Flugreise: "Mit Koffern reisen ist teuer"

ThemaLuftfahrt

InterviewFlugreise: "Mit Koffern reisen ist teuer"

von Heike Schwerdtfeger

Wer mit seinen großen Koffern zum Flughafen fährt, zahlt heute häufig einige hundert Euro extra - und das nicht nur bei Billigfliegern. Reiserechtsexperte Ernst Führich erklärt die Tücken der Flugbuchungen.

WirtschaftsWoche: Herr Führich, die Lufthansa führt ab September eine Extragebühr von 16 Euro pro Ticket ein, wenn der Kunde nicht direkt bei ihr, sondern über andere Reservierungssysteme bucht. Darf sie das? 

Ernst Führich: Ja, die Extra-Gebühr müssen dann aber die Reiseportale bei den Kundenbuchungen transparent machen, die Lufthansa-Flüge werden dadurch bei den Portalen, die einen Wettbewerbsvergleich zulassen, teurer. Wer die 16 Euro sparen möchte, muss direkt bei der Airline buchen.

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Zur Person

  • Ernst Führich

    Ernst Führich (66), der promovierte Jurist lehrte Wirtschaftsprivatrecht, Arbeitsrecht und Reiserecht an der Hochschule Kempten und ist einer der führenden Reiserechtler. Im Frühjahr erschien sein Standardwerk "Reiserecht" in Neuauflage.

Am Donnerstag, 11. Juni, wird die Europäische Union die neue Fluggastrechteverordnung beschließen. Was könnte sich für Fluggäste ändern?

Eventuell werden künftig Entschädigungen erst ab fünf Stunden Verspätung gezahlt. Bisher gibt es für die Kunden schon dann Geld, wenn ein Flug drei Stunden zu spät landet. Die derzeitige EU-Kommission ist recht industriefreundlich. Es ist auch möglich, dass sich Airlines stärker bei außergewöhnlichen Umständen der Haftung entziehen können. Sie würden gerne technische Defekte als außergewöhnliche Umstände gelten lassen, um Kunden keine Entschädigung zahlen zu müssen, wenn Defekte zu Verspätungen führen. Dies würde allerdings die ständige Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs aushebeln.

Der Reiserechtsexperte Ernst Führich im Interview mit WirtschaftsWoche. (zum Vergrößern bitte anklicken) Quelle: Presse

Der Reiserechtsexperte Ernst Führich im Interview mit WirtschaftsWoche. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Bild: Presse

Immer wieder gibt es Ärger um versteckte Gebühren. Hat die vor einem Jahr umgesetzte Verbraucherrechte-Richtlinie die nicht beseitigt?

Nein, sie hat wenig gebracht. Im Wesentlichen wurde im Preisrecht ein Begriff ersetzt. In Deutschland gab es früher bei Reisebuchungen einen Endpreis, jetzt muss bei touristischen Dienstleistungen ein Gesamtpreis angegeben werden. Ziel ist, dass bei allen Buchungen für den Kunden die Pflichtbestandteile des Preises zu einem Gesamtpreis addiert werden und noch einzeln aufgeschlüsselt werden. Doch was Pflichtbestandteile sind und was nicht, kann ja zwischen Anbietern und Verbrauchern noch unterschiedlich interpretiert werden. Bei Buchungen müssen sich Urlauber auch darüber im Klaren sein, dass sie kein 14tägiges Widerrufsrecht bei Buchungen von Reisen und Flügen haben. Nur, wenn man sich vertippt hat, muss die Möglichkeit bestehen, seine Eingabe zu korrigieren.

Reiseportale im Check Tarifchaos und hohe Zusatzgebühren

Wer Online eine Reise bucht, muss immer stärker auf die Bedingungen achten, sonst wird es teuer. Vor allem, wenn sich Pläne ändern oder plötzlich Koffer mitgenommen werden müssen.

Reisekosten-Falle bei Online-Buchung Quelle: Getty Images

Bei welchen Preisbestandteilen einer Flugreise müssen die Kunden bei der Buchung besonders vorsichtig sein? Fangen wir mal beim Gepäck an.

Fluggäste sollten bei Koffern sehr vorsichtig sein. Mit Koffern reisen ist heute unter Umständen sehr teuer. Und das gilt nicht mehr nur bei Billigfliegern, sondern auch bei den traditionellen Fluggesellschaften. Immer häufiger wird der Kunde dort auch für aufgegebene Koffer zur Kasse gebeten. Und die Preise sind mitunter sehr hoch. Pro Koffer und jeweils für Hin- und Rückflug werden dann zwischen 20 und 90 Euro fällig. Der Europäische Gerichtshof hat im vergangenen Jahr entschieden, dass Fluggesellschaften für Gepäckstücke, die am Flughafen Check-In aufgegeben werden, zusätzlich Gebühren erheben dürfen, damit ist das quasi Gesetz. Allerdings gilt das nur für aufzugebende Gepäckstücke, nicht jedoch für das Handgepäck, das muss frei sein, kann aber beim Gewicht einer Beschränkung unterliegen. Die Zusatzkosten für die Koffer müssen zwar bereits bei der Buchung transparent aufgelistet werden, aber mit der Transparenz ist das so eine Sache. Häufig sind Angaben nicht ganz klar, oder sie unterscheiden sich bei den Fluggesellschaften von Tarif zu Tarif. Und bei der Buchung einer Reise ist ja häufig dem Reisenden auch noch gar nicht klar, wie viel Gepäck man benötigen wird. Ob sich die Airlines oder etwa auch die Vermittlungsportale an die transparente Darstellung halten, wird national vom Luftfahrtbundesamt (LBA) geprüft.

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