ThemaLuftfahrt

Fraport: Fliegen als Nebensache

von Rüdiger Kiani-Kreß

Der Frankfurter Flughafen feiert heute seinen neuen Flugsteig A-Plus. Europas modernstes Terminal lebt von einem klarem bis kühlen Design, Luxusläden - und innovativer digitaler Werbung.

Wenn Fraport-Chef Stefan Schulte heute den wichtigsten Termin des Jahres feiert, ist bei aller gelassenen Sachlichkeit doch ein hohes Maß an Stolz zu spüren. Denn gut drei Jahre nach der Grundsteinlegung öffnet er zusammen mit Lufthansa-Chef Christoph Franz in Anwesenheit des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier seinem neuen A-Plus genannten Flugsteig. Der rund 700 Millionen teure Bau mindert nicht nur die Enge an Deutschlands größtem Flughafen. Denn er bietet Platz für bis zu sechs Millionen Passagiere im Jahr. Wenn am Mittwoch kommender Woche die ersten Passagiere durch den Bau laufen, erwartet sie Europas derzeit modernstes Terminal mit einem klaren bis kühlen Design, jeder Menge Luxusläden und feiner Lounges – finanziert nicht zuletzt durch eine innovative digitale Werbung.
Auf den ersten Blick ist der Bau, den ausschließlich die Lufthansa nutzt, wenig originell. Sicher in der Wurzel, wie die Planer die Verbindung zum bisherigen Flugsteig A im alten Terminal 1 nennen, sind auf 12000 Quadratmetern eine Menge neue Läden. Es beginnt wenig originell mit einem Duty-Free-Laden. Den können die Passagiere im Gegensatz zu anderen Teilen des Airports nicht links liegen lassen können, sondern müssen auf dem Weg zum Flieger in einer leicht geschwungenen Route mitten durchlaufen. Immerhin ist die Route nicht ganz so aufdringlich wie etwa am Flughafen Dublin und etwas breiter als künftig am neuen Berliner Zentralflughafen.

Nachtflugregelungen an europäischen Flughäfen

  • Amsterdam

    Am Flughafen Schiphol gelten keinerlei Einschränkungen, da vorwiegend leisere Flugzeuge dieses Ziel ansteuern.

  • Brüssel

    In der belgischen Hauptstadt gilt kein generelles Nachtflugverbot, es werden jedoch Kontingente nach Lärmklassen zugeteilt.

  • Genf

    In Genf herrscht ein striktes Nachtflugverbot zwischen 23.00 und 6.00 Uhr, Ausnahmen davon werden durch den Flughafen geregelt.

  • Kopenhagen

    Ähnlich der Regelung in Genf, gilt auch für Kopenhagen ein Verbot für Starts zwischen 23.00 und 6.00 Uhr. Abweichungen davon genehmigt der Flughafen.

  • London-Heathrow

    Am größten Londoner Airport gibt es kein grundsätzliches Nachtflugverbot, weil auch hier hauptsächlich leisere Maschinen verkehren. Für Ausnahmen stehen Kontingente nach Lärmklassen zur Verfügung.

  • Madrid

    In Madrid gilt kein Nachtflugverbot.

  • Paris Charles Gaulle

    Auch in Paris gibt es keine Einschränkungen für Nachtflüge.

  • Warschau

    Für Nachtflüge gibt es in der polnischen Hauptstadt keinerlei Vorschriften.

  • Wien

    Der Flughafen der österreichischen Hauptstadt verfügt über kein Nachtflugverbot, allerdings sind Nachtflüge auf 4700 pro Jahr begrenzt.

  • Zürich

    Zwischen 23.00 und 6.00 Uhr dürfen in Zürich Starts nur mit Genehmigung erfolgen.

Der Weg originell in einem hellen dreistöckigen Atrium, in dem zunächst die Lufthansa mit einer Art gigantischem Mobile für sich wirbt. Dazu zweigen jede Menge Luxusläden für Designer wie Dolce & Gabbana, jede Menge Imbissläden und der Weg zu den Lufthansa-Lounges ab, die im Vergleich zu den bisherigen eher öden Warteräumen der Linie mit Holz, ein paar anderen Farben als das Kranichgelb und viel Raum überraschen.
Doch das war’s dann erst Mal mit dem Augenschmaus. Am Ende der Einkaufspassage folgt nur noch der fast 800 Meter lange Quader mit einer extrem sachlichen Einrichtung, die fast ausschließlich auf Grautöne setzt. Links sind die Großen Fenster mit dem besonders abends eindrucksvollen Blick aufs Vorfeld und rechts nur graue Wände, unterbrochen nur von kleineren Fenster, die den Blick auf den Hinterhof und die Parkhäuser mit einer Art Stanzblech mit einer Art mildern.

Anzeige

Keine künstlerischen Extravaganzen
Der Bau versucht erst gar nicht wie andere Flughäfen durch Architektur oder Extras zu imponieren. Statt Dubais Palmen, Madrids eindrucksvoll geschwungener Decke oder Oslos Holzbauten gibt es hier 70.000 Quadratmeter Natursteine und jede Menge rechte Winkel. Die einzige Auflockerung bietet die Werbung, der Einnahmen einen großen Teil der Baukosten wieder reinbringen soll. Die fällt nicht nur dadurch auf, weil sie im Gegensatz zum restlichen Interieur auf Farbe setzt. Sie nützt innovative Digitale Medien, wie große Anzeigetafeln und eine „Gallery Walks“ genannte Folge großer Bildschirme, die etwa mit einer Folge von Werbemotiven auch eine Geschichte erzählen können.
Doch wie auch beim Hauptmieter Lufthansa hat der kühle Bau selbst seine Stärken im Detail. Die Gates haben endlich Platz für ein paar Selbstverständlichkeiten wie jeder Menge Steckdosen, auch an den 6000 Sitzen. Damit kann fast jeder vor dem Einsteigen nochmal Smartphone, Laptops oder sonstige elektronische Reisebegleiter laden. Dazu gibt es endlich auch Sitze für Familien oder Passagiere mit Gehbeschwerden direkt am Gate.
Dazu sorgt A-Plus fast unbemerkt für mehr Effizienz. So geht das Ein- und Umsteigen schneller, weil der Flugsteig eben näher an den anderen Teilen des Airports ist. Damit entfällt gerade für Fans der A380 der stramme bis zu zwei Kilometern lange Fußmarsch vom bisherigen Terminal eins bis zu der C-D-Riegel genannten Verbindung zum Terminal zwei, bei der mangels eines direkten Verbindungsgang alle Passagier nochmal durch eine Sicherheitskontrolle mussten. Das spart mindestens 15 Minuten und erneutes Anstehen und die lästige Sicherheitskontrolle mit Ein- und Auspacken, Flüssigkeitskontrolle und dem An- und Ausziehen von Gürteln und Schuhen.

Per App zum richtigen Gate

Weitere Artikel

Immer öfter entfällt auch die Busfahrt vom und zum Flieger, inklusive Anstehen im Regen oder einem stickigen Bus. Denn wegen der neuen Gebäudepositionen machen nun fast alle Langstreckenflüge und mehr als zwei Drittel aller Kurzstreckenflüge direkt am Gebäude fest. Zu guter Letzt fällt die Orientierung relativ leicht. Dafür sorgt nicht nur das Design als lange Gerade. Eine echte Hilfe ist eine eigene App, die mit Hilfe im Bau verteilter QR-Codes dem Passagier genau sagt wo er ist und wie er zum Ziel kommt. Wem das nicht reicht, den führen neue Infokioske. Wer dort seine Bordkarte auf ein Lesegerät packt, bekommt sofort den Weg inklusive der wahrscheinlichen Wegezeit. So setzt A-Plus am Ende dann doch ein paar Maßstäbe. Doch so richtig bemerken werden das die Kunden wohl erst, wenn sie eben anderswo abfliegen.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%