Flughafen: Nachtflugverbot stürzt Frankfurt ins Chaos

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Schlafen auf Feldbetten:Der Weg in den Urlaub oder zum Geschäftstermin endete für diese Passagiere kurz vor dem Start auf dem Rollfeld.

von Rüdiger Kiani-Kreß

Der Streit um das Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen geht in eine neue Runde. Die Regeln an Deutschlands größtem Airport sind rigider als anderswo. Spätestens im Winter droht der Kollaps.

Bequeme Schlafsessel, Daunendecken, feine Rotweine zu Menüs von Spitzenköchen und spannende Filme im Bordkino: So wollten die gut 800 Passagiere der Lufthansa-Flüge von Frankfurt nach Bangkok und Kapstadt die Nacht des 28. Juni verbringen.

Daraus wurde für viele eine Nacht in Deutschlands größtem Flughafen auf dem Fußboden oder in einer langen Reihe olivgrüner Feldbetten mit Wasserflaschen und Brötchen in Cellophanhülle. Der Weg in den Urlaub oder zum Geschäftstermin endete kurz vor dem Start auf dem Rollfeld. Die Flugzeuge fuhren zurück zum Terminal, wo die Reisenden unter teilweise tumultartigen Zuständen Gutscheine für Übernachtungen und Verpflegung bekamen. Die Polizei musste eingreifen.

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Das Feldlager am Flugsteig verdanken die Passagiere Bernhard Maßberg. Der sportliche Mann mit dem Kurzhaarschnitt wacht als Abteilungsleiter beim Hessischen Wirtschaftsministerium über das Nachtflugverbot, das die Flughafenanwohner seit Oktober von 23 Uhr abends bis 5 Uhr vor Fluglärm schützen soll. Weil die Lufthansa aber aus Sicht der Ministerialen trotz gewaltiger Unwetter die Verspätung hätte verhindern können, verboten sie den Flügen und neun weiteren den Start. Den gleichen Reiseabbruch in letzter Minute erlebten seit Oktober rund 20.000 Flugreisende in gut 120 verspäteten Flügen. „Sind wir eine Minute zu spät, knallt das Fallbeil runter“, klagt ein Pilot.

Damit beschert die hessische Regierung, der immerhin ein Drittel der Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport gehört, Deutschlands größtem Airport Europas strengste Nachtflugregelung. Zwar gelten an den meisten Flughäfen von Amsterdam bis Zürich nächtliche Limits. Doch laut einer internen Übersicht des europäischen Flughafenverbandes ACI, die der WirtschaftsWoche vorliegt, dürfen selbst am strengen Flughafen London-Heathrow leise Flugzeuge wie der in Frankfurt gestoppt Superjumbo Airbus A380 rund um die Uhr fliegen. Zürich oder Hamburg haben zwar längere Sperrstunden als Frankfurt, aber liberalere Regelungen für Spätstarts. So brauchen Airlines in der ersten Stunde der Sperrzeit keine Zusatzerlaubnis. Oder sie bekommen sie sogar teilweise beim Flughafen selbst, statt wie in Frankfurt das Okay für jeden Verzug einzeln und per Fax beantragen zu müssen.

Nachtflugregelungen in Deutschland

  • Frankfurt

    Das Startverbot für Passagierflugzeuge gilt in Frankfurt von 23.00 - 5.00 Uhr, nur Maschinen mit Sondergenehmigung dürfen in diesem Zeitraum noch starten.

  • Berlin-Tegel

    In Tegel sind Starts zwischen 23.00 und 6.00 Uhr verboten, ab 0.00 Uhr darf mit Genehmigung gestartet werden.

  • Dresden

    Am Dresdener Flughafen ist es zwischen 23.30 und 5.30 Uhr verboten zu starten, ab 0.00 Uhr kann mit einer Genehmigung gestartet werden.

  • Düsseldorf

    Strenge Regelung in Düsseldorf, hier darf bereits ab 22.00 Uhr nicht mehr gestartet werden. Ohne entsprechende Erlaubnis sind Starts erst wieder ab 6.00 Uhr zulässig.

  • Hahn

    Für den vornehmlich von Ryanair genutzten Flughafen gelten keinerlei Nachtflugregelungen - da hier leisere Flugzeuge zum Einsatz kommen.

  • Hamburg

    Kulante Regelung in der Hansestadt: Hier darf zwischen 23.00 und 6.00 Uhr nicht gestartet werden, bis 0.00 Uhr sind Starts allerdings geduldet.

  • Hannover

    In Hannover herrscht kein Nachtflugverbot. Auch hier werden vornehmlich leisere Maschinen eingesetzt.

  • Köln

    In Köln gibt es derzeit noch kein Nachtflugverbot, allerdings wurden bereits Einschränkungen für den Passagierverkehr angekündigt.

  • Leipzig

    In Leipzig darf zwischen 23.30 und 5.30 Uhr nicht gestartet werden. Es gibt jedoch bis 0.00 Uhr eine halbe Stunde in der Starts geduldet sind.

  • München

    Am Flughafen der bayrischen Landeshauptstadt gilt ein Nachtflugverbot von 0.00 bis 5.00 Uhr, es wird indes weniger streng ausgelegt, da auch hier hauptsächlich leisere Maschinen verkehren.

  • Nürnberg

    Für das Airport Nürnberg gelten keine Einschränkungen.

  • Stuttgart

    Am Flughafen Stuttgart darf zwischen 23.00 und 6.00 Uhr nicht gestartet werden. Ausnahmen sind bis 0.00 Uhr, mit Genehmigung, möglich.

Pro Abbruch 500 000 Euro

Darum fordern Lufthansa, die Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport und die für die Luftüberwachung zuständige Deutsche Flugsicherung immer lauter eine Änderung. „Die jetzige Regelung ist nicht praktikabel und eine sehr gefährliche Entwicklung für uns“, klagt Kay Kratky, zuständiger Vorstand der Lufthansa für den Flughafen Frankfurt und die Flotte. Aus seiner Sicht müssen bis zu 30 Starts nach 23 Uhr möglich sein. Selbst Airlines, die noch keinen Flug stoppen mussten, sorgen sich. „Wir haben Bedenken, wenn die Regelung starr durchgesetzt wird“, sagt Kevin Knight, Chefplaner der Air-Berlin-Mutter Etihad aus Abu Dhabi höflich.

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