Flughafen BER: Noch nicht eröffnet – aber schon zu klein

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Flughafen BER: Noch nicht eröffnet – aber schon zu klein

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Teil des Flughafens Berlin Brandenburg als Miniatur in Lego. Das millionenteure Prestigeprojekt BER wird zu klein sein, wenn es fertig ist.

von Christian Schlesiger, Harald Schumacher und Melanie Bergermann

Den aktuellen Sorgen um die Insolvenz der Baufirma Imtech und möglichen Betrügereien beim Bau folgt beim Berliner Haupstadtflughafen bald eine viel größere: Wie will man den Ansturm auf BER bewältigen?

Ein Blick in die Vergangenheit kann manchmal erhellend sein, bisweilen aber auch amüsant. Vor 20 Jahren schrieb „Der Spiegel“ über den damals geplanten Berliner Großflughafen (BER), das Projekt zeuge „von Gigantonomie“, die Prognosen für das Passagieraufkommen würden „alle bisherigen Monumente politischen Größenwahns in den Schatten“ stellen. Statt der damals zehn Millionen Passagiere in Schönefeld, Tegel und Tempelhof, solle der Superflughafen bei Inbetriebnahme 25 Millionen Fluggäste pro Jahr abfertigen. Die Planer seien offensichtlich „ins Fantastische entrückt“.

Das Magazin verwies damals auf ein Gutachten des Bundesrechnungshofes, das die Großmannssucht bundesdeutscher Politik anprangerte. Die Planungen beim BER liefen völlig aus dem Ruder, hieß es darin.

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Flughafen Berlin Bei Flughafenbau soll betrogen worden sein

Haben die am Bau des Berliner Flughafen beteiligten Firmen zu viel Geld für ihre Leistungen erhalten? Die Berliner Flughafengesellschaft will nachträgliche Zahlungen an mehrere Unternehmen noch einmal überprüfen.

Flughafen Berlin Quelle: dpa

Tatsächlich, so weiß man heute, hatten sich die Planer bei der Kapazität verkalkuliert – doch mit umgekehrten Vorzeichen. 2014 fertigten die Berliner Flughäfen bereits 28 Millionen Passagiere ab. Dieses Jahr kommt eine Million dazu. Daraus folgt: Der Flughafen BER, der bei Eröffnung 27 Millionen Passagiere fassen könnte, wäre schon heute viel zu klein.

Die sechs Milliarden Dollar teure Peinlichkeit

Den Gesellschaftern droht so eine neue Debatte, die das aktuelle Problem der Imtech-Pleite, den Betrugsverdacht gegen andere am Bau beteiligte Unternehmen und das allgemeine Chaos auf Deutschlands mysteriösester Baustelle überlagern könnte.

In wenigen Wochen muss Flughafenchef Karsten Mühlenfeld dem Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg erklären, wie er die Reisenden in der Hauptstadt in Zukunft abfertigen möchte. Klar ist schon jetzt: Der Bau des Flughafens wird noch mehr Geld verschlingen.

Das Ausland staunt längst. „Wie Berlins futuristischer Flughafen zu einer sechs Milliarden Dollar teuren Peinlichkeit wurde“ titelte das US-Magazin „Bloomberg Business“ im Juli. Es folgte ein 13-seitiger Report über „Deutschlands verschwenderisches Fiasko“, das sehr „an Griechenland erinnert“.

Bester Flughafen Deutschlands

  • Über die Studie

    Das Deutsche Kundeninstitut (DKI) hat für WirtschaftsWoche Online die zehn größten Flughäfen Deutschlands untersucht. Ziel war es, die Flughäfen bezüglich ihrer Leistungen, ihres Angebots und der Wahrnehmung durch die Flughafengäste in eine Rangfolge zu bringen. Die Daten stützen sich auf die Befragung bei den Flughafenzentralen zu objetiven Fakten, die Online‐Befragung von 3300 Flughafengästen sowie die Überpfüfung der Kundebetreuung via Mail, Hotline und Social Media durch anonyme Tester.

    Ermittelt wurde zum einen der Testsieger „Bester Flughafen Deutschlands“. Zum anderen wurden Rankings für die Unterkategorien „Flugangebot“ (Anzahl der Fluggesellschaften, der angeflogenen Ziele/Länder, Start- und Landebahnen und
    Interkontinentalflüge), „Aufenthaltsqualität“ (Ausstattung der Terminals etwa adäquate Sitzmöglichkeiten, Sauberkeit, Waschräume, W‐Lan-Angebote, Gastronomie und Einkaufsangebot, Familienfreundlichkeit sowie Office‐, Freizeit‐ und Entertainmentangebote), „Prozesse“ (effiziente Abwicklung der Prozesse wie Check-In, Security oder verkehrstechnische Anbindung) und „Service“ (Kundenservice per Telefon, E‐Mail und Social Media und die Qualität der Webseite). Die Gewichtung der Kategorien erfolgte nach folgendem Schlüssel: Flugangebot: 25%; Aufenthaltsqualität: 25%, Prozess: 30% und Service: 20%.

  • Platz 10

    Flughafen Berlin‐Tegel

    Punkte: 54,6/100
    Note: ausreichend

    Bestes Flugangebot: Platz acht

    Punkte: 12,9/25

    Note: mangelhaft

    Beste Aufenthaltsqualität: Platz zehn

    Punkte: 11,2/25

    Note: mangelhaft

    Beste Prozesse: Platz zehn

    Punkte: 13,4/30

    Note: mangelhaft

    Bester Service: Platz sechs

    Punkte: 17,1/20

    Note: sehr gut

  • Platz 9

    Flughafen Stuttgart

    Punkte: 66,3/100
    Note: befriedigend

    Bestes Flugangebot: Platz sieben

    Punkte: 13,5/25

    Note: ausreichend

    Beste Aufenthaltsqualität: Platz acht

    Punkte: 16,7/25

    Note: befriedigend

    Beste Prozesse: Platz acht

    Punkte: 19/30

    Note: befreidigend

    Bester Service: Platz sieben

    Punkte: 17.1/20

    Note: sehr gut

  • Platz 8

    Airport Bremen

    Punkte: 67,3/100
    Note: befriedigend

    Bestes Flugangebot: Platz zehn

    Punkte: 8,3/25

    Note: ungenügend

    Beste Aufenthaltsqualität: Platz sieben

    Punkte: 17,1/25

    Note: befriedigend

    Beste Prozesse: Platz eins

    Punkte: 26,6/30

    Note: sehr gut

    Bester Service: Platz neun

    Punkte: 15,3/20

    Note: gut

  • Platz 7

    Airport Nürnberg

    Punkte: 68,7/100
    Note: befriedigend

    Bestes Flugangebot: Platz neun

    Punkte: 10,2/25

    Note: ungenügend

    Beste Aufenthaltsqualität: Platz neun

    Punkte: 16,4/25

    Note: befriedigend

    Beste Prozesse: Platz drei

    Punkte: 26,1/30

    Note: sehr gut

    Bester Service: Platz acht

    Punkte: 16/20

    Note: gut

  • Platz 6

    Köln Bonn Airport

    Punkte: 69,3/100

    Note: befriedigend

    Bestes Flugangebot: Platz sechs

    Punkte: 13,7/25

    Note: ausreichend

    Beste Aufenthaltsqualität: Platz vier

    Punkte: 20,4/25

    Note: gut

    Beste Prozesse: Platz vier

    Punkte: 23,2/30

    Note: gut

    Bester Service: Platz vier

    Punkte: 12/20

    Note: ausreichend

  • Platz 5

    Flughafen Hamburg

    Punkte: 72,3/100

    Note: gut

    Bestes Flugangebot: Platz fünf

    Punkte: 14,2/25

    Note: ausreichend

    Beste Aufenthaltsqualität: Platz drei

    Punkte: 19,2/25

    Note: gut

    Beste Prozesse: Platz sechs

    Punkte: 20,6/30

    Note: befriedigend

    Bester Service: Platz vier

    Punkte: 18,3/20

    Note: sehr gut

  • Platz 4

    Düsseldorf Airport

    Punkte: 74,1/100

    Note: gut

    Bestes Flugangebot: Platz vier

    Punkte: 16,7/25

    Note: befriedigend

    Beste Aufenthaltsqualität: Platz drei

    Punkte: 21,4/25

    Note: sehr gut

    Beste Prozesse: Platz fünf

    Punkte: 21,8/30

    Note: gut

    Bester Service: Platz fünf

    Punkte: 17,3/20

    Note: sehr gut

  • Platz 3

    Hannover Airport

    Punkte: 84,2/100

    Note: gut

    Bestes Flugangebot: Platz drei

    Punkte: 17,2/25

    Note: befriedigend

    Beste Aufenthaltsqualität: Platz drei

    Punkte: 21,4/25

    Note: sehr gut

    Beste Prozesse: Platz zwei

    Punkte: 26,4/30

    Note: sehr gut

    Bester Service: Platz drei

    Punkte: 19,2/20

    Note: sehr gut

  • Platz 2

    Flughafen München

    Punkte: 89,1/100

    Note: sehr gut

    Bestes Flugangebot: Platz zwei

    Punkte: 23,2/25

    Note: sehr gut

    Beste Aufenthaltsqualität: Platz eins

    Punkte: 27,7/25 (+ Bonuspunkte)

    Note: sehr gut

    Beste Prozesse: Platz neun

    Punkte: 18,4/30

    Note: ausreichend

    Bester Service: Platz zwei

    Punkte: 19,8/20

    Note: sehr gut

  • Platz 1

    Frankfurt Airport

    Punkte: 90,2/100

    Note: sehr gut

    Bestes Flugangebot: Platz 1

    Punkte: 25,3/25 (+ Bonuspunkte)

    Note: sehr gut

    Beste Aufenthaltsqualität: Platz 2

    Punkte: 21,4/25

    Note: sehr gut

    Beste Prozesse: Platz 7

    Punkte: 20,5/30

    Note: befriedigend

    Bester Service: Platz 1

    Punkte: 23/20 (+ Bonuspunkte)

    Note: sehr gut



Auf der Aufsichtsratssitzung im September will Mühlenfeld das Chaos ordnen. Eine Grundsatzentscheidung hatte das Kontrollgremium bereits im Juli gefällt: BER erhält ab 2017 ein Provisorium. Der derzeitige Flughafen Schönefeld-Alt, der vor allem von Billigfliegern genutzt wird, soll fünf Jahre lang weiter betrieben werden und die Kapazität des BER so auf etwa 35 Millionen Passagiere pro Jahr erhöhen. Mühlenfeld will vorstellen, wie das funktionieren und der provisorische Terminal aussehen soll. Fest steht: Zu den bislang veranschlagten Gesamtkosten von 5,4 Milliarden Euro kommt noch ein hoher Millionenbetrag hinzu.

Auch andere Metropol-Flughäfen planen neue Terminals

Auf Dauer wäre die Interimslösung aber ungeeignet, weil zwischen dem neuen und dem provisorischen Terminal eine Start- und Landebahn liegt, was betrieblich Unsinn ist. „Wir müssen schnell entscheiden, wie es nach 2023 weitergehen soll“, sagt Rainer Bretschneider, Flughafenkoordinator des Landes Brandenburg. „Wenn wir rechtzeitig eine zukunftsfähige Lösung haben wollen, müssen wir schneller mit der Planung beginnen als bisher geplant“, so Bretschneider. „Wächst die Hauptstadtregion weiterhin so stark, braucht Berlin einen Flughafen, der langfristig mehr als 40 Millionen Passagiere pro Jahr abfertigen kann.“

Dossier zum Download Wie der Flugzeugbau sich neu erfindet

Neue Materialien und Fertigungsmethoden erobern die Luftfahrtindustrie. Dabei gilt vor allem die Devise: Effizienter und umweltverträglicher muss das Fliegen werden.

Dossier zum Download: Wie der Flugzeugbau sich neu erfindet

Die BER-Kapazität müsste also um ein Drittel wachsen. Der Trend zeigt sich auch in anderen Metropolen. Der Flughafen München baut gerade einen Terminal für weitere elf Millionen Passagiere. Kosten: 900 Millionen Euro. Eine ähnliche Summe müsste die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) für die Zeit nach der Eröffnung Ende 2017 einplanen.

Ob dieser Zeitpunkt zu halten ist, scheint ohnehin fraglich. Die Insolvenz des deutschen Gebäudetechnikausrüsters Imtech habe „Auswirkungen auf den Bauablauf und unsere Meilensteinplanung“, schrieb BER-Chef Mühlenfeld in einer E-Mail an den Aufsichtsrat, die der WirtschaftsWoche vorliegt. Bauexperten und Juristen loten derzeit die Folgen aus und wollen in wenigen Tagen Lösungen präsentieren.

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