Flughafensicherheit nach Brüssel: "Frühere Kontrollen würden die Gefahr nur verlagern"

InterviewFlughafensicherheit nach Brüssel: "Frühere Kontrollen würden die Gefahr nur verlagern"

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Beamte der Bundespolizei sichern am Dienstag den Terminalbereich des Flughafens on Frankfurt am Main. Nach den Terroranschlägen von Brüssel wurden die Sicherheitsmaßnahmen hier massiv erhöht.

von Jacqueline Goebel

Explosionen erschütterten die Abflughallen des Brüsseler Flughafens. Haben Terroristen dort eine Sicherheitslücke gefunden? Luftfahrtexperte Großbongardt warnt: Noch mehr Kontrollen führen zu neuen Sicherheitsrisiken.

Herr Großbongardt, noch stehen Details zu den Ereignissen in Brüssel aus. Wie schätzen Sie die Lage ein, haben Attentäter mit den Abflughallen nun eine Sicherheitslücke entdeckt? Welche Sicherheitsvorkehrungen gibt es dort?

Heinrich Großbongardt: Es gibt eine Vielzahl von Maßnahmen, und nicht jede ist für Passagiere sofort sichtbar. Die Flughäfen machen natürlich nicht jede ihrer Maßnahmen publik. Woran wir uns schon gewöhnt haben, sind die Durchsagen, dass Passagiere ihre Koffer nicht unbeaufsichtigt lassen sollten. Und es gibt Patrouillen bewaffneter Polizisten. Das Gelände ist kameraüberwacht, auch das Geschehen im ganzen Umfeld des Flughafens wird von Kameras aufgezeichnet.
Allerdings lässt sich kaum verhindern, dass ein oder zwei Täter vielleicht nicht sofort entdeckt werden. Das gilt aber in der Innenstadt genauso wie am Flughäfen.

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Sprengstoffdetektoren oder Sicherheitskontrollen des Gepäcks gibt es aber erst später, nach dem Check-In. Ist das ein Problem?

Zur Person

  • Heinrich Großbongardt

    Heinrich Großbongardt führt die Hamburger Unternehmensberatung und Kommunikationsagentur Expairtise. Der ausgebildete Pilot ist seit 25 Jahren in der Branche tätig.

Wenn man diese Kontrollen schon früher durchführen würde, würde ich die Gefahrenstelle nur verlagern. Würde ich jeden Passagier, jeden Begleiter, jeden Abholer kontrollieren, die einen Flughafen betreten, hätte ich an den Eingängen wahrscheinlich lange Schlangen und Menschenansammlungen. Das wäre dann auch wieder ein Sicherheitsrisiko. Der zusätzliche personelle und finanzielle Aufwand wäre beträchtlich, ohne dass dem ein echter Gewinn an Sicherheit gegenüberstünde.

Auch deutsche Flughäfen haben reagiert: In Frankfurt zum Beispiel gibt es verschärfte Sicherheitsmaßnahmen. Wie schätzen Sie die Lage ein, ist das die reguläre Vorgehensweise?

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Nach den Terror-Anschlägen in Brüssels Flughafen Zaventem und einer Metrostation fahndet die belgische Polizei mit einem Bild nach einem Verdächtigen. Belgiens Premier spricht von einem "schwarzen Tag für Belgien".

Spezialkräfte der belgischen Polizei fahndet mit einem Bild nach einem der mutmaßlichen Attentäter von Brüssel. Quelle: Getty Images

Ja, das ist das normale Prozedere. Nach einen Anschlag wird die Terrorwarnstufe hochgesetzt, und damit werden dann die entsprechenden zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen ausgelöst. Das war übrigens auch nach dem Anschlag im November in Paris der Fall.

Welche Auswirkungen wird dieses Attentat auf die Diskussionen um Flugsicherheit haben?

Ich glaube, es wird keine großen Auswirkungen geben. Wir hatten in den vergangenen 15 Jahren – seit dem 11. September 2001 – weder in den USA noch in Europa irgendwelche große Anschläge auf Flughäfen, weder im Passagierverkehr noch bei der Luftfracht. Das zeigt, dass das System an sich funktioniert. Hundertprozentige Sicherheit gibt es natürlich nie.

Was macht Flughäfen zu einem so interessanten Ziel für Terroristen?

An Flughäfen gibt es natürlich große Menschenansammlungen. Aber das Verreisen ist auch ein wichtiges Symbol für unseren Freiheitsbegriff. Die Täter verbinden mit einem Angriff auf dieses Symbol vielleicht auch nicht nur politische Ziele, sondern auch wirtschaftliche. Wenn das Vertrauen in dieses Sicherheitssystem geschädigt wird, und die Menschen deshalb weniger fliegen, kann das in Industrieländern oder in Tourismusdestinationen weitreichende wirtschaftliche Auswirkungen haben.

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