Formel 1: Heiße Luft am Nürburgring

ThemaSport

Formel 1: Heiße Luft am Nürburgring

Bild vergrößern

Bis auf eine vage Pressemitteilung, gibt es bisher keine Informationen darüber, dass die Formel 1 tatsächlich von 2015 bis 2019 am Nürburgring fährt

von Florian Zerfaß

Bernie Ecclestone hat gegenüber der WirtschaftsWoche einen neuen Fünfjahresvertrag der Formel 1 mit dem Nürburgring dementiert. Er zeigt sich zwar verhandlungsbereit  – unterschrieben ist allerdings nichts.

Die Nachricht schlug am späten Montagabend in der Motorsportszene ein. „Sensation in Formel-1-Welt: Formel 1 fährt fünf Jahre am Nürburgring“, titelte die Rhein-Zeitung aus Koblenz, „das geht aus einem Vertrag hervor, den der künftige Ring-Eigentümer Capricorn mit der Formula One Group und Formel-1-Matador Bernie Ecclestone geschlossen hat.“ Über die Agenturen machte die Nachricht schnell die Runde, etliche Medien griffen die Erfolgsmeldung auf. Das Problem ist allerdings: Den Vertrag, auf den sich die Zeitung beruft, gibt es noch gar nicht – sondern bestenfalls Absichtserklärungen.

In einem Telefonat mit der WirtschaftsWoche stellte Ecclestone klar: „Wir haben uns getroffen, und wir haben vereinbart, dass wir über eine längerfristige Partnerschaft verhandeln. Bis jetzt haben wir keinen Vertrag unterschrieben.“ Auf die Frage, ob die Formel  1 von 2015 bis 2019 in der Eifel fahre, sagte Ecclestone: „Wenn wir einen Vertrag unterschreiben, dann ja.“ Allerdings bestehe etwa über die finanziellen Konditionen noch keine Einigkeit.

Anzeige

Das Nürburgring-Desaster

  • Formel 1-Verluste

    Die legendäre Rennstrecke in der Eifel ist für ihre Eigentümer seit Jahren ein Millionengrab. Die Nürburgring GmbH – sie gehört zu 90 Prozent das Land Rheinland-Pfalz und zu zehn Prozent der Landkreis Ahrweiler – ist seit 2006 bilanziell überschuldet und kann sich nur dank immer neuer Landes-Millionen über Wasser halten. Haupt-Verlustbringer ist die Formel 1, die von 2003 bis 2009 ein Loch von 55 Millionen Euro in die Kasse riss. Für das Rennen 2011 kalkuliert das Land mit einem Minus weiteren 13,5 Millionen Euro. Der Landesrechnungshof geht von höheren Kosten aus.

  • Nürburgring 2009

    Um aus den Miesen zu kommen, wollten der damalige Nürburgring-Geschäftsführer Walter Kafitz (SPD) und die damalige SPD-Alleinregierung von Kurt Beck mit dem riesigen Erlebnispark „Nürburgring 2009“ zusätzliche Besucher anlocken. Die Einnahmen sollten die Verluste aus der Formel 1 decken. Der Park besteht aus zwei Bauabschnitten: Die Nürburgring GmbH baute ein Erlebniszentrum mit Rennsportmuseum (Ringwerk), eine Achterbahn, eine überdachte Shoppingmeile (Boulevard) sowie zwei Veranstaltungshallen. Der zweite Abschnitt, entwickelt von Kai Richters Firma Mediinvest, umfasst zwei Hotels mit Personalwohnhaus, einen Ferienpark und das Eifeldorf „Grüne Hölle“, in dem sich eine Disco und diverse Restaurants befinden.

  • Finanzdesaster

    Die Baukosten stiegen von ursprünglich geplanten 215 auf 330 Millionen Euro. Der erste Bauabschnitt sollte zur Hälfte, der zweite komplett privat finanziert werden. Bei der Suche nach Investoren für den ersten Bauabschnitt fielen Land und Nürburgring GmbH auf dubiose Finanzvermittler herein. Die für den zweiten Bauabschnitt zuständige Firma Mediinvest von Kai Richter erhielt 85,5 Millionen Euro von der Rheinland-Pfälzische Gesellschaft für Immobilien und Projektmanagement mbH (RIM). Die ist eine hundertprozentige Tochter der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB), welche wiederum zu hundert Prozent dem Land gehört. Die MSR wurde später mitsamt der Gebäude von Landesgesellschaften übernommen.

  • Privatisierungsdebakel

    Ab Mai 2010 vergab die Nürburgring GmbH den Betrieb des kompletten Parks inklusive der Rennstrecken an die private Nürburgring Automotive GmbH (NAG), die je zur Hälfte Kai Richters Mediinvest und der Düsseldorfer Lindner-Hotelgruppe gehört. Im Februar 2012 kündigte das Land den Betreibern wegen ausstehender Pachtzahlungen. Die NAG geht juristisch gegen die Kündigung vor. Nach ihrer Sicht der Dinge schuldet das Land den Betreibern noch Geld, diese Forderungen habe man mit der Pacht verrechnet. Streit gibt es um die von den Betreibern angekündigte Entlassung von einem Viertel der Belegschaft. Die EU-Kommission prüft nach mehreren Beschwerden von Konkurrenten, ob das Land bei der Verpachtung an die NAG gegen Vergaberecht verstoßen hat.

  • Investitionsruine

    Die erhofften Besuchermassen bleiben aus. Die als schnellste der Welt geplante Achterbahn funktioniert bis heute nicht. In der „Grünen Hölle“ ist von Oktober bis März nur ein einziges Restaurant durchgängig geöffnet, der Rest ist die meiste Zeit dicht. Das Land wirft den Betreibern zudem vor, die Gebäude vernachlässigt zu haben. In mehreren Restaurants ist Schimmel aufgetreten. Der Landesrechnungshof schätzt den zusätzlichen Investitionsbedarf des Landes in den nächsten 20 Jahren auf bis zu 420 Millionen Euro.

  • Aufarbeitung

    Wegen ihrer Rolle bei der gescheiterten Privatfinanzierung hat die Staatsanwaltschaft Koblenz im Februar 2012 Anklage wegen Untreue gegen den ehemaligen rheinland-pfälzischen Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) erhoben. Auch der frühere Nürburgring-Hauptgeschäftsführer Walter Kafitz und zwei weitere ehemalige Manager der Nürburgring GmbH wurden wegen Untreue angeklagt. Der frühere ISB-Chef und ein RIM-Manager wurden wegen Beihilfe zur Untreue angeklagt. Die Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue gegen Kai Richter dauern an.

     

Wolkige Mitteilung von Capricorn

Capricorn hatte am Dienstagmittag eine vermeintliche Bestätigung für den Deal mit Ecclestone verschickt – doch in der Pressemeldung  steckte viel heiße Luft, aber nur wenig Konkretes. „Langfristige Bindung der Formel 1 am Nürburgring in Sichtweite“, ist sie wolkig überschrieben. Weiter heißt es, dass Capricorn-Chef Robertino Wild mit Bernie Ecclestone „Gespräche über eine langfristige strategische Partnerschaft“ geführt habe. „Ecclestone und Dr. Wild haben ein gemeinsames Verständnis darüber, die prestigeträchtige Formel 1 ab 2015 für den Zeitraum von mindestens fünf Jahren jedes Jahr am Nürburgring durchzuführen“, so die Pressemitteilung. Doch ein gemeinsames Verständnis ist noch kein Vertrag.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%