GDL und die Bahn: Die Wirtschaft ist für den Streik gerüstet

GDL und die Bahn: Die Wirtschaft ist für den Streik gerüstet

Quelle:Handelsblatt Online

Für fast drei Tage will die Lokführer-Gewerkschaft GDL den Güterverkehr in Deutschland lahmlegen. Doch für die deutsche Wirtschaft hält sich der Schaden in Grenzen – die Notfallpläne liegen bereits in der Schublade.

Beim aktuellen Bahnstreik im Güterverkehr könnte die deutsche Wirtschaft noch einmal mit einem blauen Auge davonkommen. Auf 66 Stunden hat Claus Weselsky, Chef der Lokomotivführer-Gewerkschaft GDL, seine Arbeitsniederlegung angesetzt. Um 15.00 Uhr ließen die Mitglieder bundesweit die Güterzüge stehen. Die Bahn erwartet, dass die Hälfte ihres Angebots zusammenbricht.

Dennoch: Nach Angaben von Experten reicht das nicht aus, um den Warenstrom in Deutschland nachhaltig zu unterbrechen. „Erst nach drei Tagen wird es bei den meisten kritisch“, sagt Gunnar Gburek vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME). Grund dafür sind Staus, die dann entstehen. Container etwa können dann nicht zurückgeholt werden und stehen im Wege, Behälter für die Versorgung werden knapp.

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Bis dahin aber halten sich die Schäden in Grenzen. „Zu Buche schlagen natürlich entgangene Umsätze, weil Touren nicht gefahren wurden“, erklärt Gburek. Auch Überstunden von Lagermitarbeitern und Disponenten haben betroffene Unternehmen zu zahlen.

Fahrgastrechte während des Bahnstreiks

  • Welche grundsätzlichen Rechte habe ich bei Verspätungen?

    Das hängt von der Verspätung ab. Kommt die Bahn mindestens eine Stunde zu spät am Ziel an, werden 25 Prozent des Fahrpreises erstattet. Die Hälfte des Preises wird bei einer Verspätung ab zwei Stunden zurückgezahlt.

  • Was ist, wenn mein Zug streikbedingt ausfällt?

    "Fahrgäste, die aufgrund von streikbedingten Zugausfällen, Verspätungen oder Anschlussverlusten ihre Reise nicht wie geplant durchführen können, können ihre Fahrkarte und Reservierung im DB Reisezentrum oder in den DB Agenturen kostenlos erstatten lassen", schreibt die Bahn. Fahrgäste, die ihre Reise gar nicht antreten, können ihr Ticket auch nach dem ersten Gültigkeitstag erstatten lassen.

    Fahrkarten, die in einem DB Reisezentrum, einer DB Agentur oder am DB Automaten gekauft wurden, können nur dort erstattet werden. Für Online-Tickets gibt es ein Erstattungsformular: http://www.bahn.de/p/view/home/info/streik_gdl_042015.shtml

  • Und wenn ich einen anderen Zug nutzen will?

    Fällt ein Zug streikbedingt aus, können Reisende den nächsten - auch höherwertigen - Zug nutzen. In diesem Fall wird bei zuggebundenen Angeboten, wie beispielsweise Sparpreis-Tickets, auch die Zugbindung aufgehoben. Ausgenommen hiervon sind regionale Angebote mit erheblich ermäßigtem Fahrpreis (Schönes Wochenende-, Quer-durchs-Land- oder Länder-Tickets) sowie reservierungspflichtige Züge.


  • Bezahlt die Bahn mein Hotel, wenn es nicht weitergeht?

    Nur im äußersten Notfall: "Wird aufgrund eines Zugausfalls oder einer Verspätung eine Übernachtung erforderlich und ist die Fortsetzung der Fahrt am selben Tag nicht zumutbar, werden dem Fahrgast angemessene Übernachtungskosten erstattet", heißt es von der Bahn. Wichtig: Um die Kosten erstattet zu bekommen, muss das Original der Hotelrechnung eingereicht werden.

  • Wo bekomme Informationen und Hilfe?

    Über die Fahrgastrechte informiert die Bahn auf ihrer Homepage: http://www.bahn.de/p/view/service/fahrgastrechte/faq_fahrgastrechte.shtml

    Details zu den Rechten während des Streiks stehen auf dieser Seite:

    http://www.bahn.de/p/view/home/info/streik_gdl_042015.shtml

    Die kostenpflichtige Servicenummer lautet: 0180/699 66 33

    Wenn es einmal Streit gibt, übernimmt die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr: https://soep-online.de/

Wirkliche Engpässe aber sind kaum zu erwarten. Kohle- und Stahlfirmen, die zu den Großkunden der Bahn zählen, besitzen einen Puffer von fünf bis sieben Tagen – auch wenn sie im Anschluss an den Streik mit doppelten bis dreifachen Kapazitäten ihre Rohstoffe wieder auffüllen müssen. Der Düngemittelhersteller K+S, so berichten Insider, stellt hingegen kurzerhand die Produktion ein, sobald sich Kali- oder Salzhalden auftürmen.

Nicht einmal im Hamburger Hafen macht man sich große Sorgen, Opfer des Bahnstreiks zu werden. Bei den vergangenen DB-Streiks, die zum Teil deutlich länger dauerten, blieben nur wenige Seecontainer an der Kaye stehen. Die Deutsche Bahn ist dort nur eines von über 100 Schienenunternehmen, die für den Abtransport sorgen. Selbst die Hafengesellschaft HHLA besitzt zwei Eisenbahngesellschaften.

Deutsche Bahn GDL erklärt Tarifverhandlungen für gescheitert

Die GDL hat die Tarifverhandlungen mit der Bahn am Freitag für gescheitert erklärt. GDL-Chef Weselsky erklärte, es werde zeitnah zu Streiks kommen. Kurz zuvor hatte die Bahn noch von einer Annäherung gesprochen.

Claus Weselsky, Vorsitzender der Lokführergewerkschaft GDL Quelle: dpa

Auch Großkunden der Deutschen Bahn, die es eiliger haben, müssen sich wenig Gedanken machen. Sie bedient die DB bevorzugt. Zu ihnen zählt nach Insider-Angaben vor allem der Münchener Autohersteller BMW, der seine Karossen in Einzelteilen per Bahn nach China liefern lässt. „BMW bringt der Bahn nicht nur ein großes Renommee“, erzählt ein Branchenexperte, „hier würden wohl auch die höchsten Schadensersatzzahlungen fällig.“ 200.000 Euro verlangen die Autokonzerne als Konventionalstrafe, wenn wegen fehlender Zulieferteile das Band stillsteht - pro Stunde.

Was die Streikmacht der Gewerkschaft zudem schwächen dürfte: Nach sechs vorangegangenen Arbeitsniederlegungen bei der Bahn dürften sich inzwischen fast alle Lieferanten effiziente Notfallpläne in die Schublade gelegt haben. „Im Güterverkehr werden Alternativen inzwischen radikal genutzt“, heißt es beim Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik.

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