehn-Millionen-Dollar-Schmiergeldsystems gewesen zu sein, durch das Südafrikas letztlich erfolgreiche Bewerbung für das Turnier 2010 unterstützt worden sei. US-Behörden hatten bestätigt, dass Fifa-Präsident Sepp Blatter, der am 2. Juni seinen Rücktritt innerhalb der kommenden Monate angekündigt hatte, Ziel der Ermittlungen sei. Es werde erwartet, dass es zu weiteren Anklagen kommen werde.

Blatter hatte aber bereits abgestritten, in die Fälle verwickelt zu sein. Ohne seine Zustimmung könnte der gebürtige Schweizer aus seiner Heimat nicht in die USA ausgeliefert werden. Zum Endspiel der Frauen-WM am Sonntag nach Kanada will er nicht reisen.

Parallel zu den US-Ermittlungen hatte die Schweizer Generalstaatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren rund um die umstrittenen Vergaben Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar eingeleitet. Die Fifa selbst hatte im November Strafanzeige gegen unbekannt eingereicht. Daraufhin war die Züricher Fifa-Zentrale durchsucht worden. Es bestehe der Verdacht auf kriminelle Misswirtschaft und Geldwäsche beim Vergabeprozess, hatte es geheißen. Beide Verfahren laufen getrennt voneinander.

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