Fluglinie: Fatale Langsamkeit bei der Lufthansa

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KommentarFluglinie: Fatale Langsamkeit bei der Lufthansa

von Rüdiger Kiani-Kreß

Die aktuellen Zahlen der Lufthansa zeigen: das Sparprogramm bleibt hinter den Erwartungen zurück. Nur wegen der Servicetöchter konnte das Unternehmen den Gewinn steigern. Das Sparprogramm muss darum verstärkt werden. Der Konzern braucht mehr Tempo.

Als Lufthansa-Chef Christoph Franz heute die Zahlen für die ersten neun Monate des Jahres vorgestellt hat, musste er gar nicht so verdrießlich dreinblicken. Immerhin hat die Linie wegen guter Geschäfte ihrer Service-Töchter wie Lufthansa Technik und der Catering-Sparte LSG Sky Chefs deutlich mehr Geld verdient. Der operative Gewinn nahm im Zeitraum von Juli bis Ende September um 6,2 Prozent auf 648 Millionen Euro zu, wie der Dax-Konzern am Mittwoch mitteilte. Das ist weit mehr als die von Analysten erwarteten 522 Millionen Euro. Der Umsatz zog um 6,2 Prozent auf 8,3 Milliarden Euro an. Damit hat die Lufthansa ihr Jahresziel beim Gewinn eigentlich bereits erreicht. Und wahrscheinlich dürfte auch im vierten Quartal nochmal ein Betrag von gut 100 Millionen übrig bleiben.

Damit schlägt sich Europas umsatzstärkste Fluglinie deutlich besser als die meisten der heimischen Wettbewerber außerhalb des Billiglagers. Air France dürfte zwar auch ein Ergebnis von einer halben Milliarde erreichen, aber im Minus statt im Plus.

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Im British-Airways-Mutterkonzern IAG dürften die Zahlen der spanischen Iberia die guten Ergebnisse der britischen Schwester zumindest verwässern, wenn nicht gar zu Nichte machen. Und von der skandinavischen SAS, Polens Lot oder Alitalia erwartet ohnehin derzeit keiner einen ernsthaften Gewinn. Doch auch wenn sich die Lufthansa besser schlägt, schlägt sie sich bei weitem nicht gut.

Die zentralen Schwachpunkte der Lufthansa

  • zu hohe Kosten

    Die Lufthansa arbeitet mit zu hohen Kosten. Trotz aller Sparmaßnahmen wendet die Kranichlinie immer noch sechs Cent auf, um einen Passagier einen Kilometer weit zu fliegen; Easyjet kommt mit knapp vier Cent, Emirates mit gut drei und Ryanair nicht mal zwei Cent aus.

  • zu umständlich

    Deutschlands Marktführer arbeitet zu umständlich. Die Lufthansa macht bis zu Wartung und Flugküchen fast alles selbst und gibt ein Viertel der Kosten für das Personal aus. Emirates und Billigfliegern reicht die Hälfte.

  • zu wenig Komfort

    Die Lufthansa bleibt bei der Flotte und beim Komfort zurück: Weil die Deutschen weniger neue Flugzeuge anschaffen als Emirates, können die Araber deutlich schneller wachsen und ihren Kunden an Bord modernsten Komfort anbieten.

Darum gilt am Ende für die Lufthansa-Bilanz wie Bundeshaushalt: wenn selbst in wirtschaftlich relativ stabilen Zeiten mit wachsender Wirtschaft unterm Strich kein ordentliches Plus bleibt, gibt es ein strukturelles Problem. Das hat Franz zwar erkannt und dem Konzern „Score“ verordnet, das bislang radikalste Sparprogramm des Konzerns. Doch es zeigt bei weitem nicht den Erfolg den es zeigen müsste.

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Quelle: dpa

So schwant führenden Lufthanseaten deshalb schon heute, dass der Score-Sparplan nicht reichen wird und tiefere Veränderungen nötig sind. Wachsende Umweltauflagen, steigende Gebühren für Flughäfen und das Flugbenzin treiben die Kosten weiter. Das kann Lufthansa wegen der wachsenden Konkurrenz immer weniger an die Kunden weitergeben.

Doch am Ende geht es nicht allein um Kosten. Wie die aktuelle Studie der Beratung A.T. Kearney und der Wirtschaftswoche zeigt: Es geht um die ganze Arbeitsweise des Konzerns, sie ist zu komplex und vor allem zu langsam. Obwohl die Probleme bekannt sind, Franz Lösungen skizziert hat lange bevor Anfang 2011 LH-Chef wurde und jede Ausgabe der wöchentlichen Mitarbeiterzeitung sowie eine lange Kette von Betriebsversammlungen erneut die Mitarbeiter wachrütteln, dauern die Ergebnisse.

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Das liegt natürlich auch an Größe des Apparats mit mehr als 100.000 Mitarbeitern in aller Welt. Doch am Ende ist es die ganze Arbeitsweise.
Und die ist vorsichtig ausgedrückt lahm. Obwohl Score jetzt bereits neun Monat alt ist, bleibt die Richtung seltsam wage. Selbst so offensichtliche Dinge wie Umbau des Europageschäfts, das Franz bereits als Konzernvize und Chef des Fluggeschäfts in Umrissen angekündigt, soll erst zum Jahreswechsel starten und damit fast drei Jahre Vorlauf. Das ist nicht nur peinlich, das ist fatal. Denn angesichts der wachsenden Konkurrenz durch überlegene Wettbewerber aus Billigflug und vom Persischen Golf muss sich die Lufthansa endlich modernisieren statt zu diskutieren. Denn wie kalauert Franz so gerne „wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“

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