Fifa: US-Justiz klagt 16 weitere Funktionäre an

Fifa: US-Justiz klagt 16 weitere Funktionäre an

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Loretta Lynch jagt die Fifa weiter vor sich her.

Die US-Justizministerin spricht von einem „unerhörten“ Ausmaß an Korruption bei der Fifa und droht: Ihr werdet uns nicht entwischen. Gegen 16 Funktionäre haben die USA nun Anklage erhoben.

Die US-Justiz forciert in Zusammenarbeit mit den Schweizer Behörden die Korruptionsermittlungen gegen den Weltfußballverband Fifa. Gegen 16 weitere Fifa-Funktionäre wurde Anklage erhoben, teilte die amerikanische Justizministerin Loretta Lynch mit. Darunter seien fünf amtierende und ehemalige Mitglieder des Exekutivkomitees. Zwei Mitglieder des Gremiums, Juan Angel Napout aus Paraguay und Alfredo Hawit aus Honduras, wurden vor Morgengrauen von der Schweizer Polizei in einem Züricher Hotel festgenommen. Die Razzia erfolgte kurz vor einem Treffen des Fifa-Exekutivkomitees, bei dem Reform- und Transparenzmaßnahmen für den Weltfußballverband gebilligt wurden.

Die Schmiergeldvorwürfe stünden im Zusammenhang mit Marketingrechten für Fußballturniere in Lateinamerika und WM-Qualifikationsspiele, teilte das US-Justizministerium mit. Die Behörden in der Schweiz, wo die Fifa ihre Zentrale hat, und die USA ermitteln gegen ehemalige sowie aktuelle ranghohe Fußballfunktionäre des Weltverbands. Ihnen werden organisiertes Verbrechen, Geldwäsche und Betrug vorgeworfen. Die Vorwürfe reichen bis in die 1990er Jahre zurück. In den Bestechungsfällen geht es um bis zu 150 Millionen Dollar (142 Millionen Euro).

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Fifa- und WM-Skandale

  • WM 2006 in Deutschland

    War Deutschlands Sommermärchen mit Schwarzgeld gekauft? Das zumindest legt ein Bericht des Magazins "Der Spiegel" nahe. Demnach soll dem WM-Organisationskomitees eine Schwarze Kasse zur Verfügung gestanden haben. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat die Korruptionsvorwürfe energisch zurückgewiesen. Das WM-OK habe den Bewerbungsprozess "mit lauteren Mitteln" für sich entschieden, versicherte er. Die "Behauptungen des Spiegels" werde der Deutsche Fußball-Bund (DFB) "widerlegen und presserechtlich dagegen vorgehen". "Die Kernbehauptung weisen wir mit allem Nachdruck kategorisch zurück", sagte Niersbach. Die Frage, wofür eine Überweisung von 6,7 Millionen Euro an den Weltverband FIFA verwendet wurde, sei Gegenstand interner Untersuchungen: "Und wir haben extern eine renommierte Wirtschaftskanzlei damit beauftragt."

    Material: dpa/reuters/sha

  • WM 2018 und 2022

    Bestechungsvorwürfe bei der WM-Vergabe sind nicht neu. Auch die Doppel-Vergabe an Russland  2018 und Katar 2022 steht unter Generalverdacht. Schon vor der Vergabe  wurden zwei Fifa-Exekutivmitglieder wegen Bestechlichkeit suspendiert. Die Ethikkommission des Fußballweltverbandes hat die Vorgänge danach untersucht, die Untersuchung aber später eingestellt.

  • Die Präsidentschaftswahlen

    Wirbel gab es wiederholt um die Wahl des Fifa-Präsidenten. 1998 soll der damalige Fifa-Generalsekretärs Joseph Blatter etwa seinen Konkurrenten, den Uefa-Präsidenten Lennart Johansson, nur durch Bestechung von afrikanischen Delegierten besiegt haben. Blatter bestreitet das. 2011 stolperte wiederrum Blatters Gegner, der Katari Mohamed bin Hammam, über einen massiven Bestechungsskandal.

  • Die Sperre von Jack Warner

    Jack Warner gilt als Symbolfigur für den Korruptionssumpf der Fifa. Vier Jahre nach seinem Rücktritt von allen Ämtern im Weltfußball ist der frühere Vizepräsident Jack Warner Ende September lebenslang gesperrt worden. "Jack Warner verübte fortwährend und wiederholt verschiedene Vergehen, während er bei der Fifa und der Concacaf als Funktionär verschiedene hochrangige und einflussreiche Ämter bekleidete", erklärte die Ethikkommission der Fifa dazu. Warner wird mit der Bestechung bei den Vergaben für 2018 (Russland) und 2022 (Katar) in Verbindung gebracht. Zudem soll er illegal viel Geld unter anderem bei der Vergabe von TV-Rechten eingestrichen haben.

  • Das Aus von Sepp Blatter

    Im Oktober 2015 hat der Fußballweltverband seinen Präsidenten Sepp Blatter angesichts von Korruptionsermittlungen für 90 Tage suspendiert. Auch sein Nachfolgekandidat Michel Platini muss sein Amt als Uefa-Präsident für 90 Tage ruhen lassen, wie die Fifa-Ethikkommission mitteilte. Laut der Schweizer Bundesanwaltschaft besteht der Verdacht, dass Blatter im September 2005 mit dem Karibischen Fußballverband einen für die Fifa ungünstigen Vertrag abgeschlossen hat. Außerdem wird ermittelt, ob er auch bei der Umsetzung des Vertrages gegen seine Treuepflichten gegenüber der Fifa verstoßen hat. Platini wurde bei den Ermittlungen als Zeuge um Auskünfte über eine "treuwidrige Zahlung" von zwei Millionen Schweizer Franken gebeten, die er im Februar 2011 von Blatter erhalten haben soll.

Anklage wurde auch gegen den früheren Chef des brasilianischen Fußballverbandes erhoben, Ricardo Texeira. Texeira ist ehemaliger Schwiegersohn des früheren Fifa-Präsidenten Joao Havelange. Havelange war vor dem bedrängten Sepp Blatter Fifa-Präsident, von 1975 bis 1998. Die US-Justiz hat nun insgesamt zehn amtierende und ehemalige Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees der Korruption beschuldigt.

Strafrechtlich verfolgt wird auch Rafael Callejas erhoben, der von 1990 bis 1994 Präsident Honduras' war und derzeit Mitglied des TV- und Marketingkomitees der Fifa ist. Die honduranischen Behörden teilten mit, die USA hätten dessen Auslieferung beantragt. Man werde mit Washington kooperieren. „Niemand steht über dem Gesetz“, erklärte die Regierung von Staatschef Juan Orlando Hernandez.

Napout und Hawit seien auf Ersuchen der US-Behörden in Gewahrsam genommen worden, teilte das Berner Justizministerium mit. Beide hätten ihre Auslieferung in die USA abgelehnt. Napout ist Präsident des südamerikanischen Verbandes, Hawit führt den nordamerikanischen Verband.

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US-Justizministerin Loretta Lynch sprach von einem „ungeheuerlichen“ Vertrauensbruch und einem „erhörten“ Ausmaß von Korruption. Die Botschaft an jeden Schuldigen, der sich den laufenden Ermittlungen entziehen wolle, sei klar: „Ihr werdet uns nicht aussitzen und ihr werdet nicht unserem Fokus entwischen“, erklärte Lynch.

Das US-Justizministerium hatte zuvor bereits zwei mittlerweile geschasste Fifa-Vizepräsidenten und zwölf weitere Fußball- und Marketing-Funktionären beschuldigt, in Schmiergeldzahlungen verwickelt zu sein, die in Zusammenhang mit dem kontinentalen Turnier Copa América stehen, bei dem der Südamerika-Meister ermittelt wird.

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