Flughafen Hahn: Die großen Rätsel um den Ryanair-Flughafen

ThemaLuftfahrt

Flughafen Hahn: Die großen Rätsel um den Ryanair-Flughafen

von Konrad Fischer und Lea Deuber

Die Regierung in Rheinland-Pfalz stoppt den Verkauf des Flughafens Hahn, weil der chinesische Investor SYT nicht zahlt. Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen? Eine Spurensuche im Hunsrück und in Shanghai.

Die Ungewöhnlichkeiten beginnen, als das Geschäft eigentlich längst Geschichte ist. Am 6. Juni verkündet der Innenminister des Landes Rheinland-Pfalz, Roger Lewentz (SPD), den Verkauf des Flughafens Frankfurt-Hahn: „Mit der Übernahme durch einen Privatinvestor beginnt ein neues Kapitel am Hahn, das für weiteren Schub bei der Entwicklung des Flughafens sorgen wird.“

An seiner Seite hat er seinen Staatssekretär und die Vertreter der Investoren, die den Flughafen kaufen: zwei Herren mit randlosen Brillen, der eine kleiner und jünger, Kyle Wang; der andere älter und größer, Dr. Yu Tao Chou. Es wird das bis heute letzte Mal sein, dass die Öffentlichkeit die beiden zu Gesicht bekommt, Kontaktdaten oder eine Visitenkarte hinterlässt keiner von ihnen.

Anzeige

Zuvor waren sie der Belegschaft vorgestellt worden, bei der folgenden Veranstaltung für die Geschäftspartner am Standort sind sie schon nicht mehr anwesend. Stattdessen wird der Deal, immerhin die größte Privatisierung des Landes Rheinland-Pfalz in den vergangenen Jahren, an einem Flipchart präsentiert; drei Namen, handgeschrieben in geschwungenen Lettern. Sonst nichts.

Bester Flughafen Deutschlands

  • Über die Studie

    Das Deutsche Kundeninstitut (DKI) hat für WirtschaftsWoche Online die zehn größten Flughäfen Deutschlands untersucht. Ziel war es, die Flughäfen bezüglich ihrer Leistungen, ihres Angebots und der Wahrnehmung durch die Flughafengäste in eine Rangfolge zu bringen. Die Daten stützen sich auf die Befragung bei den Flughafenzentralen zu objetiven Fakten, die Online‐Befragung von 3300 Flughafengästen sowie die Überpfüfung der Kundebetreuung via Mail, Hotline und Social Media durch anonyme Tester.

    Ermittelt wurde zum einen der Testsieger „Bester Flughafen Deutschlands“. Zum anderen wurden Rankings für die Unterkategorien „Flugangebot“ (Anzahl der Fluggesellschaften, der angeflogenen Ziele/Länder, Start- und Landebahnen und
    Interkontinentalflüge), „Aufenthaltsqualität“ (Ausstattung der Terminals etwa adäquate Sitzmöglichkeiten, Sauberkeit, Waschräume, W‐Lan-Angebote, Gastronomie und Einkaufsangebot, Familienfreundlichkeit sowie Office‐, Freizeit‐ und Entertainmentangebote), „Prozesse“ (effiziente Abwicklung der Prozesse wie Check-In, Security oder verkehrstechnische Anbindung) und „Service“ (Kundenservice per Telefon, E‐Mail und Social Media und die Qualität der Webseite). Die Gewichtung der Kategorien erfolgte nach folgendem Schlüssel: Flugangebot: 25%; Aufenthaltsqualität: 25%, Prozess: 30% und Service: 20%.

  • Platz 10

    Flughafen Berlin‐Tegel

    Punkte: 54,6/100
    Note: ausreichend

    Bestes Flugangebot: Platz acht

    Punkte: 12,9/25

    Note: mangelhaft

    Beste Aufenthaltsqualität: Platz zehn

    Punkte: 11,2/25

    Note: mangelhaft

    Beste Prozesse: Platz zehn

    Punkte: 13,4/30

    Note: mangelhaft

    Bester Service: Platz sechs

    Punkte: 17,1/20

    Note: sehr gut

  • Platz 9

    Flughafen Stuttgart

    Punkte: 66,3/100
    Note: befriedigend

    Bestes Flugangebot: Platz sieben

    Punkte: 13,5/25

    Note: ausreichend

    Beste Aufenthaltsqualität: Platz acht

    Punkte: 16,7/25

    Note: befriedigend

    Beste Prozesse: Platz acht

    Punkte: 19/30

    Note: befreidigend

    Bester Service: Platz sieben

    Punkte: 17.1/20

    Note: sehr gut

  • Platz 8

    Airport Bremen

    Punkte: 67,3/100
    Note: befriedigend

    Bestes Flugangebot: Platz zehn

    Punkte: 8,3/25

    Note: ungenügend

    Beste Aufenthaltsqualität: Platz sieben

    Punkte: 17,1/25

    Note: befriedigend

    Beste Prozesse: Platz eins

    Punkte: 26,6/30

    Note: sehr gut

    Bester Service: Platz neun

    Punkte: 15,3/20

    Note: gut

  • Platz 7

    Airport Nürnberg

    Punkte: 68,7/100
    Note: befriedigend

    Bestes Flugangebot: Platz neun

    Punkte: 10,2/25

    Note: ungenügend

    Beste Aufenthaltsqualität: Platz neun

    Punkte: 16,4/25

    Note: befriedigend

    Beste Prozesse: Platz drei

    Punkte: 26,1/30

    Note: sehr gut

    Bester Service: Platz acht

    Punkte: 16/20

    Note: gut

  • Platz 6

    Köln Bonn Airport

    Punkte: 69,3/100

    Note: befriedigend

    Bestes Flugangebot: Platz sechs

    Punkte: 13,7/25

    Note: ausreichend

    Beste Aufenthaltsqualität: Platz vier

    Punkte: 20,4/25

    Note: gut

    Beste Prozesse: Platz vier

    Punkte: 23,2/30

    Note: gut

    Bester Service: Platz vier

    Punkte: 12/20

    Note: ausreichend

  • Platz 5

    Flughafen Hamburg

    Punkte: 72,3/100

    Note: gut

    Bestes Flugangebot: Platz fünf

    Punkte: 14,2/25

    Note: ausreichend

    Beste Aufenthaltsqualität: Platz drei

    Punkte: 19,2/25

    Note: gut

    Beste Prozesse: Platz sechs

    Punkte: 20,6/30

    Note: befriedigend

    Bester Service: Platz vier

    Punkte: 18,3/20

    Note: sehr gut

  • Platz 4

    Düsseldorf Airport

    Punkte: 74,1/100

    Note: gut

    Bestes Flugangebot: Platz vier

    Punkte: 16,7/25

    Note: befriedigend

    Beste Aufenthaltsqualität: Platz drei

    Punkte: 21,4/25

    Note: sehr gut

    Beste Prozesse: Platz fünf

    Punkte: 21,8/30

    Note: gut

    Bester Service: Platz fünf

    Punkte: 17,3/20

    Note: sehr gut

  • Platz 3

    Hannover Airport

    Punkte: 84,2/100

    Note: gut

    Bestes Flugangebot: Platz drei

    Punkte: 17,2/25

    Note: befriedigend

    Beste Aufenthaltsqualität: Platz drei

    Punkte: 21,4/25

    Note: sehr gut

    Beste Prozesse: Platz zwei

    Punkte: 26,4/30

    Note: sehr gut

    Bester Service: Platz drei

    Punkte: 19,2/20

    Note: sehr gut

  • Platz 2

    Flughafen München

    Punkte: 89,1/100

    Note: sehr gut

    Bestes Flugangebot: Platz zwei

    Punkte: 23,2/25

    Note: sehr gut

    Beste Aufenthaltsqualität: Platz eins

    Punkte: 27,7/25 (+ Bonuspunkte)

    Note: sehr gut

    Beste Prozesse: Platz neun

    Punkte: 18,4/30

    Note: ausreichend

    Bester Service: Platz zwei

    Punkte: 19,8/20

    Note: sehr gut

  • Platz 1

    Frankfurt Airport

    Punkte: 90,2/100

    Note: sehr gut

    Bestes Flugangebot: Platz 1

    Punkte: 25,3/25 (+ Bonuspunkte)

    Note: sehr gut

    Beste Aufenthaltsqualität: Platz 2

    Punkte: 21,4/25

    Note: sehr gut

    Beste Prozesse: Platz 7

    Punkte: 20,5/30

    Note: befriedigend

    Bester Service: Platz 1

    Punkte: 23/20 (+ Bonuspunkte)

    Note: sehr gut



Keine geschriebenen Zahlen, keine Pläne, keine Ziele.

Die ungewöhnliche Präsentation soll Fragen überflüssig machen und wirft sie doch erst auf: Denn zu keinem der Namen finden sich im Internet nähere Informationen, die Gesellschaften sind selbst in der Branche völlig unbekannt. Dennoch will die Landesregierung von Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) das Geschäft schnell vollenden, schon im Juli solle das Parlament ein Veräußerungsgesetz beschließen, der Deal wäre dann endgültig rechtskräftig.

Hahn ist ein wirtschaftlicher Sorgenfall

Für Dreyer ist das Projekt von großer Bedeutung. Hahn ist Deutschlands größter Regionalflughafen, aber auch ein wirtschaftlicher Sorgenfall: Allein 2015 standen 15 Millionen Euro Verlust. Am Beispiel des Flughafens will das Land nun beweisen, dass es zu betriebswirtschaftlicher Vernunft fähig ist. Aus einer mit Steuermitteln am Leben gehaltenen Piste soll ein profitables Unternehmen werden, das die Region mit Arbeitsplätzen versorgt, so der Plan. Innerhalb weniger Jahre, versprechen die Investoren, werden aus den Verlusten des Flughafens Gewinne, mehr Fracht und Pauschaltouristen sollen ihn in eine profitable Zukunft führen, kein einziger Mitarbeiter soll dabei seinen Job verlieren.

PremiumChina Die Eroberung des deutschen Mittelstands

Investoren aus China kaufen sich so umfangreich wie nie bei deutschen Unternehmen ein. Das weckt Ängste um Arbeitsplätze und Patente. Doch die Wirklichkeit ist deutlich freundlicher - meistens.

Investoren aus China kaufen so intensiv wie nie deutsche Unternehmen. Quelle: Getty Images

Der Verkauf würde damit nicht nur zum Modell für eine neue Wirtschaftspolitik in Rheinland-Pfalz, sondern auch zum Vorbild für sieche Regionalflughäfen im ganzen Land.

Gut zwei Wochen sind vergangenen, da muss die Regierung schon die Notbremse ziehen. „Eine den Käufern gesetzte Frist zur Vorlage von prüfbaren Belegen“ in Zusammenhang mit der Zahlung des Kaufpreises sei verstrichen, schreibt Innenminister Lewentz in einem Brief an die Fraktionschefs des Landtags. Der Verkaufsprozess werde „ausgesetzt“. Man könnte jetzt aufatmen, immerhin ist der Vertrag noch nicht vollzogen.

Wer sich den Käufer, der nach wie vor über einen gültigen Kaufvertrag verfügt, ein bisschen genauer anschaut, der kann sich aber nur fragen: Wie konnte sich die Regierung überhaupt jemals auf diesen Partner einlassen?

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%