Fusion mit CSAV: Hapag-Lloyd wird vom Gejagten zum Jäger

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KommentarFusion mit CSAV: Hapag-Lloyd wird vom Gejagten zum Jäger

von Christian Schlesiger

Einst stand die traditionsreiche Reederei Hapag-Lloyd vor dem Ausverkauf nach Asien. Jetzt fusioniert sie zur Nummer vier der Welt. Der Stadt Hamburg gelingt damit ein industriepolitischer Coup – mit einem Wermutstropfen.

Lange Zeit hat Hapag-Lloyd auf diesen Tag hingearbeitet, nun verkündet die Hamburger Traditionsreederei Vollzug: Durch den Zusammenschluss mit der chilenischen Compañía Sud Americana de Vapores (CSAV) entsteht die viertgrößte Containerlinie der Welt. Der Umsatz klettert auf rund 8,7 Milliarden Euro, die Flotte steigt auf mehr als 200 Schiffe. Die Kartellämter müssen noch zustimmen.

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Wissenswertes zu CSAV

  • Gründung

    1872

  • Flotte

    53 Containerschiffe

  • Transportvolumen

    1,9 Millionen TEU (Standardcontainer)

  • Umsatz

    3,2 Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro) in 2013

  • Mitarbeiter

    4211

Gewinner des Deals sind nicht nur die Unternehmen selbst. Auch die Stadt Hamburg darf sich freuen. 2008 stand Hapag-Lloyd noch kurz vor dem Ausverkauf nach Asien. Die Reederei Neptune Orient Lines (NOL) aus Singapur wollte die Hamburger Linie vom Touristikkonzern Tui übernehmen – der Standort Hamburg hätte langfristig an Bedeutung verloren.

Um das zu vermeiden, setzte die Stadt zusammen mit Privatinvestoren wie dem Logistikmilliardär Klaus-Michael Kühne zu einem riskanten Rettungsmanöver an. Sie kauften sich in die Schiffslinie ein, wohl wissend, dass  ihr Engagement in einem hoch volatilen Markt mit Überkapazitäten und hartem Wettbewerb in einem finanziellen Fiasko enden könnte.

Wissenswertes zu Hapag-Lloyd

  • Gründung

    1847; 1970 fusionieren die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (Hapag) und der Norddeutsche Lloyd (Bremen)

  • Flotte

    151 Containerschiffe

  • Transportvolumen

    5,5 Millionen TEU (Standardcontainer)

  • Umsatz

    6,6 Milliarden Euro in 2013

  • Mitarbeiter

    7000

Doch aus heutiger Sicht scheint sich das industriepolitische Abenteuer zu rechnen – vor allem für die Stadt Hamburg. Die Hansestadt beheimatet künftig eine der größten und wichtigsten Reedereien der Welt. De facto geht CSAV in Hapag-Lloyd auf. Die Zentrale des Unternehmens bleibt am Ballindamm an der Alster. Jobs sind damit auf Dauer gesichert. Auch der Hamburger Hafen wird profitieren. Strategisch ergänzen sich Hapag-Lloyd (stark im Europa-Asien-Nordamerika-Verkehr) und CSAV (stark im Europa-Südamerika-Verkehr) gut.

Die Standortsicherung wird allerdings teuer erkauft. An dem künftigen Unternehmen hält CSAV 30 Prozent der Anteile. Damit werden die Chilenen größter Einzelaktionär der fusionierten Schiffslinie. Hinter CSAV steht vor allem die Familie Luksic, die mit Banken und Lebensmitteln ein Milliardenvermögen aufgebaut hat. Sie wird daher versuchen, auf der Kommandobrücke den Ton anzugeben – ein Wermutstropfen für die Hansestadt.

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