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Filmbranche: Angst vor Hollywood

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Ein mögliches Freihandelsabkommen zwischen Europa und den USA lässt die deutsche Filmbranche um ihre Existenz zittern. Dabei wären die Verhandlungen zwischen der EU und den USA Anlass genug, das deutsche Filmfördersystem zu entrümpeln.

von Hermann J. Olbermann

Am Donnerstag feiern sich Deutschlands Kino- und Fernsehstars selbst, auf dem Sommerfest in Berlin. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel feiert mit. Am Tag danach folgt der Kater. Die Filmbranche zittert um ihre Existenz. Aber das liegt nicht am übermäßigen Champagnergenuss.

Das Drama beginnt am Freitag. Dann entscheiden die Wirtschaftsminister der EU-Länder, ob Europa und die USA Gespräche über ein Freihandelsabkommen beginnen sollen. Es entstünde die größte Freihandelszone der Welt. Doch genau davor fürchten sich Deutschlands Filmemacher. Solch ein Vertrag, so ihre Angst, wäre das Ende des deutschen Films. Denn Freihandel heißt auch Abbau von Subventionen. Und von denen leben die meisten deutschen Filmemacher.

13 Fördergesellschaften sammeln Hilfsgelder für die deutsche Filmbranche. Allein der Deutsche Filmförderfonds (DFFF), den die Bundesregierung mit Steuergeld speist, schütte seit 2007 insgesamt 356 Millionen Euro aus. Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres  half er schon wieder mit 1,8 Millionen Euro aus.

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Ohne diese Hilfe gebe es bald keine deutschen Filme mehr, behaupten die Filmemacher. Kinokarten und Lizenzgebühren spielten die Produktionskosten längst nicht mehr ein. Und in den USA, dem attraktivsten Markt, habe der deutsche Film keine Chance. Amerikaner mögen keine synchronisierten Filme.

Doch hat der deutsche Film überhaupt noch eine Chance? Und muss jeder Streifen gefördert werden?

Unter den zehn erfolgreichsten Kinofilmen des vergangenen Jahres war nur eine deutsche Produktion: "Türkisch für Anfänger". 2,4 Millionen Besucher sahen sich den Streifen an; 1,7 Millionen Euro erhielt das Werk an Zuschuss.

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Erstmals zeigen in diesem Jahr weltweit mehr Kinos Filme digital als auf Zelluloid. Die milliardenschwere Branche steht vor dem größten Umbruch seit Erfindung des 35-Millimeter-Streifens.

Quelle: dapd

Nur so zum Vergleich: Am besten schnitt 2012 in Deutschland der französische Film "Ziemlich beste Freunde" ab. Er zog 8,9 Millionen Deutsche an. Klar, auch der Streifen wurde gefördert - von der französischen Filmförderung. Denn Paris ist genauso förderungswillig wie Berlin. Und auch Frankreichs Filmbranche möchte von einem europäisch-amerikanischen Handelsabkommen ausgenommen werden. Gut, es stimmt ja: "Ziemlich beste Freunde" war in Europa ein Riesenerfolg, kommt aber nicht in die USA. Für die Amerikaner werden das Drehbuch neu verfilmt - in englischer Sprache.

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