Gegen Wirtschaftsprüfer: Mit dem Hammer unterwegs

KommentarGegen Wirtschaftsprüfer: Mit dem Hammer unterwegs

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Bald nur noch Prüfer oder Berater

von Julia Leendertse

EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier will die Fat Cats der Wirtschaftsprüferbranche - PricewaterhouseCoopers, KPMG, Deloitte und Ernst& Young - auf Trennkost setzen.

Wirtschaftsprüfer, die in der Europäischen Union pro Jahr mehr als 1,5 Milliarden Euro Prüfungshonorare einstreichen, sollen sich künftig entscheiden müssen, ob sie ein Prüfungs- oder aber ein Beratungshaus sind. Beides – Beratung und Prüfung – darf nicht mehr unter demselben Namen angeboten werden und zum selben Netzwerk gehören. Damit will Barnier die Dominanz der Big Four brechen, die sich laut EU 85 Prozent des Prüfmarktes von Unternehmen öffentlichen Interesses untereinander aufteilen – sprich von Banken, Versicherungen, Finanzdienstleistern, börsennotierten Unternehmen und solchen die Schuldtitel ausgeben.

"Das Gesetzespakt der EU-Kommission zur Neuordnung des Abschlussprüfermarkts ist ein Schritt in die richtige Richtung", frohlockt Hans-Günter Klein, Vorstandschef der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton. "Jetzt haben wir endlich eine Grundlage, um öffentlich darüber zu diskutieren, wie wir das Vertrauen in die Jahresabschlüsse wieder herstellen". Mit einem Umsatz von 80 Millionen Euro gehört Kleins Haus zu den zehn größten Wirtschaftsprüfern Deutschlands. Und damit zu der überschaubaren Schar mittelgroßer Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, die sich als vermeintliche Gewinner von Barniers Vorschlag wähnen können. Doch möglicherweise freut sich Klein zu früh.

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Mehr Wettbewerb, aber nicht mehr Qualität

Mit seinem Vorstoß ersetzt Barnier nämlich nur eine qualitätsverzerrende Zweiklassengesellschaft durch eine andere. Zwar sorgt er für mehr Wettbewerb, für mehr Qualität in der Abschlussprüfung sorgt er indes nicht. Was bitte schön, hat es mit Qualität zu tun, wenn ein Wirtschaftsprüfer, der unter der Schallgrenze von 1,5 Milliarden Euro Umsatz liegt, noch unter einem Dach prüfen und beraten darf und der andere, der die Schallgrenze gerade durchbrochen hat, nicht? Wenig hilfreich ist auch die Regelung, dass Unternehmen spätestens nach sechs Jahren einen anderen Prüfer beauftragen müssen. „Das ist eine höllisch kurze Zeit“, findet auch Klein. „Um den Jahresabschluss von Großkonzernen anständig prüfen zu können, bedarf es jeder Menge Vorarbeit. Wenn alle paar Jahre das Karussell neu gedreht wird, braucht man da als Prüfgesellschaft eine gut funktionierende und schlagkräftige Organisation.“

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