Französische Staatslinie mit Problemen: Der Niedergang von Air France

ThemaLuftfahrt

Französische Staatslinie mit Problemen: Der Niedergang von Air France

von Rüdiger Kiani-Kreß und Karin Finkenzeller

Streiks und politische Einflussnahmen gefährden die Sanierung von Air France-KLM. Der französischen Staatslinie droht der allmähliche Abstieg in die fliegerische Zweitklassigkeit.

Am vergangenen Sonntag zeigte Air- France-KLM-Chef Alexandre de Juniac ungewohnte Fähigkeiten als Diplomat. Mochte ihn seine Regierung auch zwingen, einen zentralen Teil seines Plans zur Sanierung des französisch-niederländischen Flugkonzerns zu opfern, um nach zwei Wochen endlich den Streik seiner Piloten zu beenden – der ansonsten für Klartext zu unangenehmen Wahrheiten bekannte 51-Jährige klang positiv. „Wir haben alles in unserer Macht Stehende getan, ohne auf ein strategisches Projekt zu verzichten“, sagte de Juniac, als er den von ihm geplanten europaweiten Billigflieger unter der Marke Transavia einstampfte, der noch kurz zuvor als Eckpunkt seines Sanierungsplans Perform 2020 galt.

Doch so sehr de Juniacs Worte auch nach Sieg klingen: Tatsächlich hat ihm seine Regierung, die noch 16 Prozent der Aktien hält, die erste große Niederlage in seinen gut 14 Monaten als Konzernchef beschert. Der Ausstand der Flugzeugführer kostete mit gut 300 Millionen Euro nicht nur ein Viertel mehr, als die Linie im ersten Halbjahr 2014 operativ verdient hat. Der von der Regierung erzwungene – zumindest teilweise – Stopp der geplanten Billigtochter gefährdet den angesichts von zuletzt 1,4 Milliarden Euro Verlust überfälligen Umbau.

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Pilotenstreik in Frankreich Warum es Air France noch schlechter geht als der Lufthansa

Auch in Frankreich legen die Piloten den Dienst nieder. Und so sehr die anhaltenden Pilotenstreiks die Lufthansa hierzulande belasten: Beim Erzrivalen Air France sind die Probleme deutlich größer.

Im Vergleich zu den Streiks bei Air France ist die Lufthansa bei den letzten Streiks sehr gut davon gekommen Quelle: REUTERS

Denn ob Passagierverkehr, Fracht oder Wartungsgeschäft: Überall hinkt Air France-KLM der Konkurrenz hinterher. „Obwohl Air France wie alle größeren Fluglinien unter der Konkurrenz aus Billigfliegern und den Fluglinien vom Golf leidet, war das Umbautempo selbst im Vergleich zu Lufthansa und Co. schon bisher langsam wie ein Gletscher“, spottet eine Analyse des Center for Aviation (CAPA), einer auf die Branche spezialisierten weltweit tätigen Marktforschung mit Hauptsitz in Sydney.

Nun könne der Wandel weiter verlangsamt werden, wenn nicht gar zum Stillstand kommen: „Über allem schwebt die Gefahr, dass die Linie schrumpft und der Abstand zu wichtigen Konkurrenten noch größer wird“, so die Experten. Am Ende könne die einstmals umsatzstärkste Fluglinie der Welt in eine Art fliegerische Zweitklassigkeit absteigen.

Hoffnung Transavia

Erhofft hatte sich de Juniac dank Transavia das Gegenteil. Sein paneuropäischer Billigflieger sollte dank neuer Töchter im Ausland den größten Beitrag zur Sanierung des franko-niederländischen Konzerns leisten. Laut den Planungen, die der Konzernchef noch Mitte September Investoren präsentierte, sollte Transavia das Defizit im Europaverkehr von zuletzt fast 700 Millionen Euro pro Jahr ganz stoppen oder zumindest so weit drücken, dass es nicht länger einen Großteil der Überschüsse aus der Langstrecke auffrisst.

Betriebskosten von Fluglinien

  • Air-France-Kurzstrecke

    12,5 Cent pro angebotenen Passagierkilometer

    Quellen: Unternehmen, CAPA

  • Lufthansa-Kurzstrecke

    11,5 Cent pro angebotenen Passagierkilometer

  • KLM-Kurzstrecke

    10,5 Cent pro angebotenen Passagierkilometer

  • British Airways

    10,2 Cent pro angebotenen Passagierkilometer

  • Swiss

    9,8 Cent pro angebotenen Passagierkilometer

  • Air Berlin

    7,8 Cent pro angebotenen Passagierkilometer

  • Easyjet

    6,0 Cent pro angebotenen Passagierkilometer

  • Vueling

    5,8 Cent pro angebotenen Passagierkilometer

  • Norwegian

    5,5 Cent pro angebotenen Passagierkilometer

  • Transavia (Air-France-Tochter)

    5,2 Cent pro angebotenen Passagierkilometer

  • Wizzair

    4,2 Cent pro angebotenen Passagierkilometer

  • Ryanair

    3,8 Cent pro angebotenen Passagierkilometer

Dank Abstrichen bei Service und Gehältern, Verzicht auf die üppige Air-France- Bürokratie und einer günstig zu wartenden Einheitsflotte statt des heutigen Flugzoos aus durstigen Minifliegern sollte Transavia nur gut fünf Cent ausgeben, um einen Passagier einen Kilometer weit zu fliegen. Das wäre etwas weniger als europäische Billiggrößen wie Easyjet oder Norwegian und nicht mal die Hälfte dessen, was die Europa-Flieger von Air France oder KLM heute ausgeben (siehe Grafik).

Doch statt der Kosten schrumpft derzeit die Hoffnung auf Rettung. Zwar soll die Marke Transavia bleiben. Doch sie wird nun – wenn überhaupt – deutlich später sowie schwächer wachsen, wohl nur einen Bruchteil der einst geplanten 100 Jets einsetzen und stattdessen vermehrt die teuren Altflieger nutzen. Denn für das Streikende hat de Juniac den Piloten zugesagt, Transavia als rein französische Linie aufzubauen. Dafür müsste er einen 2007 mit den Piloten geschlossenen Vertrag kündigen und könnte erst 2016 loslegen.

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