Filmwirtschaft: Superhelden sollen das Kino retten

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Filmwirtschaft: Superhelden sollen das Kino retten

Bequemere Sessel, aufwendigere Technik und mehr Superhelden – mit dieser Mischung will das klassische Kino die Konkurrenz der Film-Streamingdienste in Schach halten.

Die Auswahl der Nominierten ist zu weiß, zu männlich – zu gestrig. Als die Academy of Motion Picture Arts and Science Mitte Januar die Anwärter für die Oscars bekannt gab, bemängelten Filmkritiker die Entscheidung der rund 7000 Mitglieder. Laut einer Studie der „Los Angeles Times“ aus dem Jahr 2012 bestand diese Gruppe zu 94 Prozent aus weißen Mitgliedern. Die große Mehrheit ist männlich.

Filme wie das Bürgerrechtsdrama „Selma“ sind zwar nominiert – die Regisseurin Ava DuVernay und der Hauptdarsteller David Oyelowo hingegen sind es nicht. DuVernay wäre als erste schwarze Regisseurin dabei gewesen. So aber wird bei der Gala am 22. Februar kaum die große Überraschung gefeiert.

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Die Kinobranche in Zahlen

  • Zahl der Kinos

    In Deutschland gibt es ein Kinosterben. Zwischen 2003 und 2013 ging die Zahl der Lichtspielhäuser um rund 200 zurück. Vor allem in Kleinstädten und Randgebieten gaben Kinobetreiber auf. Aber auch in Großstädten fällt immer häufiger der letzte Vorhang. Knapp 1700 Spielstätten gibt es derzeit noch – Tendenz sinkend.

  • Besucherzahlen

    Die Deutschen gehen immer weniger ins Kino. 2003 kauften nach Angaben der Filmförderungsanstalt (FFA) noch 149 Millionen Besucher eine Eintrittskarte. Im Jahr 2013 waren es fast 20 Millionen weniger.

  • Umsatz

    Trotz der sinkenden Zahl an Zuschauern setzen die Kinobetreiber mehr Geld um. Von 850 Millionen Euro im Jahr im Jahr 2003 ist der Gesamtumsatz der Branche in Deutschland auf 1,023 Milliarden im Jahr 2013 gestiegen.

  • Preis für eine Kinokarte

    Grund für das Umsatzwachstum ist der stetig steigende Ticketpreis: 5,70 Euro kostet eine Eintrittskarte im Jahr 2003 durchschnittlich. Bis 2013 kletterte der Durchschnittspreis auf 7,89 Euro. Besonders die üblichen Aufschläge für 3D-Filme treiben den Preis in die Höhe.

2014 gab der Branche ohnehin keinen Anlass für große Jubelpartys. „Das war ein ganz schlechtes Filmjahr,“ klagt Tim Richards, CEO von Vue Entertainment, ein Unternehmen, das weltweit rund 1730 Kinoleinwände betreibt – darunter auch die deutsche Cinemaxx-Kette.

In den USA sanken die Besucherzahlen auf den niedrigsten Wert seit 1995. In Deutschland wurden 2014 vier Prozent weniger Tickets als im Vorjahr gelöst. Die Rückgänge werden zum Teil durch gestiegene Preise aufgefangen. Doch das bringt weitere Probleme. „Früher konnten sich Leute auch in Krisenzeiten den Kinobesuch leisten, das ist nicht mehr der Fall“, so Produzent Mike Medavoy, der zuletzt mit „Black Swan“ für einen Oscar nominiert war.

Doch die Zukunft der Filmbranche liegt ohnehin nicht im Kinosaal, sondern im Wohnzimmer. Der Bezahl-TV-Sender HBO des TimeWarner-Konzerns, der mit Serien wie „Game of Thrones“ punktet, verbuchte 2013 einen Gewinn von 1,8 Milliarden US-Dollar bei einem Umsatz von fünf Milliarden.

Das Filmstudio Warner Bros., eine Konzernschwester, erzielte hingegen einen Gewinn von 1,3 Milliarden US-Dollar – bei 12,3 Milliarden Umsatz. Dabei geht es längst nicht mehr nur um klassisches Fernsehen, sondern in Zukunft auch um das Online-Streaming von Filmen.

Das Unternehmen Netflix, das eigene Serien wie „House of Cards“ produziert, verzeichnete 2013 einen Umsatzsprung um 21 Prozent auf 4,37 Milliarden Dollar. In den USA verfügt es über 31,7 Millionen bezahlende Abonnenten – schon mehr als HBO.

Die wichtigsten Anbieter im Online-Fernsehen

  • Netflix

    Unternehmen: Netflix

    Streamingkosten (in € pro Jahr): 95,88–107,88

    Stärke: Viele exklusive Filme und Serien, bewährte Technik, starke Kooperationspartner

    Schwäche: Wenig aktuelle Filme, anfangs relativ kleines Angebot

    Wichtigste Serien: House Of Cards, Orange Is The New Black, Hemlock Grove

    Quelle: Unternehmen

  • Entertain

    Unternehmen: Deutsche Telekom

    Streamingkosten (in € pro Jahr): ab 359,40*

    Stärke: Auch über Satellit nutzbar, teilweise ohne Online-Verbindung nutzbar

    Schwäche: Nur im Paket mit Telefon und Internet, lange Vertragsbindung

    Wichtigste Serien: Sherlock, The Mentalist, How I Met Your Mother

    * inklusive Telefon und Internet-Anschluss

  • Amazon Prime Video

    Unternehmen: Amazon
    Streamingkosten: Neben einer Jahresgebühr von 49 Euro ist Amazon Prime Video auch im monatlich kündbaren Abo für 7,99 Euro verfügbar
    Stärke: Exklusive Filme und Serien, Gratislieferung von Amazon-Bestellungen, auf mobilen Endgeräten ohne Online-Verbindung nutzbar
    Schwäche: Nicht alle Titel lassen sich für die Offline-Wiedergabe speichern, nicht alle Filme und Serien im Sortiment
    Wichtigste Serien: The Man in the High Castle, Mozart in the Jungle, Transparent, Mr. Robot, Fear the Walking Dead, Lucifer, Preacher, The Night Manager

  • iTunes

    Unternehmen: Apple

    Streamingkosten (in € pro Jahr): Bezahlung pro Download

    Stärke: Sehr breites Angebot, Serien direkt nach US-Ausstrahlung, Kauf ab 99 Cent

    Schwäche: Nur Kauf und Miete

    Wichtigste Serien: True Detective, Sleepy Hollow, The Strain, Downton Abbey

  • Maxdome

    Unternehmen: ProSieben-Sat.1

    Streamingkosten (in € pro Jahr): 95,88

    Stärke: Großes Angebot, Serien direkt nach US-Ausstrahlung, Kaufvideos, teilweise ohne Online-Verbindung nutzbar

    Schwäche: Aktuelle Filme und Serien nur Zuzahlung

    Wichtigste Serien: Under The Dome, Hannibal, Sons Of Anarchy, Bitten, Hawaii Five-O

  • Sky Snap

    Unternehmen: Sky

    Streamingkosten (in € pro Jahr): 47,88

    Stärke: Niedriger Preis; auch Originalfassungen, gegen Aufpreis teilweise ohne Internet-Verbindung nutzbar

    Schwäche: Begrenztes Angebot, wenig Aktuelles

    Wichtigste Serien: Game Of Thrones, Alcatraz, Die Sopranos, The Walking Dead

  • Whatchever

    Unternehmen: Vivendi

    Streamingkosten (in € pro Jahr): 107,88

    Stärke: Teilweise ohne Online-Verbindung nutzbar

    Schwäche: Begrenztes Angebot, wenig Aktuelles

    Wichtigste Serien: Mad Men, The Wire, Lilyhammer, The Mentalist, Torchwood

  • YouTube

    Unternehmen: Google

    Streamingkosten (in € pro Jahr): 0

    Stärke: Gratis, fast unendliches Angebot

    Schwäche: Wenig aktuelle und hochwertige Filme

    Wichtigste Serien: Tatort, Schimanski, Kanäle von Komödianten wie Y-Titti, LeFloid

Hollywood erkennt die Zeichen der Zeit. Star-Komiker Adam Sandler schloss in diesem Sommer mit Netflix einen Vertrag über vier Filme, die nur per Internet verfügbar sein werden. Ähnliches gilt für die Fortsetzung des Kampfsport-Epos „Tiger & Dragon“, die parallel online via Netflix und in ausgewählten Kinos anlaufen wird.

Das Kino als Ort des gemeinsamen Schauens wollen Regisseure wie Ridley Scott („Exodus“) dennoch retten: „Ich hoffe, dass sich das Kinoerlebnis nie ändert. Wenn das verschwinden sollte, wäre es eine Tragödie. Die Leute sollen ihre eigenen vier Wände verlassen, denn selbst der größte Fernseher kann nicht die gleiche Erfahrung bieten.“ Nach der gleichen Logik dreht Quentin Tarantino seinen neuen Film „The Hateful Eight“ auf dem epischen 70- mm-Breitwandformat, um so ein „Ereignis“ zu schaffen.

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