Friedrich Joussen will Marken reduzieren: Kosten kappen - für TUI überlebensnotwendig

InterviewFriedrich Joussen will Marken reduzieren: Kosten kappen - für TUI überlebensnotwendig

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TUI-Chef Joussen will sich zukünftig mit der Digitalisierung des Geschäftsmodells auseinandersetzen

von Hans-Jürgen Klesse

Der TUI-Chef hat beim größten europäischen Reisekonzern mit einer Kernsanierung begonnen: Er will bei den Marken aufräumen, Synergien zwischen den Bereichen heben und die Digitalisierung des Geschäfts vorantreiben.

WirtschaftsWoche: Herr Joussen, im Februar haben Sie für das Geschäftsjahr 2013/14 ein Wachstum von zwei bis vier Prozent prognostiziert. Inzwischen gibt es den Konflikt mit Russland, außerdem die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für Ägypten. Wann korrigieren Sie Ihre Prognose?

Friedrich Joussen: Vorerst sehe ich dazu keinen Anlass. Natürlich bereiten mir die beiden Konflikte Sorgen, aber unsere Branche ist wesentlich robuster, als man das im Allgemeinen vermuten würde. Ich will allerdings nicht verschweigen, dass ich Ihre Frage bis vor Kurzem noch zögerlicher beantwortet hätte.

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Was ist der Grund für den Sinneswandel?

Ich bin in meinem ersten Jahr bei der TUI viel herumgereist, habe mit Mitarbeitern, Kunden und Investoren gesprochen. Von den Investoren wollte ich vor allem wissen, warum unser Unternehmen so vorsichtig bewertet wird und unser Kredit-Rating nicht besser ist. Ich musste feststellen, dass die Investoren mehrheitlich der Ansicht waren, unser Geschäft sei sehr anfällig für Naturkatastrophen und politische Krisen und damit sehr volatil. Damals konnte ich diese Einschätzung nachvollziehen. Nach gut einem Jahr Erfahrung in der Touristik glaube ich aber, dass wir nicht so anfällig sind, wie es scheint. Die Branche ist mittelständisch geprägt, sie entscheidet extrem schnell. Wenn irgendwo Probleme auftauchen, werden die Kapazitäten flexibel angepasst, sodass sich die wirtschaftlichen Auswirkungen in Grenzen halten.

TUI Gute Laune bei den Aktionären

Die Stimmung bei TUI hat sich gedreht: Auf der Hauptversammlung wurde deutlich, dass der Führungswechsel von Frenzel auf Joussen dem Unternehmen viel Gutes gebracht hat. TUI steht so gut da, wie lange nicht.

Der Tui-Vorstandsvorsitzende Friedrich Joussen bei der Hauptversammlung 2014 der TUI AG in Hannover. Quelle: dpa

Aber dass die Lage in Ägypten sich negativ auf die deutschen Reiseveranstalter auswirkt, können Sie schlecht bestreiten.

Das will ich auch gar nicht. Aber die Auswirkungen für uns sind längst nicht so gravierend, wie das mediale Echo auf die Reisewarnung vermuten lässt. Vor Beginn der Unruhen flogen in den Wintermonaten rund neun Prozent unserer Kunden nach Ägypten. Heute hat sich das halbiert. Aber auf unsere Margen hat das nur begrenzten Einfluss, weil die Kunden stattdessen auf die Kanaren oder in der Nebensaison nach Griechenland ausweichen. Die Auswirkungen lokaler Krisen auf unser Geschäft sind also beherrschbar. Selbst das Konjunkturrisiko relativiert sich: Urlaub ist für die meisten Menschen ein wichtiges Thema, darauf verzichtet niemand so einfach.

Aktieninfo TUI Quelle: Bloomberg, Thomson Reuters

Aktieninfo TUI (Klicken Sie für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik)

Bild: Bloomberg, Thomson Reuters, Unternehmen

Sie haben für das Geschäftsjahr 2012/13 (zum 30.9.) erstmals nach vielen Jahren wieder eine Dividende gezahlt. 15 Cent pro Aktie haben jedoch eher symbolischen Wert. Wann können Ihre Anteilseigner mit mehr Ausschüttung rechnen?

2012/13 war für uns ein Übergangsjahr zur Dividendenfähigkeit, und die erste Dividende kam zwei Jahre früher als versprochen. Wir wollen klar dokumentieren, wir haben sichtbare Fortschritte gemacht, und das Management steht ohne Wenn und Aber zu den Zielen und zu seinem im Restrukturierungsprogramm oneTUI gegebenen Versprechen. Im letzten Jahr lag unser operatives Ergebnis bei gut 760 Millionen Euro. Für das Geschäftsjahr 2014/15 haben wir uns eine Milliarde Euro vorgenommen. Ab 2014/15 wollen wir dann auch nachhaltig mehr als 100 Millionen Euro Cash bei der AG generieren. Davon wollen wir die Hälfte an die Aktionäre ausschütten. Unsere Aktionäre sollen sich auf eine stabile und nachhaltige Dividendenpolitik verlassen können.

Eie wollen Sie das erreichen?

Vor dem Start von oneTUI hatten wir das Problem, dass von den 80 Millionen Euro Dividende, die TUI Travel...

...Ihre britische Tochter, in der alle Veranstalter-Aktivitäten gebündelt sind...

...an die AG gezahlt hat, bei uns am Ende ein Minus von 120 Millionen blieb, weil in der Zentrale die Kosten und Zinsen zu hoch waren. Die Folge war ein dramatischer Vertrauensverlust. Bei Investoren und Anlegern galt die TUI als Wertvernichter. Inzwischen haben wir die Zentralkosten erheblich gesenkt, zum Beispiel durch einen Personalabbau in der Konzernzentrale, durch die Kündigung aller Sponsorenverträge, und wir haben unseren Firmenjet verkauft. 2014/15 werden wir die Zentralkosten von heute 73 auf unter 45 Millionen Euro gesenkt haben. Ein weiteres Element der Restrukturierung ist eine Umschuldung. Durch die Umstrukturierung der Finanzierung sinkt die Zinsbelastung um rund 100 Millionen Euro pro Jahr.

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