Frankfurter Flughafen: Der Streik hat destruktives Potenzial

KommentarFrankfurter Flughafen: Der Streik hat destruktives Potenzial

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Mitarbeiter mit viel Konfliktpotenzial: das Vorfeld-Personal

von Bert Losse

Der umstrittene Streik am Frankfurter Flughafen könnte sich für die Gewerkschaft der Flugsicherung und andere Spartengewerkschaften zum Eigentor entwickeln. Nämlich dann, wenn die Bundesregierung ihre Pläne für eine Neuordnung des Tarifrechts aus der Schublade holt.

Was „Vorfeld-Personal“ an einem Flughafen ist, wusste bislang kaum jemand in Deutschland. Seit in Frankfurt 190 Mitglieder der kleinen „Gewerkschaft der Flugsicherung“ (GdF) streiken und über 280 Flüge gestrichen werden mussten, ist das anders. Wenn diese Airport-Mitarbeiter nicht mehr mit ihren Signalzeichen wedeln, darf keine Maschine starten.

Die Beschäftigtengruppe hat somit eine ähnlich starke Position wie die Fluglotsen, die ebenfalls von der GdF vertreten werden.
Laut Flughafengesellschaft Fraport fordert die GdF zwischen 64 und 73 Prozent (!) mehr Geld für die Vorfeldmitarbeiter, und man darf davon ausgehen, dass am Ende des Konflikts eine ziemlich fette Lohnerhöhung stehen wird.

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Doch ob der Streik zum aktuellen Zeitpunkt strategisch glücklich ist, steht auf einem anderen Blatt. Denn seit Monaten liegen Pläne für eine Neuordnung des Tarifrechts in den Schubladen von Bundesarbeits- und Justizministerium. Es geht um die Frage, ob berufsständische Gewerkschaften wie die GdF oder ihre renitenten Kollegen der Lokführergewerkschaft künftig mit den etablierten DGB-Gewerkschaften tarifpolitisch kooperieren sollen - oder müssen.

Grundlage ist ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts, das 2010 das Prinzip der sogenannten Tarifeinheit kippte. In dem bis dahin geltenden Grundsatz, dass in einem Betrieb nur ein Tarifvertrag gelten darf und nicht mehrere Gewerkschaften unterschiedliche Regelwerke aushandeln können, sahen die Arbeitsrichter einen Verstoß gegen die Koalitionsfreiheit des Grundgesetzes ¬- und eine Benachteiligung kleinerer Gewerkschaften.

Es droht ein permanentes Arbeitskampfchaos

Zwar wollte die Koalition das heiße Eisen vor der nächsten Bundestagswahl nicht anpacken. Doch wenn der Konflikt am Frankfurter Flughafen weiter eskaliert, könnte die Debatte in der Koalition neu aufflammen.

Fakt ist: Wenn sich konkurrierende Arbeitnehmergruppen gegenseitig hochschaukeln, drohen vielerorts permanente Tarifkonflikte. Bisher sind die deutschen Gewerkschaften zwar lange nicht so streiklustig wie ihre aggressive Rhetorik vermuten lässt; daran haben auch diverse Neugründungen von Spartengewerkschaften in den vergangenen Jahren nichts geändert.

Unter den Industrienationen ist nur in der Schweiz und in Japan die Zahl der Streiktage (ohne Warnstreiks) niedriger als in Deutschland. Allerdings ist dieser Zustand nicht in Stein gemeißelt. Niemand kann vorhersagen, wie sich die Gewerkschaften angesichts der wachsenden Konkurrenz um Mitglieder künftig positionieren. Über ein destruktives Potenzial verfügen straff organisierte Funktionseliten an betrieblichen und logistischen Schaltstellen der Volkswirtschaft allemal.

Das sollte auch die Politik wissen.

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