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Fussball-WM: Krachmacher mit TÜV

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WM-Begleitmusik aus Monheim: Die ComBinho ist Trommel, Rassel, Ratsche und Pfeife in einem

von Hans-Jürgen Klesse

Was für die Fans bei der Südafrika-WM 2010 die Vuvuzela-Tröte war, soll diesmal die ComBinho werden.

Das Teil hat das Zeug dazu, zum Hit vieler Kinderzimmer und zum Schrecken der Eltern zu werden, denn man kann einen Höllenlärm damit erzeugen. „Die ComBinho ist eine Kombination der vier klassischen Samba-Instrumente Trommel, Rassel, Ratsche und Pfeife und soll deutschen Fans bei der Fußball-WM zu einem Rio-Feeling verhelfen“, sagt Gerd Kehrberg, einer der drei Gesellschafter und Gründer der Werbemittelagentur Brandivision aus Monheim bei Düsseldorf, die sich das Set ausgedacht haben.

Exklusivpartner für das Samba-Set ist Mediamarkt, wo gut zwei Millionen der im chinesischen Shenzhen produzierten Krachmacher seit April für 9,90 Euro in den Regalen liegen. Betriebswirt Kehrberg, Vertriebsexperte Frank Urbas sowie Designer Dirk Hagen Zimmermann haben Erfahrung mit erfolgreichen Fan-Artikeln: Die Vuvuzela zur WM in Südafrika war ihre Idee.

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Small Talk WM

  • Längste Anreise zur WM

    Zwei Wochen brauchte die rumänische Nationalmannschaft im Sommer 1930 von Bukarest nach Montevideo. Außer ihr hatten nur drei weitere europäische Vereine den Weg nach Uruguay auf sich genommen – nämlich Belgien, Frankreich und Jugoslawien. Bei dieser ersten Fußball-WM gab es keine Qualifikationsrunde. Jede Nationalmannschaft, die Lust hatte, konnte teilnehmen.

  • Ärgerliche Verletzung

    Kommt die Sprache auf Spieler die verletzungsbedingt ausfallen, wie der Franzose Franck Ribéry oder Marco Reus, könnten Sie folgende Anekdote zum Besten geben: Dem spanischen Nationaltorwart Santiago Cañizares vermasselte eine Flasche mit Aftershave die Teilnahme an der WM 2002. Er wollte sich gerade im Badezimmer frisch machen, um mit seiner Mannschaft zu Abend zu essen, da viel ihm die Flasche hinunter. Aus Reflex versuchte Cañizares sie mit dem Fuß aufzufangen – aber keine Chance. Die Flasche zersplitterte, eine Scherbe durchtrennte eine Sehne im Fuß des Torwarts. Die WM war für ihn gelaufen.

  • Ungeschlagen ausgeschieden

    Reiht sich Unentschieden an Unentschieden und Ihre Gesprächspartner sind sich schon einig, dass diese Ergebnisse für die Gruppenphase schon reichen werden, erwähnen Sie Neuseeland und die WM 2010. Ungeschlagen und mit drei Punkten im Gepäck verabschiedete sich die neuseeländische Nationalmannschaft nach Hause.

  • Der Hattrick-BH

    Auch wer sich auf dem Themengebiet Mode wohler fühlt, findet bei Fußball-Weltmeisterschaften immer wieder Anknüpfungspunkte. Zum Beispiel in Form des Hattrick-BHs, den ein japanischer Unterwäscheproduzent im Jahr 2002 pünktlich zur WM auf den Markt brachte. Die Körbchen des Büstenhalters waren mit Netzstoff überzogen und der BH für 145 Euro zu erstehen.

  • Nie wieder Steuern zahlen

    Das gilt für die Spieler der brasilianischen Nationalmannschaft von 1970. Nachdem die Brasilianer in Mexiko den WM-Titel gewonnen hatten, wurden sie in ihrem Heimatland von der Steuerpflicht befreit.

  • Hitze-Training

    Viel diskutiert: Das Klima in Brasilien. Deutsche Fußball-Fans fürchten, dass die europäischen Mannschaften mit dem südamerikanischen Wetter nicht zurechtkommen ­– auch während der WM wird darüber weiterhin hitzig diskutiert werden. Ihr Anknüpfungspunkt: Die WM 1950 in Brasilien. Die Engländer hatten versucht, sich auf die Wärme vorzubereiten. Die Mannschaft trainierte in einem ehemaligen Flugzeug-Hangar, in den heiße Luft gepumpt wurde. Doch damit nicht genug: die Spieler mussten zusätzlich langärmlige Pullover tragen. Das Ergebnis des harten Trainings: Vorrunden-Aus.       

  • Einsilbige Spieler

    Interviews mit Fußballern direkt nach dem Spiel haben meist einen geringen Mehrwert. Sie sind total ausgelaugt; bedienen sich der Phrasen, die ihnen die Medientrainer beigebracht haben. Ganz anders bei einer WM-Anekdote, die Sie bezüglich Interviews erzählen könnten. Abwehrspieler Paul Janes gab nämlich nach der WM 1934 in Italien ein legendäres Interview, das sich wie folgt liest: „Herr Janes, Sie waren mit der Nationalelf in Italien?“ - „Ja.“ - „Sind Sie mit dem Abschneiden zufrieden?“ - „Ja.“ - „Hätten Sie Weltmeister werden können?“ - „Nein.“ - „Der dritte Platz tut es auch?“ - „Ja.“ - „Wie war es in Italien?“ - „Warm.“

Stammgeschäft von Brandivision sind Werbemittel. „Wir entwickeln, produzieren und vertreiben Artikel, die den Verkauf anderer Produkte befeuern“, sagt Kehrberg. Rund 15 Millionen Give-aways wie Flaschenöffner oder Feuerzeuge haben die Werber seit 2009 verkauft.

Eingebaute Samba-Pfeife

In normalen Jahren ohne Fußball-Großevents kommt Brandivision auf einen Umsatz von rund drei Millionen Euro. 2014 mit der WM in Brasilien wird für das mittlerweile 16 Mitarbeiter zählende Unternehmen zum Ausnahmejahr: Rund 20 Millionen Euro Umsatz mit WM-Fanartikeln haben die Monheimer schon sicher. Neben der ComBinho sind noch im Angebot: schwarz-rot-goldene sogenannte FlagTags, das sind Autofinnen, die seitlich in die Schlitze der Motorhaube geklemmt werden und die alle Opel-Händler als Give-away an potenzielle Kunden verteilen, sowie ein Flaschenöffner mit eingebauter Samba-Pfeife, der Apito de Copa heißt.

Fußballfans sind bekannt für vollen Einsatz am Spielfeldrand, in den Rängen oder auch vor dem Bildschirm. Wer auch mit seinem Fan-Outfit vollen Körpereinsatz zeigen will, der findet sicher an einem sogenannten 'Morphsuit' Gefallen:

Angefangen hat die Erfolgsgeschichte 2008. Kehrberg war Geschäftsführer des Fußball-Zweitligisten Rot-Weiß Oberhausen. Ein aus Südafrika zurückgekehrter Geschäftspartner erzählte ihm von der in Europa unbekannten, am Kap aber legendären Traditions-Tröte.

„Mit dem Bezug zur südafrikanischen Kultur und zum Fußball lag es auf der Hand, aus der Vuvuzela einen Fanartikel für die bevorstehende WM zu machen“, erinnert sich Kehrberg. Er sicherte sich die Namensrechte, Urbas entwickelte das Vertriebskonzept, Zimmermann kümmerte sich um die Produktion: „Wir brauchten den Segen des TÜVs, und der verlangte einen Schalldämpfer, sauber entgratete Kunststoffteile und Sollbruchstellen, damit niemand das Instrument als Schlagwaffe missbrauchen konnte.“ Vertriebspartner zur WM 2010 waren der Ölkonzern Shell, die Supermarktkette Edeka, der Mobilfunker Vodafone und die Paulaner Brauerei.

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Hergestellt wurde die Tute in Schwarz-Rot-Gelb von dem Bad Kreuznacher Spritzgussspezialisten Allit, „für unter einen Euro pro Stück und in Spitzenzeiten bis zu 65 000 Tröten am Tag“, erzählt Kehrberg. 5,2 Millionen Vuvuzelas brachten die Werbeprofis unters deutsche Fußballvolk und erwirtschafteten damit rund sieben Millionen Euro Umsatz. Das Risiko war überschaubar, „produziert wurde nur, was schon verkauft war“, so Zimmermann.

Nach Südafrika und Brasilien planen die drei Werbe-Spezis das nächste Fußball-Event: „Für die Europameisterschaft 2016 in Frankreich haben wir sechs Produkte in der Entwicklung“, sagt Kehrberg, „die ersten Gespräche mit Herstellern laufen.“

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