Frank Sportolari: Drohnen lassen viel Raum für Phantasie

ThemaLogistik

InterviewFrank Sportolari: Drohnen lassen viel Raum für Phantasie

von Nele Hansen

UPS-Deutschland-Chef Frank Sportolari erklärt, wie er sich den Einsatz von Drohnen vorstellt, wie stark UPS ins Privatkundengeschäft einsteigen will und ob bald am gleichen Tag geliefert wird.

Herr Sportolari, haben Sie selbst schon einmal Pakete ausgetragen?

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UPS-Deutschland-Chef Frank Sportolari

UPS-Deutschland-Chef Frank Sportolari

Frank Sportolari: Meine Uniform hängt zwar stets griffbereit, so wie bei UPS Management üblich. Aber ich bin hier eine Ausnahme, da ich nicht als Zusteller gearbeitet habe, sondern am 15. September 1986 als Management Trainee in der Buchhaltung bei UPS in München begonnen habe.  Ich fahre heutzutage ab und an mal mit. Es ist manchmal sehr amüsant, wenn die Leute nicht wissen, wer man ist.

An der Haustür liefern Sie Ihre Pakete aber bislang kaum ab, sondern vor allem an Firmenkunden. Dabei wächst doch vor allem das Geschäft mit den privaten Kunden, weil wie wild bei Amazon und Co. bestellt wird?

Das stimmt, doch unser Hauptgeschäft liegt im Expressgeschäft,  also der zeitkritischen Zustellung zum Beispiel von Ersatzteilen für Unternehmen. Hier investieren wir stark. An unserem Umschlagsplatz am Flughafen Köln haben wir zum wiederholten Mal expandiert und 200 Millionen Dollar investiert, so dass 190 000 Pakete pro Stunde sortiert werden können. 37 Flieger, darunter auch Jumbo Jets, starten täglich von und nach Köln.  Im Exportbereich, also beim internationalen Versand aus Deutschland, sind wir allein in der ersten Hälfte des vergangenen Jahr bereits um fast zehn Prozent gewachsen und damit schneller als UPS in Europa, wo das Wachstum fünf Prozent betrug.

Aber viele Unternehmen, für die wir beispielsweise schon Ersatzteile über Nacht liefern, wollen zunehmend auch an private Kunden liefern. Viele  kommen daher auf uns zu und fragen, ob wir das machen wollen. Insgesamt liegt unser Schwerpunkt aber eher auf komplexen Logistiklösungen, also beispielsweise  der Austausch eines defekten Handys, bei dem wir ein neues liefern und das alte direkt wieder mitnehmen, und natürlich auf dem internationalen Geschäft.

Neue Konzepte Haustür-Lieferungen werden immer schwieriger

Wer online bestellt, bekommt seine Pakete bald möglicherweise nicht mehr immer an die Haustür geliefert. Der Grund: Die Fehlerquote bei der Haustürzustellung ist hoch.

Paketzusteller können ihre Ware oft nicht zustellen, weil keiner zuhause ist. Quelle: dpa

Trotzdem haben Sie für Privatkunden im vergangenen  Jahr 2000 Paketshops eingerichtet, in denen Privatkunden ihre Päckchen abholen können. Wollen Sie in dem Bereich stärker wachsen als bisher?

Kerngeschäft bleibt unser Geschäft mit Firmenkunden. Wir  sind offen für den Versand an Privatkunden sowie von Privatkunden, und wir wollen allen Kunden zunehmend flexible Lösungen anbieten.

…weil Kunden es satt haben, ihre bestellten Bücher oder ganze Weinladungen am anderen Ende der Stadt abholen zu müssen, weil der Paketbote sie nicht angetroffen hat?

Genau. Wir haben 2012 die Technikplattform Kiala gekauft, mit der Kunden in den Benelux-Ländern, Frankreich und Spanien ihre Pakete nachverfolgen und zu einem bestimmen Abgabepunkt bestellen können. In den USA bieten wir über unseren Service UPS My Choice ebenfalls die Möglichkeit, den passenden Liefertermin festzulegen und einen Zustellort zu wählen. In diesem Jahr wird UPS My Choice auch in Deutschland starten.

Gehört zu einem guten Service dann nicht auch, die Bestellungen am gleichen Tag zu liefern?

Bei unseren Express-Angeboten können wir Lieferungen, die am Abend am Flughafen in Köln sind, am nächsten Tag in den gesamten USA zustellen. Dadurch kann etwa ein deutscher Mittelständler sehr gut mit einem dort ansässigen Unternehmen konkurrieren, da wir die Entfernung ein gutes Stück weit nivellieren. Erfahrungen mit Lieferungen am gleichen Tag haben wir bislang testweise über den britischen Kurierdienst Shutl gesammelt, an dem wir Anteile erworben hatten. In großen Städten kann ich mir vorstellen, dass es funktioniert. Gerade bei ländlichen Adressen wird das aber schwierig. Wenn ich bis 15 Uhr meine morgens bestellten Gummistiefel beim Trecker haben will, kann das kaum funktionieren.

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Die Deutsche Post liefert zunehmend auch Lebensmittel. Ist das für Sie auch ein Geschäftsmodell?

In speziellen Bereichen liefern wir bereits Lebensmittel aus. Wir übernehmen den Versand von Feinkostlebensmitteln wie Kobe Style Rind, das Fleischliebhaber über Otto Gourmet bestellen können oder verschicken Fisch von einem Bremer Fischhändler.

Und bald kommt dann der Fisch oder das Kobe Style Rind per Drohne ins Haus geflogen - ein gelungener PR-Gag oder Ihr Geschäft der Zukunft?

Es handelt sich hier um eine interessante Technologie. Sie lässt viel Raum für Phantasie, was das Potenzial angeht. UPS beobachtet diese Technologie und die Marktentwicklung genau. Den Einsatz kann ich mir eher in ländlichen oder schwer erreichbaren Gegenden vorstellen. Vielleicht für Lieferungen auf kleine Inseln oder in Bergregionen. Auch der Einsatz im Falle von Naturkatastrophen ist gut vorstellbar, insbesondere dann, wenn es keine Infrastruktur gibt oder diese zerstört ist.

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