Fluglinie im Umbruch: Spohrs neue Doktrin für die Lufthansa

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Fluglinie im Umbruch: Spohrs neue Doktrin für die Lufthansa

von Rüdiger Kiani-Kreß

Trotz aller Sanierungsprogramme lahmt die Gesundung der Lufthansa. Darum beschleunigt Konzernchef Carsten Spohr den Umbau.

Eigentlich hätte Lufthansa-Chef Carsten Spohr ein wenig angespannt sein müssen, als er zwei Stunden lang die Bilanz für die ersten neun Monate des aktuellen Geschäftsjahres vorstellte. Kaum ein halbes Jahr im Amt, musste der 46-Jährige eine Serie von acht Pilotenstreiks verkraften.

Nicht zuletzt deshalb musste er wegen der daraus resultierenden Mehrkosten von 170 Millionen Euro bereits seine zweite Gewinnwarnung aussprechen. Und dann auch noch mit ansehen, dass die Politik die aus seiner Sicht illegalen Hilfen der staatlichen Etihad aus dem Emirat Abu Dhabi für ihre europäischen Töchter Alitalia oder Air Berlin nicht so recht stoppen will.

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Doch Spohr wirkte entspannt. „Mir geht es gut“, erklärte er den anwesenden Analysten und Journalisten. „Man kann meinen Job doch nur machen, wenn man keine Angst vor solchen Dingen hat.“ Und dann schickte er noch eine kleine Spitze hinterher gegen seinen Vorgänger Christoph Franz, der überraschend vor gut einem Jahr das Handtuch warf und noch vor dem Abschied trotz trüber Aussichten ein relativ hohes Gewinnziel bestätigte.

„Ich fühle mich gut, wenn wir die Prognosen und Ausblicke auf ein realistisches Niveau bringen“, rückte Spohr das nun mit leiser Ironie gerade. „Und das kann ich als früherer Chef von Passage und Cargo ja ganz gut einschätzen.“

Prognose für 2015 Lufthansa senkt erneut Gewinnausblick

Die schwächelnde Weltwirtschaft bremst die Lufthansa aus. Während die Fluggesellschaft die Pilotenstreiks bislang verkraften konnte, strich Vorstandschef Spohr die Gewinnerwartungen für 2015 zusammen.

Die Lufthansa senkt zum zweiten Mal ihren Gewinnausblick für das nächste Jahr. Statt bislang zwei Milliarden Euro operativen Gewinn werde neu für 2015 nur noch ein Ergebnis "deutlich über dem diesjährigen" erwartet. Quelle: REUTERS

Mit seinem Optimismus wollte Spohr natürlich weniger sein Image als Sonnyboy stützen, sondern seine aus seiner Sicht eher unterschätzte Fähigkeit als Macher zeigen. Denn während des Vortrags bekräftigten er und Finanzchefin Simone Menne den Willen zu einem gründlichen Umbau des Konzerns. Und sie unterlegten das auch gleich mit ein paar neuen Details zum Umbau.

Das tut Not. Zwar hat Spohr dank des von Vorgänger Franz (und ihm selbst) angestoßenen Sparprogramms „Score“ in diesem Geschäftsjahr seine Erträge um immerhin fast 1,2 Milliarde Euro verbessert. Doch davon bleibt derzeit nicht mal ein Drittel übrig.

Im Schnitt drücken die Kosten für Streiks, höhere Flughafengebühren oder die deutsche Luftverkehrssteuer zusammen mit dem scharfen Wettbewerb den Gewinn jedes Jahr um 700 Millionen Euro. „Und in diesem Jahr haben wir mal wieder gesehen, dass dieser Gegenwind auch mal deutlich höher als der Durchschnitt sein kann“, so Spohr.

Darum schaffte die Lufthansa nur eine Umsatzrendite von mageren zwei Prozent. Das ist zwar besser Air-France-KLM-Chef Alexandre de Juniac gestern für die angeschlagene französisch-niederländische Linie verkünden konnte. Aber unter dem Strich deutlich zu wenig, um auf Dauer die jährlichen Investitionen des Lufthansa-Konzerns von gut zwei Milliarden Euro zu finanzieren.

Carsten Spohr: Pilot und Lufthansa-Kenner

  • Zur Person

    Charismatisch, flugbegeistert und erfahren: Mit Carsten Spohr hat sich die Lufthansa für einen Favoriten auf den Chefposen entschieden. Seine steile Karriere bei der Airline findet so ihre Krönung.

  • Pilot aus dem Ruhrgebiet

    Carsten Spohr wurde 1966 in Wanne-Eickel im nördlichen Ruhrgebiet geboren. Nach seinem Studium zum Wirtschaftsingenieur an der Universität Karlsruhe erwarb er die Verkehrspiloten-Lizenz an der Fliegerschule der Lufthansa. Danach absolvierte er das Trainee-Programm bei der Deutschen Aerospace AG.

  • Steile Karriere bei Lufthansa

    Mit 27 Jahren kehrte Spohr zu der Airline zurück und schlug dort eine steile Karriere ein: Zunächst übernahm er die Leitung des zentralen Personalmarketings, später arbeitete er sich über verschiedene Funktionen zur Koordination der Regionaltöchter und dem Airline-Bündnis Star Alliance in die Spitze der Kerngesellschaft Lufthansa Passage empor. Zeitweise war er Assistent von Lufthansa-Legende Jürgen Weber.

  • Blendende Ergebnisse

    Als Chef der Frachttochter Lufthansa Cargo lieferte Spohr bis zur Finanzkrise blendende Ergebnisse und zog schließlich 2011 gemeinsam mit dem scheidenden Lufthansa-Chef Christoph Franz in den Konzernvorstand ein. Gemeinsam setzten sie das harte Sparprogramm „Score“ durch.

  • Endlich Lufthansa-Chef

    Anfang Februar 2014 hat die lange Suche nach einem Nachfolger für Christoph Franz ein Ende: Lufthansa will Carsten Spohr zum neuen Vorstandschef machen. Der 47-Jährige galt im Vorfeld schon als Favorit.

  • Charismatischer Flieger

    Auch wenn seine Beliebtheit in der Belegschaft während der Sanierung abgenommen haben dürfte, gilt der begeisterte Flieger Spohr als charismatischer Gegenpol zu Franz. Dessen kühle, analytische Art verprellte viele Lufthanseaten. Spohr ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Dass dies in Europa nicht für Billigflieger wie Ryanair, sondern auch für etablierte Fluglinien möglich ist, dürfte morgen Willie Walsh zeigen. Denn der Chef der IAG genannten Muttergesellschaft von British Airways sowie Iberia und der Billigflieger Vueling aus Spanien dürfte morgen bei seinen Neunmonatszahlen gut die doppelte Marge präsentieren.

Um den Rückstand zum britischen-spanischen Verbund aufzuholen, greift Spohr natürlich auch zur klassischen Königsdisziplin der Lufthansa: Sparen. Dabei will Spohr nicht nur die Zahl der Mitarbeiter im Vertrieb der klassischen Lufthansa halbieren und dabei dann endlich den Ticketverkauf der Kranich-Linie zusammen mit dem der Schweizer Swiss, Austrian Airlines und der belgischen Brussels unter eine gemeinsame Führung nebst einheitlichen Konditionen packen.

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