Frenzels letzter Auftritt: Die durchwachsene Bilanz des Tui-Chefs

Frenzels letzter Auftritt: Die durchwachsene Bilanz des Tui-Chefs

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Tui-Chef Michael Frenzel

von Christian Schlesiger

Tui-Chef Michael Frenzel hat heute die letzte Bilanzpressekonferenz seiner Karriere gegeben. Die Ergebnisse des abgelaufenen Geschäftsjahres zeigen in die richtige Richtung. Doch sie dürfen nicht darüber hinweg täuschen, dass Frenzel zahlreiche Managementfehler zu verantworten hat. Seine Bilanz ist kein Ruhmesblatt für einen Manager.

Die Zahlen des Touristikkonzerns Tui können sich sehen lassen. Der Umsatz des Kerngeschäfts kletterte um fünf Prozent auf 18,3 Milliarden Euro. Der operative Gewinn (Ebita) wuchs gar um 24 Prozent auf 746 Millionen Euro – ein neuer Rekord. Grund dafür waren ein gut laufendes Last-Minute-Geschäft im Sommer und ein höherer Anteil exklusiver Reiseprodukte, die höhere Margen versprechen. Bei seinem Abschied kann Frenzel, der seinen Posten im Februar an Nachfolger Friedrich Joussen übergeben wird, immerhin behaupten: Tui ist wieder in der Spur.

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Doch der Weg dorthin war steinig. Frenzel, der seit fast 19 Jahren an der Tui-Spitze steht und damit zu den dienstältesten Vorstandskollegen in Deutschland zählt, hat den turbulenten Weg selbst zu verantworten. Er baute das Stahlunternehmen Preussag zu einem reinen Touristikanbieter um und wurde dafür einst gar als „Manager des Jahres“ ausgezeichnet. Doch wenig später schwenkte er auf einen Schlingerkurs ein, der dem Unternehmen nicht gut tat. Frenzels Führungsschwäche und Fehleinschätzungen haben dem Konzern Zeit und Geld gekostet. Für einen Top-Manager ist seine Bilanz kein Ruhmesblatt.

1. Dümpelnde Aktie Als Michael Frenzel am 1. Januar 1994 das Amt des Vorstandsvorsitzenden übernahm, hieß Tui noch Preussag. Die Aktie des Stahlkonzerns lag bei rund 24 Euro. Heute, 19 Jahre später, liegt der Aktienwert bei etwas mehr als acht Euro. Die Marktkapitalisierung des Hannoveraner Unternehmens liegt derzeit bei etwa zwei Milliarden Euro. Damit liegt der Wert rund 450 Millionen Euro unterhalb des Börsenwertes der einstigen Stahl-Tochter Salzgitter, die Frenzel 1998 für rund 550 Millionen Euro abgestoßen hat. Weil die Aktie seit vielen Jahren auf niedrigem Niveau verharrt, flog der Konzern 2008 aus dem Index der 30 größten Unternehmen in Deutschland Dax. Das war der Höhepunkt von Frenzels Misserfolgsbilanz.

2. Strategischer Zickzack-Kurs Ursprünglich wollte Frenzel einen Touristik- und Schifffahrtskonzern schaffen. Dann ruderte Frenzel auf Druck von Aktionären zurück und leitete 2009 eine Schwenk in der Konzernstrategie ein: Tui soll reinrassiger Touristiker werden. Bis heute kämpft Frenzel darum, auch den letzten Rest der Container-Reederei Hapag-Lloyd abzustoßen. Tui gehören noch 22 Prozent an der Hamburger Schiffslinie. Die anteiligen Verluste von Hapag-Lloyd sorgten dafür, dass TUI im abgelaufenen Geschäftsjahr unterm Strich knapp ins Minus rutschte.

Frenzels Schlingerkurs hat dem Unternehmen Zeit gekostet, sich frühzeitig um die wichtigen Entscheidungen im Tourismusmarkt zu kümmern. Zum Strategie-Wirrwarr gehörte auch, dass Frenzel 2008 den Unternehmenssitz von Hannover nach Hamburg verlegen wollte – und auf Druck von Belegschaft und Aktionären zurückruderte.

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