ThemaLufthansa

alles zum Thema
_

Kommentar Flugbegleiter-Streik: Steilvorlage für die Gewerkschaft

von Rüdiger Kiani-Kreß

Die Lufthansa ist geschwächt in den Arbeitskampf mit den Flugbegleitern gegangen – aus eigenem Verschulden.

Unmittelbar vor der neuen Tarifrunde auf den Einsatz von Leiharbeitern zu bestehen und deren Löhne teilweise unter das Niveau von Billigfliegern zu drücken, war keine gute Idee der Lufthansa. Quelle: dapd
Unmittelbar vor der neuen Tarifrunde auf den Einsatz von Leiharbeitern zu bestehen und deren Löhne teilweise unter das Niveau von Billigfliegern zu drücken, war keine gute Idee der Lufthansa. Quelle: dapd

Trotz aller Drohungen der Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO – im Ringen um niedrigere Arbeitskosten hat Lufthansa keine Wahl. Nur wenn Europas größte Fluglinie die Kosten drückt, kann sie gegen die Billigflieger und Airlines vom Golf bestehen. Doch statt in der Tarifrunde neue Wege zu erkunden, schlug Konzernchef Christoph Franz alte Pfade ein – und schwächte so die Position der Lufthansa.

Anzeige

1. Unternehmensorganisation

Während andere Fluglinien wie British Airways bereits massiv Personal abgebaut haben, leistet sich die Lufthansa in vielen Bereichen Doppelarbeiten. So haben nicht nur das Fluggeschäft, sondern auch die großen Töchter wie das Wartungsgeschäft eigene große Hauptverwaltungen. Dazu werkeln etwa die EDV-Abteilung des Fluggeschäfts parallel zu den Fachleuten der konzerneigene IT-Tochter Lufthansa Systems und legen einander nicht selten eher Steine in den Weg als die beste Lösung zu suchen.

Bild: Reuters

So war es keine gute Idee, noch vor Beginn der Tarifrunde auf den Einsatz von Leiharbeitern zu bestehen und deren Löhne teilweise unter das Niveau von Billigfliegern wie Ryanair zu drücken. Die Aktion brachte Stammbelegschaft und Gewerkschaften auf. Sie befürchten nicht nur eine Zweiklassengesellschaft, sondern auch, dass sich auf Dauer die Arbeitsbedingungen der bisherigen Stewardessen und Stewards verschlechtern. Die dürften sich dann schwertun, weiterhin den bei einer Premiumfluglinie üblichen Service zu bieten.

weitere Artikel

Das ist eine Steilvorlage für UFO. Die Gewerkschaft hat nach langem Siechtum eine neue Führung. Sie muss sich nun beweisen gegenüber den Mitgliedern und gegenüber dem Wettbewerber Verdi. Die Chancen dafür stehen gut. Da Verdi im Frühjahr einen deutlich milderen Abschluss hingenommen hat, kann sich UFO nun als der bessere Sachwalter der Flugbegleiter profilieren.

Das hätte Lufthansa mit ein wenig neuer Denke verhindern können. Etwa mit dem Angebot, Gehaltszuwächse künftig nicht mehr vor allem an das Dienstalter zu knüpfen, sondern an Kriterien wie etwa Leistung oder Zusatzqualifikationen, zum Beispiel Sprachkenntnisse, die den Kunden und damit der Lufthansa einen Mehrwert bringen. Führende Verdi-Funktionäre und selbst einige UFO-Mitglieder könnten damit dem Vernehmen nach leben. Also sollte es Lufthansa auch können.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 03.09.2012, 06:36 UhrMV_

    Der Streik entfaltet seine Kraft ausschließlich auf der Grundlage einer Lüge. Der Arbeitgeber besetzte den Arbeitsplatz mit einer Person, welche ihm zusicherte, zu bestimmten Bedingungen eine bestimmte Leistung zu erbringen. Auf dieser Grundlage stellte er andere Bewerber auf diesem Arbeitsplatz NICHT ein. Diese wurden also auch nicht eingearbeitet. Stünden diese von einem Tag auf den anderen zur Verfügung, könnte der Streik nicht sein erpresserisches Potential entfalten. Es wäre unternehmerseitig damit zu vergleichen, als wenn dieser von heute auf morgen kein Gehalt mehr zahlt, bis der Arbeitnehmer sich mit 8% weniger begnüge. Daher ist das Wesen des Streiks Vertragsbruch und Lüge.

  • 03.09.2012, 05:09 UhrMV_

    @Jens

    Wir befinden uns hier nicht auf Ihrem Pausenhof, daher bleibe ich beim "Sie".

    Ob die Gehälter der Manager angemessen sind oder nicht, ist einzig Sache der Eigentümer des Unternehmens, also der Aktionäre. Zudem Spielen selbst extrem hohe Managergehälter im Verhältnis zur Gesamtsumme aller Löhne keine Rolle, das können Sie sicher mathematisch nachvollziehen, oder? Im Übrigen hat jeder Arbeitnehmer ein sehr einfaches Mittel, dem Unternehmen zu zeigen, dass dieses seiner Ansicht nach zu geringe Löhne zahlt: Er kann kündigen. Findet er nirgendwo anders bessere Bedingungen, dann irrt er sich mit seiner Einschätzung.

  • 02.09.2012, 21:57 UhrJens

    Gehälter = Preise? Woher ist denn so ein Schwachsinn, preiswerter MBA-Kurs? Arbeitskampf ist die einzige legale Möglichkeit der Belegschaft, wenigstens die Krümelchen am Boden der Keksdose abzubekommen, nachdem die Manager sich ungeniert dort bedient haben. Geh wieder spielen!

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Was die Bahn bewegte: Rückblick auf die Wochen 19+20
Was die Bahn bewegte: Rückblick auf die Wochen 19+20

Die zwei zurückliegenden Wochen haben gezeigt: Billigstrategien im Fernverkehr gehen auf. Auf der Straße feiert...

    Folgen Sie uns im Social Web

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 18.05.2013

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche Shop

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.